Sebastian Fitzek: AchtNacht

Fake-News sind gefährlich. Vor allem, wenn sie den Leuten das erzählen, was sie hören wollen. Jemand wird für eine Nacht geächtet (bitte, es heißt geächtet und Geächtete und nicht „Achtnachter“), angeblich hat sogar die Bundesregierung Straffreiheit für denjenigen zugesichert, der den Geächteten zur Strecke bringt und natürlich gibt es eine dicke Belohnung. Muss wahr sein, stand ja schließlich im Internet. Dass das jeder gültigen Rechtsprechung in Deutschland widerspricht, stört kaum einen der Jäger, dabei hätte es gereicht, das Grundgesetz aufzuschlagen. Die wenigen, die darauf hinweisen, werden niedergethreated.

Es trifft Ben. Plötzlich hört er seinen Namen im Radio, erkennt sein Gesicht auf Videowänden und weiß nicht, wie ihm geschieht. Der Einstieg ist gewohnt spannend und lässt den Leser mit der Frage weiterlesen: Wieso Ben? Ja, er ist ein Loser auf der ganzen Linie, aber gerade deswegen ist es so rätselhaft. Sein Leben ist viel zu verkorkst, um Neider auf den Plan zu rufen, reich ist er auch nicht und wenn er jemandem auf die Füße tritt, dann nicht allzu fest. Wieso ist ausgerechnet er nominiert, getötet zu werden? Aber er ist nicht der Einzige. Obwohl das Konzept der Achtnacht eigentlich nur ein Opfer vorsieht, gibt es in dieser Nacht noch ein zweites. Arezu hat die Achtnacht mitentwickelt und behauptet, noch versucht zu haben das ganze zu stoppen. Deswegen wäre sie ebenfalls geächtet. Kann man nicht Hilfe bei der Polizei suchen? Ja, kann man, aber die Geschehnisse der Nacht führen dazu, dass Ben das nicht mehr will. Die verschiedensten Charaktere machen sich auf die Jagd, vom bloßen Mob über den feinsinnigen Jäger, dem es um den Spaß am Spiel geht.

Die Nacht wird immer schlimmer, Lügen über Ben’s Charakter machen im Internet die Runde und stacheln immer mehr Jäger auf, die alle glauben, er hätte den Tod mehr als verdient.

Das Ende ist der absolute Knaller. Als sich Arezu schließlich OZ stellen muss und Ben nur noch einen einzigen Ausweg sieht.

Hat man die Geschichte von dem vom ganzen Land Gejagten schon mal gelesen: ja. Ist es deswegen eine bloße Wiederholung: nein. Mit der Einbeziehung des Internets und dem grandiosen Ende hebt sich Achtnacht doch deutlich vom „Millionenspiel“ (sorry, ich bin zu alt für „The Purge“) ab. Es geht auch nicht nur um die Darstellung des Mobs, obwohl der auch vorkommt oder um die Frage, ob man sich selbst beteiligt hätte oder nicht, die gar nicht wirklich aufgeworfen wird. Es geht um Psychologie. Ein Fitzek eben.

Sebastian Fitzek: AchtNacht.
Knaur, März 2017.
416 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.