Shane Kuhn: Feindliche Übernahme

Thriller plus Comedy – da ist ein Mordsspaß garantiert! Seit Shane Kuhns Erstlingsroman „Töte deinen Chef“ arbeitet John Lago in einer Vermittlungsagentur für Profikiller. Human Resources Inc. schleust diese als Praktikanten in Unternehmen ein, um verhassten Firmenbossen den Garaus zu machen. In diesem literarischen Nachfolger geht es noch abgedrehter zur Sache. John ist mittlerweile mit seiner ehemaligen Erzfeindin, der Profikillerin Alice, verheiratet. Die beiden haben eine besondere Beziehungsdynamik, nach dem Motto: Sie küssten und sie schlugen sich … Gnadenlos böse, gnadenlos gut.

Wer es makaber mag, wird dieses Buch lieben. Der Autor Shane Kuhn schafft Kunstfiguren, die fast Tarantino-mäßig anmuten. John Lago ist einfach die Coolness in Person. Völlig unaufgeregt schildert er von seinen Killerkommandos, steckt sämtliche Blessuren klaglos weg, ist so manchem (Drogen-) Cocktail gegenüber nicht abgeneigt und hat in jeder Situation einen Spruch auf Lager. Nur bei seiner Flamme Alice wird John butterweich, obwohl diese verbal und körperlich ebenso austeilen kann wie er. Nachdem sie beide Johns ehemaligen Chef um die Ecke gebracht haben, übernehmen sie die Leitung der Profikilleragentur. Das hinreißende Pärchen erlebt seinen Höhen und Tiefen – und findet sich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten wieder. Hat ihn Alice verraten? Treibt sie ein doppeltes Spiel? Oder steckt dahinter eine geplante, große Nummer?

Shane Kuhns Schreibe ist unerschrocken, provokant und frech. Man merkt ihm seine Wurzeln als Werbetexter und Drehbuchautor deutlich an. Wo immer zwei große Egos aufeinandertreffen, die vor nichts zurückschrecken, ist Beziehungschaos garantiert. „Bei normalen Paaren fliegt nach einem Streit vielleicht jemand aus dem Haus. Bei uns fliegt vermutlich jemand aus dem Fenster.“

Dieses knallharte Romeo-und-Julia-Gespann wächst einem dennoch ans Herz. In Wahrheit ist John kein schlechter Kerl. Es sind die Umstände, die besondere Maßnahmen erfordern. Und es trifft nicht die Falschen. Unschuldige werden verschont, die eigenen Leute gerettet, nur den Bad Guys geht es an den Kragen. Sprich: „Typen wie Fletcher ficken den amerikanischen Traum schon in den Arsch, seit Thomas Jefferson sich das erste Mal an seiner Haussklavin vergriffen hat.“ Kuhn hat auch ein Händchen für schräge Nebenfiguren. Zum Beispiel Gangster, die sich auf ihren Goldzähnen mit Diamanten die Zahl 187 – den Polizeicode für Mord – haben anbringen lassen.

Fazit: Ein literarisches Gag-Feuerwerk für Freunde des rabenschwarzen Humors. Wer den Begriff „Thriller“ nicht allzu wörtlich nimmt, sich an Splatter-Szenen nicht stört und schon immer mal wissen wollte, wie sich ein todbringender „Commotio cordis“ herbeiführen lässt, wird bestens unterhalten.

Shane Kuhn: Feindliche Übernahme.
Dumont, März 2017.
320 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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