Sarah Schmidt: Seht, was ich getan habe

Massachusetts, 1892: „Vater ist tot!“ Mit diesen Worten rüttelt die Junggesellin Lizzie eine ganze Gemeinde wach. Ihr Vater liegt tot im Wohnzimmer, die Stiefmutter gleichfalls im Obergeschoss. Beide mit einer Axt umgebracht. Lizzie selbst hat nur diffuse Erinnerungen an den Morgen. Das ist natürlich nicht das beste Alibi. Doch auch ihr Onkel kann nicht nachweisen, wo er zum Tatzeitpunkt war. Und die Tür zum Haus, sonst immer abgeschlossen, war an diesem Morgen offen. Fragen über Fragen.

Gemeinsam mit vier wichtigen Figuren wird das Geschehen rund um den Fall der Familie Borden aufgearbeitet. Die Morde der Bordens zählen mit den zu den bekanntesten Morden Amerikas. Sarah Schmidt arbeitet das Geschehen unterhaltsam auf und hält sich dabei im Wesentlichen an die Fakten. Die Ereignisse sind sehr spannend zu lesen. Erzählt werden sie aus der Sicht der Schwestern Lizzie und Emma, beide in ihren Dreißigern, aber im Wesentlichen noch zu Hause lebend. Keine der Schwestern ist verheiratet, Emma leidet zusehends unter der Kontrolle ihrer jüngeren Schwester, die mit allen Mitteln versucht, Emma an das Elternhaus zu binden und davon abzuhalten, eigene Wege zu gehen. Außerdem wird die Geschichte aus der Sicht einer Hausangestellten und eines Mannes berichtet, der ursprünglich nichts mit den Bordens zu tun hat, dessen Wege die ihren aber kreuzen. Von Anfang an scheint klar, dass nur Lizzie die Tat begangen haben kann. Aber man wird immer wieder dazu angehalten, die eigene Annahme zu überdenken.

Sarah Schmidt ist in meinen Augen ein Roman gelungen, den man kaum aus der Hand legen mag. Sie erzählt von zerrütteten Familienverhältnissen, die auf den ersten Blick von außen aussehen wie jede normale, halbwegs harmonische Familie. Doch auf den zweiten Blick wird klar, dass bei den Bordens einiges im Argen liegt. Man muss oft zwischen den Zeilen lesen, dann wieder ist die Autorin sehr direkt und konkret in ihren Beschreibungen. Wer historische Geschichten über tatsächliche Mordfälle mag und beispielweise „Das Seelenhaus“ mit Begeisterung gelesen hat, der ist auch hier bestens bedient.

Spannende Unterhaltung auf hohem Niveau.

Sarah Schmidt: Seht, was ich getan habe.
Pendo, Februar 2018.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.