Simon Urban: Wie alles begann und wer dabei umkam

Einen ausgesprochen witzigen Schelmenroman legt der deutsche Autor Simon Urban vor. In seinem 544-Seiten-Wälzer mit dem langen Titel „Wie alles begann und wer dabei umkam“ geht es um die Juristerei und die Frage, wie gerecht unsere Gesetze eigentlich sind.

Der Held entwickelt schon als Kind Interesse an diesem Thema. In Abwesenheit verurteilt er seine Großmutter, den tyrannischen Familiendrachen, zum Tode.

Kein Wunder also, dass er später Jura studiert – und zwar in Freiburg. Dort eckt er mit einer neuen Professorin an, die sich für eine Gesetzgebung einsetzt, die weniger auf Strafe ausgerichtet ist. Unser Held sieht‘s anders. Im Wesentlichen kommt er nicht damit klar, dass ein Täter nicht für ein und dieselbe Tat zweimal verurteilt werden kann – auch dann nicht, wenn neue Beweise auftauchen. Der Ich-Erzähler mutiert mehr und mehr zum düsteren Racheengel, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt.

Es sind aber gar nicht die juristischen Diskurse, die dieses Buch so lesenswert machen, sondern eher die humorvolle Art, mit der der 1975 in Hagen geborene Autor seine Geschichte erzählt – und die vielen Abschweifungen, die die Handlung mehr wie einen in vielen Windungen langsam dahinfließenden Fluss ablaufen lassen als in einer geraden Linie.

So werden wir Zeuge, wie der Held als pubertierender Jugendlicher als Nachhilfelehrer im Haus mit drei Grazien einen erotischen Overkill erlebt, harte Zeiten auf einem Thunfisch-Fänger vor Papua-Neuguinea verbringt oder sich zum Martial-Art-Kämpfer in der Kampfkunst Muay Thai ausbilden lässt. Auch die Liebe zu der vor allem an Sex interessierten Barbara und der diskutierfreudigen Sandra mit ganz eigenen Rachegelüsten an einem Nazi-Verwandten kommt nicht zu kurz.

Dass der Rachefeldzug der Hauptfigur letztlich nicht gut ausgeht, erfährt der Leser übrigens schon auf den ersten Seiten, denn er erzählt seine Geschichte aus der Todeszelle.

Simon Urban: Wie alles begann und wer dabei umkam.
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2021.
544 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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