Siri Pettersen: Die Rabenringe 01: Odinskind

Hirka ist 15 Jahre alt und lebt im Ymsland. Alle Gleichaltrigen und die Erwachsenen um sie herum haben einen buschigen, langen Schwanz. Nur Hirka wird von allen Hirka Schwanzlos genannt, da ein Wolf ihr als Baby den Schwanz abgerissen hat. Hirka ist auch sonst eher eine Außenseiterin, hält sich von Leuten fern und ist für sich. Nur mit dem drei Jahre älteren Rime konnte sie immer gut spielen. Er kehrt nach jahrelanger Abwesenheit ins Tal zurück und plötzlich gerät Hirkas Welt völlig aus den Fugen. Denn ihr geliebter Vater offenbart ihr, dass sie ihren Schwanz gar nicht verloren hat, sondern ohne geboren wurde. Sie ist ein Odinskind aus einer anderen Welt und gilt eigentlich als verflucht. Wenn die anderen Bewohner von ihr wüssten, würden sie Hirka töten. Als der Vater dann auch stirbt, weiß Hirka überhaupt nicht mehr, was sie tun soll. Sie flüchtet ins entfernte Ravenhov, das eine andauernde Feindschaft mit ihrem Reich pflegt.

„Odinskind“ ist der Auftakt einer Trilogie, die aus dem Norwegischen übersetzt wurde. In Norwegen wurden die Bücher zu einem wahren Bestseller und Siri Pettersen als neuer Star am Fantasyhimmel gefeiert. Dass man es mit einem besonderen Buch zu tun hat, merkt man schon auf den ersten Seiten, der Widmung. Gewidmet hat Siri Pettersen ihren Roman wie folgt: „… Und für dich und für alle, die immer Bücher gelesen haben, von denen noch nie jemand gehört hat. Für alle, die etwas anders waren und in der Klasse immer hinten saßen. Für alle, die in einem dunklen Keller aufgewachsen sind, wo die Würfel über euer Schicksal entschieden. (…) Das hier ist euer Buch.“

Pettersen erfindet das Rad im weiteren Verlauf der Geschichte nicht neu, aber der Roman ist wirklich großartig. Manchmal ist die Sprache etwas holprig, das mag aber an der Übersetzung liegen und vielleicht auch an den Unterschieden zwischen dem Norwegischen und Deutschen. Die Geschichte selbst ist aber spannend und flüssig aus drei Perspektiven erzählt. Hirka, Rime und ein Mann von hohem Stand namens Urd werden näher betrachtet. Da sich die drei meist an ganz unterschiedlichen Orten aufhalten und verschiedener nicht sein könnten, erhält man einen sehr guten Überblick über das Gesamtsystem. Man lernt Mythen kennen über die Blinden, Monstern, vor denen sich alle fürchten, über die Schwarzröcke, die dunkle Armee der Ymsländer, und die Odinskinder, jene ohne Schwanz geborenen Wesen, die als sehr gefährlich gelten. Alles wird überschatten von großen Prophezeiungen, schwarzen Raben, die wie Brieftauben Nachrichten überbringen und einer den Ymsländern innewohnenden Gabe, mit deren Hilfe sie sich der Erde verbunden fühlen. Als Odinskind besitzt Hirka diese Gabe nicht, muss aber in wenigen Wochen bei einem so genannten Ritual unter Beweis stellen, dass sie ihrer fähig ist. Spätestens dann wird wohl jeder wissen, dass sie ein Odinskind, eine Missgeburt aus der Welt jenseits der Steinkreise ist.

„Odinskind“ ist ein bemerkenswerter Roman mit toller Geschichte, die am Ende des ersten Bandes bei weitem noch nicht erschöpft ist. Der zweite Band, „Fäulnis“, soll im Januar 2019 erscheinen, der dritte Band, „Gabe“, im Juli 2019.

Siri Pettersen: Die Rabenringe 01: Odinskind.
Arctis, Juli 2018.
656 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

 

 

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.