Sebastian Fitzek: Passagier 23

fitzWas für eine ärgerliche Zeitverschwendung. Ich habe mich blenden lassen. Genau dort, wo man immer seine Finger von lassen sollte: nämlich von den Bücherstapeln am Eingang der Buchumschlagplätze in den dicken Fußgängerzonen mit den noch dickeren Plakaten wie „Spiegelbestseller“ oder sonst irgendwelchen Listen und Lügen. Da stand ich nun eines Tages und wartete auf eine Bekannte. Es dauerte und regnete. So kam ich zu diesem Buch. Nun bin ich ja gerne Kreuzfahrer, hab als Künstler schon einiges von der Welt sehen dürfen und mag das Leben auf solchen Schiffen. Nicht so Riesenpötte wie die hier beschriebene „Sultan of the sea“ eher ein-zwei Nummern kleiner, aber was solls. Eben Kreuzfahrt. Es gibt auch Psychothriller die ich mag. Ehrlich. Hab schon viele gute gelesen und hab die ganzen Nordländer geliebt, angefangen von Mankell, über Dahl, Adler Olsen, Nesbo, ach was weiß ich. Und jetzt dieser Blödsinn. Eine Gemische und Gewürge aus allen Zutaten dieses Genres. Angefangen von der leichten klaustrophobischen Spannung, die so eine Kreuzfahrt immer hat in den Kabinen, vor allem in denen ohne Bullaugen; auf Ozeanen, die tausende Meter schwarzes Wasser unter Dir bereithalten, immer schluckbereit. Und jetzt komm her: ehemaliger, einsamer Bulle, Frau und Kind mysterös vor Jahren auf eben diesem Schiff verschwunden, ein bisschen Schweigen der Lämmer, quälende Zellen im dunklen Bauch des Schiffes, alle tragen Geheimnisse, die nach jedem kurzen Kapitel um halt Interesse für das Weiterlesen zu erzwingen, irgendeine unglaubliche neue Grauenhaftigkeit, formulieren und alle aktuellen gesellschaftlichen Gemeinheiten unserer Zeit wie Pädophilie dazu gerührt, und dann, zack. Bestseller. Verstehe wer will.

Sebastian Fitzek: Passagier 23.
Droemer, Oktober 2014.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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