Sina Beerwald: Die Strandvilla

Sylt, 1913: Als Moiken erfährt, dass ihr Mann nicht von der See zurückgekommen ist und seine Mutter zudem das Häuschen, in dem sie bisher mit ihm und ihrer Tochter Emma gelebt hat, verkaufen will, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg. Da hilft in ihren Augen nur eins: Emma und sie müssen nach Hamburg gehen und dort ihr Glück versuchen. Durch einen Zufall hilft sie am Abend zuvor dem renommierten Hotelier Theodor von Lengenfeldt, dem die Strandvilla auf der Insel gehört. Entgegen ihrer eigenen Pläne entwächst daraus eine längere Partnerschaft. Und Theodor hat nicht nur ein geschäftliches Interesse, sondern interessiert sich auch für Moiken als Person. Als dann ihre Jugendliebe Boy auftaucht, scheint das Chaos perfekt …

Sina Beerwald versteht ihr Handwerk, das merkt man schon nach wenigen Kapiteln. „Die Strandvilla“ ist eine tolle Mischung, die kaum einen Wunsch von LeserInnen des historischen Romans offenlässt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine starke Frauenfigur – das ein oder andere Klischee ist nicht von der Hand zu weisen, aber sie halten sich dezent im Hintergrund. Moiken hat eben ihren Mann verloren und steht mit der Teenager-Tochter vor dem Nichts. Doch das ist bei weitem nicht alles: Auch um Emmas Zeugung ranken sich Zweifel. Denn Moiken war in der Zeit, die in Frage kommt, auch kurz mit Boy zusammen. Deswegen war sie sich all die Jahre nicht sicher, ob Emma die Tochter ihres Mannes oder ihrer Jugendliebe ist. Vielleicht sorgt auch hier Boys Auftreten für Klarheit? Hinzu kommt das Werben des gut betuchten Hoteliers und Emmas Rebellion gegen die Ideen der Mutter. Viel lieber würde Emma nach Berlin gehen und dort ihr Glück versuchen.

Diese Themen sind geschickt und mit toller Schreibe in die Geschichte verwoben und es macht einfach Spaß, „Die Strandvilla“ zu lesen. Längen sucht man vergebens, die Geschichte hat stets einen angenehmen Fluss. Einzig von Moiken hätte ich mir manchmal gewünscht, dass auch sie mal aus starren Bahnen ausbricht und mehr wagt als nur ein Strandcafé zu eröffnen.

Eingewoben sind die Geschehnisse auf Sylt in den generellen historischen Kontext, der immer wieder zur Sprache kommt. Es wird deutlich, dass die Zeit um 1913/14 von Spannungen und Ungewissem geprägt war, was sich auch auf viele der Figuren auswirkt.

Insgesamt gelungenes Lesevergnügen, perfekt geschrieben und toll zu lesen!

Sina Beerwald: Die Strandvilla.
Knaur, März 2020.
464 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.