Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen

Nach seinem erfolgreichen Buch „Die Intelligenz der Pflanzen“ hat Stefano Mancuso, Professor für Pflanzenkunde, seine Leidenschaft in ein weiteres Buch fließen lassen. Im Zentrum stehen Pflanzen, die sich mithilfe ausgeklügelter Fortpflanzungsmethoden durch Raum und Zeit bewegen. Mit viel Liebe zum Detail erfährt der Leser von besonderen Extremen, die die Überlebens- und Anpassungsfähigkeit beschreiben. Ob es um hohe Windgeschwindigkeit, Trockenheit bei 50 Grad Celsius oder extreme Kälte geht, aber auch durch Umweltbelastungen, wenn trotz atomarer Sprengköpfe und die dadurch entstehenden Hitzewellen bis zu 6000 Grad die Wurzeln von Bäumen erneut ausschlagen. Auf informative und unterhaltsame Weise spannt Stefano Mancuso einen weiten Bogen, um die ganze Spannweite pflanzlicher Überlebenskunst unter Beweis zu stellen, aber auch, wie verletzlich ein uralter, einzelner Baum mitten in der Wüste der südlichen Sahara ist, wenn er innerhalb einiger Jahre von zwei Lkws angefahren wird und an den Folgen der Zusammenstöße stirbt.  Aber manchmal können Pflanzen auch zurückschießen, insbesondere der Sandbüchsenbaum, der seinen Samen mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde über 40 Meter weit katapultiert. Trotz dieser ungewöhnlichen Leistungen stoßen Pflanzen – so der Autor – auf geringes Interesse, „…, weil den meisten Menschen ihre grundlegende Bedeutung für das Leben auf diesem Planeten gar nicht bewusst ist.“ (S. 129) Diese Missachtung geht so weit, dass man ihnen die Möglichkeit beraubt, eigenen Samen zu produzieren. Auf diese Weise werden sie vom Lebewesen zum bloßen Produktionsmittel degradiert, während die Lebensmittelindustrie darüber entscheidet, welches Individuum sich wann, wo und wie vermehrt. Die Folgen exzessiver Monokultur sind bekannt, ebenso ihre Anfälligkeit für Krankheiten und der daraus resultierenden Nutzung von Pestiziden.

Passend zu diesem lebenswichtigen Thema hat der Verlag Klett-Cotta ein wunderschön gestaltetes Buch herausgebracht. Andreas Thomsen übersetzte aus dem Italienischen, und Grisha Fishers Aquarelle runden das inhaltliche und optische Kunstwerk Buch ab.

In seiner Einleitung schreibt Stefano Mancuso: „[…] Niemand beachtet sie (die Pflanzen) gebührend, sie werden kaum erforscht und wir wissen noch nicht einmal annähernd, wie viele es überhaupt gibt, wie sie funktionieren oder welche Eigenschaften sie besitzen. Und doch könnte ohne sie keines von uns Tieren überleben.“ (S. 9)

Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen.
Klett-Cotta, Februar 2020.
154 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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Ein Kommentar zu “Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen

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