Scarlett Curtis (Hrsg.): The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken

Katrin Bauerfeind erzählt von ihrer schwäbischen Oma, die es einfach hinnahm, dass ihr Mann ihren ersten, einzigen und ersehnten Urlaub in letzter Minute abgesagt hat, weil er lieber im eigenen Bett schlafen wollte. Seitdem hat sich viel verändert, denn: „Die gute Nachricht ist: Ich lebe in der besten Zeit, die es je für Frauen gab.“ Aber sie ist auch überzeugt, dass „Fortschritt kein automatisches Update“ ist, sondern „immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss.“

Keira Knightley berichtet von der Geburt ihrer Tochter und der Zeit danach. Ihre Botschaft für die Leserinnen ist: Wir sind nicht das schwächere Geschlecht.

Emma Watson gibt Tipps für Bücher, die Mädchen und (jungen) Frauen die Augen öffnen und mehr Selbstvertrauen schenken können. Sie hat mit „Our Shared Shelf“ einen äußerst erfolgreichen feministischen Buchclub gegründet.

Und das sind nur die (mir) bekanntesten Frauen, die für das Buch „The future is female“: Was Frauen über Feminismus denken“ ihren Beitrag leisten. Mehr als 50, überwiegend junge Aktivistinnen, Autorinnen, Unternehmerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen aus verschiedenen Ländern schreiben darüber, was Feminismus für sie bedeutet.

Um den Kontext der Äußerungen besser verstehen zu können und eine bessere Vorstellung von den Lebensbedingungen der Frauen zu bekommen, hätte ich mir ein paar biografische Daten zu jeder Autorin gewünscht. Aus manchen Texten geht das Alter oder das Herkunftsland hervor, aber manchmal bin ich in dieser Beziehung auch völlig im Dunkeln getappt. Aber das ist für mich nur ein kleiner Schönheitsfehler und andere stört es vielleicht gar nicht. Wichtig ist vor allem der Inhalt, der Impulse setzt und neue Perspektiven öffnet.

Fünf Stadien des Feminismus hat Herausgeberin Scarlett Curtis identifiziert: Erleuchtung, Zorn, Freude, Aktion und Bildung, dazwischen gibt es auch ein wenig Poesie. Jedes Schlagwort ist einem Kapitel vorangestellt und bildet den Roten Faden für die Texte.

Kämpferisch, wütend, poetisch, witzig, klug, liebevoll, engagiert: Die Essays spiegeln die ganze Bandbreite eines (Frauen-)Lebens und der – positiven wie negativen – Gefühle, die der eigene Körper, das Frausein, der Zusammenhalt, aber auch die fortwährende Benachteiligung, Diskriminierung und Ungleichheit auslösen können. Intime Einblicke wie die Unsicherheit in Bezug auf die eigene Vulva oder die Kraft der Menstruation wechseln ab mit Aufrufen, sich einzubringen, für Frauenrechte aufzustehen und die Gesellschaft zu verändern. Auch kulturelle und religiöse Aspekte werden immer wieder thematisiert. Und weil jede Frau ihren eigenen Blick auf die Dinge hat, ist ein vielfältiges, energiegeladenes Buch entstanden, das mitreißt und Lust macht auf mehr: auf mehr Gedanken zum Thema, auf mehr Engagement, auf mehr Gemeinschaft, auf mehr Rechte und vor allem auf deren Umsetzung.

Frau (und Mann) muss nicht jeder Meinung zustimmen, die im Buch vertreten ist. Das Ziel, dass Frauen auf der ganzen Welt als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt werden, ist auf verschiedenen Wegen erreichbar. Jede und jeder hat einen individuellen Zugang zu diesem Thema und muss die Schritte gehen, die für sie und ihn passen. Aber dieser frische, bunte Feminismus macht mich zuversichtlich, dass es auch in der jungen Generation weiter voran geht.

Wie umfassend die feministische Sicht sein kann, wird im Beitrag der Aktivistin und Autorin Alicia Garza deutlich, die schreibt: „Auf eine Welt hinzuarbeiten, in der wir Frauen in allen Aspekten unseres Lebens als Menschen behandelt werden, heißt, darauf hinzuwirken, dass nicht nur Frauen, sondern alle Menschen ihr ganzes Menschsein verwirklichen können.“

In diesem Sinne: ein sehr lesenswertes Buch für alle Menschen.

Scarlett Curtis: The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken.
Goldmann, Oktober 2018.
416 Seiten, Taschenbuch, 12,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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