Sarah Klymkiw & Kim Hankinson: Make Fashion Better

Was würde geschehen, wenn jeder beim Kauf eines T-Shirts wüsste, dass hierfür circa 2.700 Liter Trinkwasser verbraucht worden sind? Sollte dieses Kleidungsstück für ein paar Euro über die Ladentheke gehen, hat man auf der einen Seite ein Schnäppchen gemacht. Auf der anderen Seite trägt die Käuferin, der Käufer vermutlich minderwertige Ware nach Hause, die schnell unansehnlich und nach ein paar Mal Waschen weggeworfen wird. Für die Autorin Sarah Klymkiw und die Künstlerin Kim Hankinson war es aus diesem Grund eine Herzensangelegenheit, ein Buch über Mode zu gestalten, in dem Kreativität und ein schonender Umgang mit den Ressourcen vorgestellt wird. Bereits auf der Innenseite des Einbandes findet sich ein Zitat der Autorin, das die Lesereise beschreibt:

„Wir können gemeinsam die Welt verändern, indem wir unsere Kleidung ändern.“

Wie dies funktioniert, wird unter anderem in den Kapiteln Kleiderpflege, Reparatur und neue Gestaltung beschrieben. Ob Kleidung mit anderen Materialien geschmückt wird oder neue Kombinationen entstehen, hängt von der Kreativität der Gestalterin, des Gestalters ab. Dies setzt natürlich Kenntnisse in der Handarbeit voraus.

Vor vielen Jahren gab es die Schulfächer Werken und Handarbeit. Damals gingen die Pädagogen davon aus, dass Jungen mit Hammer und Bohrer besser umgehen könnten und Mädchen mit Nadel und Faden. Wer heute stricken, häkeln, sticken, nähen, Stoffe zuschneiden und zusammennähen will, braucht Hilfe und Anleitung. Diese Fähigkeiten sind nicht genetisch programmiert, sondern gehören zu dem Beruf einer Schneiderin, eines Schneiders. Dementsprechend darf man die handwerkliche Umgestaltung der eigenen Kleidung mit Witz und Stil nicht hoch genug einschätzen. Es ist eine Kunst, die nicht jedem gegeben ist. Deshalb gibt es in dem Buch auch Kapitel über Repair-Cafés, Kleidertausch und Secondhand-Läden, denn Kleidung ist viel zu kostbar, um sie wegzuwerfen oder in eine Ecke des Kleiderschrankes zu stopfen.

Vivienne Westwood schlägt ein Umdenken vor: „Kaufe weniger, wähle sorgfältiger, behandele es gut.“ (S. 141)

Auch andere denken ähnlich. Greta trägt aus Überzeugung Kleidung aus zweiter Hand. Wer mit Stil die Welt verbessern möchte, muss natürlich auch wissen, wie die Modeindustrie funktioniert. Hierüber gibt die Autorin sehr umfassend Auskunft und geht gleichzeitig in die Tiefe, weil sie Zusammenhänge hinterfragt und oberflächliche Aussagen wie zum Beispiel ‚Nachhaltigkeit‘ auf Wahrheit abklopft.

Der Verlag empfiehlt dieses äußerst praktische und hilfreiche Buch für Kinder ab dem zehnten Lebensjahr. Wenn gleichzeitig die Familien der jungen LeserInnen mitmachen, wird die anspruchsvolle Botschaft ankommen. Die sprachliche und inhaltliche Ebene passt am besten zu modeinteressierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in den sozialen Medien Influencern nacheifern oder dort selbst ihren eigenen Stil präsentieren.

Es sollte viel mehr Bücher zu diesem Thema geben.
Make Fashion better wurde von Bea Reiter übersetzt.

Sarah Klymkiw & Kim Hankinson: Make Fashion Better.
Loewe, Januar 2021.
160 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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