Sara Barnard: Vielleicht passiert ein Wunder

Die 16-jährige Steffi leidet unter einer Form des selektiven Mutismus. Unter vor allem fremden Menschen kann sie nicht sprechen, kein Wort verlässt ihre Lippen. Seit vielen Jahren arbeitet sie an sich, deshalb gelingt es ihr mittlerweile mit Familienmitgliedern und engen Freunden zu sprechen. In der Schule ist es weiterhin schwierig. Als der neue Mitschüler Rhys auftaucht, ändern sich die Dinge. Er ist taub und spricht Gebärdensprache. Steffi hat diese Form der Kommunikation vor vielen Jahren selbst gelernt, weil ihr Onkel das für eine gute Idee hielt. So fällt es ihr leicht, mit Rhys in Kontakt zu treten, ohne auch nur ein Wort sagen zu müssen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, aus der bald mehr zu werden scheint. Und Steffi spricht plötzlich immer öfter!

Sara Barnard beschreibt eine wirklich schöne Geschichte. Sie wird aus Steffis Perspektive umschrieben, deren Leben weitgehend von einer Angststörung beherrscht wird. Immer wieder macht sie sich Gedanken, sieht alles schwarz, gerät in Panik und spricht vor allem nicht mehr. Seit Jahren befindet sie sich in Therapie, probiert in diesem Sommer sogar Medikamente aus. Als Rhys auf der Bildfläche erscheint, werden die Karten neu gemischt. Die Geschichte ist toll zu lesen, im Mittelteil vielleicht etwas zu glatt und ereignislos, aber sonst eine tolle Mischung. Vor allem Mädchen ab 14 Jahren werden an „Vielleicht passiert ein Wunder“ viel Gefallen finden. Steffi hat so eine goldige Art, mit dem Leben umzugehen. Es ist eine ungewöhnliche Art, aber es funktioniert für das junge Mädchen und darauf kommt es ihr an. Ihr neuer Freund Rhys und auch ihre beste Freundin Tem versuchen alles, um sie aus ihren eingefahrenen Bahnen herauszubekommen. Und das klappt anfangs ziemlich gut!

Eine schöne Geschichte über Freundschaft, erste Liebe und das Anderssein. Ganz toll zu lesen, ein wirklicher netter Roman!

Sara  Barnard: Immer wieder du und ich.
Fischer, Mai 2018.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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