Royce Buckingham: Die glorreichen Sechs

Caspar wächst als Angehöriger des Hochadels am Hofe auf. Seit frühster Jugend ist klar, dass es zur Königswürde nicht reicht – mehr als ein Dutzend Neffen und Cousinen befinden sich in der Rangfolge vor ihm, doch zumindest die Karriere ist gesichert. Er wird, der Familientradition folgend, wie sein Vater Botschafter werden. Der Tag der Titelverleihung ist da, Caspar selbst hat das Gerücht gestreut, als jüngster Adeliger zum Botschafter bestellt zu werden, doch die verwitwete, kinderlose Alte auf dem Thron hat etwas ganz Anderes für den ruhigen und damit ihren Plänen gefährlich werdenden Caspar in Petto. Sie macht den Jungen zum Steuereintreiber. Aber nicht etwa, da, wo die Pfründe gesichert, die Abläufe eingefahren und das Leben angenehm sind, oh nein, Caspar darf in die just befriedeten – manche sagen auch eroberten – Grenzlande ausziehen, den königlichen Beutel zu füllen.

Dass er dies nicht alleine tun muss, macht ihn zunächst auch nicht wirklich glücklicher. Die ihm an die Seite gestellten glorreichen Sechs sind bekannt dafür, eher burschikos, hemdsärmlig und auch ein wenig direkt, ja man könnte fast vulgär sagen aufzutreten. Dafür haben sie jede Menge Erfahrung darin, den störrischsten Steuerzahler sein Zehntel zu entlocken. Und ihnen fehlt, seit ihr Anführer im Schlaf erdrosselt wurde, ein ebensolcher – Auftritt unser zunächst verweichlicht-naiver Sprössling aus edlem Geschlecht, der sich aber als erstaunlich lernfähig, integer und geschickt erweist. Muss er auch, denn nur zu bald sieht er, dass die Herrschaft seiner Tante zu Ende gehen sollte. Das Wohl des Reiches verlangt es, und wenn er da ein wenig nachhelfen muss, so sei es …

Während andere Verlage einen weiten Bogen um humorvolle Fantasy schlagen, hat diese bei Blanvalet inzwischen schon Tradition. Royce Buckingham konnte hier mit seiner Dämonen-Reihe punkten, und legt auch mit diesem Einzelroman ein flott und munter zu lesender Abenteuer vor, das die Gesichtsmuskeln so manches Mal zum Schmunzeln animiert. Dabei berichtet er uns von einem Protagonisten, der zunächst umherstapft wie ein aufgeblasener Gockel. Das Schicksal in Form seiner Tante meint es dann wahrlich nicht gut für diesen und siehe, aus dem Gockel wird peu a peu ein Erzähler, der nicht nur unser Mitleid, sondern auch unsere Sympathie, ja unsere Hochachtung erwirbt. Dabei gibt es ebensoviele nachdenklich machende Szenen, in denen der Autor gängige Versatzstücke nimmt, dreht und hinterfragt, wie es Situationen gibt, in denen es lustig zugeht. Immer mehr entwickelt sich im Verlauf der Geldeintreib-Reise der Charakter unseres Erzählers, reift dieser und hinterfragt eingefahrene Verfahrensabläufe.

Das liest sich munter und flott, überrascht immer wieder durch unverhoffte Wendungen – ein überraschender, ein unterhaltsamer, ein flotter Roman der Spass macht.

Royce Buckingham: Die glorreichen Sechs.
Blanvalet, Februar 2020.
576 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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