Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Eine Arbeitswoche mit nur 15 Stunden? Geldgeschenke an Bedürftige? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Unvorstellbar? Unsinnig? Nicht realisierbar? Nicht, wenn es nach Rutger Bregman geht. In seinem Buch ‚Utopien für Realisten‘ stellt er dar, dass solche Ideen alles andere als unrealistisch sind. Wir müssen uns nur trauen, sie in unserem Denken auch wirklich zuzulassen. Denn, so sagt er, ein Problem, das wir haben, ist, dass es uns so gut geht, dass wir uns solche Dinge gar nicht vorstellen können.

Im Unterschied zu einem Leibeigenen des Mittelalters oder einem Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung ist unser Lebensstandard so hoch, dass wir gar nicht mehr wirklich nach weiteren Verbesserungen streben, sondern vielmehr davon ausgehen, dass die Zukunft nur schlechter werden kann. Und genau da sieht Bregman die Gefahr: dass diese Vorstellung dann tatsächlich zur Wirklichkeit wird.

Das ist aber nach seinen Untersuchungen überhaupt nicht nötig. Denn es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen, die in der Praxis gezeigt haben, dass beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen fast nur positive Auswirkungen hat. Das Leben der Menschen verbessert sich und auch die Staatsausgaben sinken. Denn durch die festen und von Bedingungen unabhängigen Zahlungen reduzieren sich zum Beispiel Verwaltungskosten ganz erheblich.

Ähnlich sind die empirisch ebenfalls schon häufiger belegten Effekte einer 15-Stunden-Arbeitswoche. Auch das klingt zunächst utopisch. Tatsächlich ist eine derart umfassende Reduzierung der Arbeitszeit aber wesentlich näher an der Realität, als man zunächst glaubt. Auch das erklärt Bregman und belegt es mit Beispielen. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang seine Überlegungen zu sinnvollen und weniger sinnvollen Jobs.

‚Utopien für Realisten‘ ist ein Buch, das dem Leser die Gelegenheit gibt, einmal über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszublicken. Man erfährt einiges über die Ideen und Möglichkeiten, die uns unsere moderne Welt zu bieten hat. Bregman stellt all diese Ideen sehr gut und verständlich dar, führt Beispiele aus der Praxis an und bietet so dem Leser eine wirklich interessante und niveauvolle Lektüre.

All das, was er in seinem Buch schildert, erscheint tatsächlich umsetzbar. Wir müssen eigentlich nur lernen, wirklich daran zu glauben und uns darum kümmern, die Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Alleine schon deshalb sollten möglichst viele Menschen das Buch lesen. Denn diese Lektüre ist nicht nur interessant und unterhaltsam, sie kann wirklich unsere Welt verändern.

Rutger Bregman: Utopien für Realisten.
Rowohlt, April 2019.
304 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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