Romy Hausmann: Liebes Kind

„Am ersten Tag verliere ich mein Zeitgefühl, meine Würde und einen Backenzahn. Dafür habe ich jetzt zwei Kinder und eine Katze. Einen Mann habe ich auch. […] Unsere Fenster hat er mit Dämmplatten verschraubt. Er macht den Tag. Und die Nacht. Wie Gott.“

Lena lebt in einer abgeschiedenen Hütte im Wald. Nur ein Mann, dessen Name sie nicht kennt, und zwei Kinder namens Hannah und Jonathan, 13 und 11 Jahre alt, leisten ihr Gesellschaft. Die Hütte verlässt sie nie, das Tageslicht sieht sie auch nicht. Dann kann Lena aufgrund einer glücklichen Fügung mit Hannah fliehen und landet nach einem Autounfall im Krankenhaus. Die Eltern der vermissten mittlerweile 37 Jahre alten Frau rücken zur Identifikation an. Sie sind überglücklich und können nicht fassen, dass ihre Tochter nach 14 Jahren wiederaufgetaucht sein soll. Doch dann die Überraschung: Die Frau ist nicht Lena!

Ein spannendes Verwirrspiel um Lenas Identität und die Umstände der letzten 14 Jahre beginnt. Dabei beweist Romy Hausmann, die mit „Liebes Kind“ ihr Thriller-Debüt vorlegt, ein gutes Händchen für die Geschichte und ihre interessanten Momente. Sie wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass man immer genau da ist, wo gerade die Musik spielt. Das führt zu zahlreichen tollen Cliffhangern und dem Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen. Ich lese nicht oft Thriller, wenn dann gehen sie in Richtung Psychothriller. „Liebes Kind“ hat meinen persönlichen Geschmack ganz genau getroffen. Ich konnte mich der Geschichte kaum entziehen und wollte auf jeden Fall wissen, was passiert ist.

Im Wesentlichen wird die Geschichte von Jasmin erzählt, die in dem Haus gefangen war, von Matthias, Lenas Vater, und Hannah, Lenas Tochter. Vor allem Hannahs Perspektive ist interessant. Sie kennt die Welt nur aus Büchern und hat deshalb auch eine etwas nüchterne Herangehensweise an ihre Mitmenschen. Sie nimmt alles sehr wörtlich, ist aber auch eine schlaue und genaue Beobachterin. Sie weiß von den drei erzählenden Personen am meisten, lässt davon aber wenig durchblicken.

Der Roman macht unheimlich Lust auf mehr! Durchweg spannend und toll erzählt!

Romy Hausmann: Liebes Kind.
dtv, Februar 2019.
432 Seiten, Taschenbuch, 15,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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