Ronald H. Balson: Hannah und ihre Brüder

Als ihr Kumpel Liam die Anwältin Catherine bittet, sich einen Fall anzuhören, ist sie alles andere als begeistert. Catherine hat in ihrem Job auch so schon genug um die Ohren, da braucht sie keine zusätzliche Arbeit. Bei einer Operngala hat der 83-jährige Ben Solomon einen gleichaltrigen Mann angegriffen, der in Chicago sehr angesehen ist. Ben behauptet, dass Elliot Piontek zu Zeiten des Nazi-Regimes in der SS tätig gewesen und unter dem Namen Otto Piontek bekannt gewesen sei. Dummerweise tat er dies, während er dem ahnungslosen Mann eine Waffe an den Kopf hielt. Liam möchte wissen, was hinter der Geschichte steckt, Catherine eher nicht. Aber sie hört Bens Worte an und taucht in die Geschichte ein, die 1933 ihren Anfang in Polen nahm.

Ich wünschte, ich hätte auch wie Catherine in die Geschichte eintauchen können. Aber das war einfach nicht möglich. Die Haupthandlung ist im Jahr 2004 in Chicago angesiedelt und ist selbst dort wenig interessant. Die Figuren bleiben allesamt sehr blass und farblos, ich konnte mit keiner von ihnen so recht etwas anfangen. Dann gibt es den zweiten Handlungsstrang, der meist in Polen ab dem Jahr 1933 stattfindet. Aber er stellt gar keine richtige Handlung dar, sondern wird von Ben lediglich nachskizziert. Dabei unterbrechen ihn Catherine und Liam ständig mit Fragen und stören den Erzählfluss. Das nervt nach einer Weile nur noch. Man hätte aus der Idee sicher mehr machen können, in dieser Umsetzung wirkt alles aber sehr holprig und unglücklich.

Zum Beispiel beschreibt Ben, dass er, Otto und Hannah, Bens spätere Ehefrau, unzertrennlich gewesen seien damals. Davon merkt man aber nichts. Er erwähnt nur in einem Halbsatz, was sie gemacht haben und geht nicht näher auf die Beziehung zwischen den dreien ein.

Den zweiten Band namens „Karolinas Töchter“ gibt es übrigens schon. Die Gemeinsamkeit zum ersten Band besteht in Catherine und Liam, die wieder gemeinsam auf Spurensuche gehen. Diesmal gerne ohne mich. Für mich persönlich war „Hannah und ihre Brüder“ enttäuschend.

Ronald H. Balson: Hannah und ihre Brüder.
Aufbau, Mai 2019.
498 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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