Robert Galbraith: Weißer Tod

Niemand könnte annehmen, dass ausgerechnet Billy irgendwelche Verbindungen in höchste britische Kreise hat. Völlig verwirrt taucht er in Cormoran Strikes Büro auf und erzählt unzusammenhängend von einer Kindstötung. Dann verschwindet er und hinterlässt einen Cormoran, dem die Sache einfach keine Ruhe lässt.

Zeitgleich schlägt Strike seine plötzliche Berühmtheit auf das Geschäft, plötzlich ist er kein Unbekannter mehr, der sich unerkannt und ungesehen in allen Kreisen bewegen kann. Auch Robin ist beileibe keine Unbekannte mehr, aber sie ist einfach besser beim Verkleiden. Die kleine Agentur ist inzwischen so berühmt, dass ein Mitglied des Parlamentes um Hilfe bittet – er wird erpresst. Robin ermittelt gegen den erbitterten Widerstand ihres gerade angetrauten Ehemannes als Bürokraft und allmählich schließt sich der Kreis zu Billy, denn dessen Familie ist einer der – früher hätte man Pächter gesagt – naja, „Nachbarn“ des Erpressten.

Der Krimiteil ist gut aufgebaut und auch spannend, zeigt genau die richtige Menge Politik und genügend mögliche Täter, um den Leser bei der Stange zu halten. Was mir aber mit Abstand am Besten gefallen hat, ist dieses Herumtänzeln von Strike und Robin. Sie hat ja gerade geheiratet und bereits auf den ersten Seiten zeigt sich, dass das keine gute Idee war. Robin weiß das, wahrscheinlich weiß es auch ihr Ehemann, Strike ahnt es, aber niemand will es zugeben. Und so leiden sie alle vor sich hin – und es macht Spaß dabei zuzusehen, wie Cormoran und Robin dann doch und doch wieder nicht zugeben, dass sie beide viel besser zusammenpassen würden. Es macht so viel Spaß, weil Robert Galbraith – oder J.K. Rowling – passgenau dosiert zwischen Tragik und Komik. Es ist tragisch, dass Robin Panikanfälle hat, die sie am liebsten verleugnen würde, aber wirklich komisch ist der Satz von Cormoran: „Die Tofu-Würstchen machen mich nicht gesünder, nur weil sie im Kühlschrank liegen.“.

Insgesamt gefällt mir die Reihe von Buch zu Buch besser, weil ich die Figuren Stück für Stück besser kennenlerne und lieber gewinne. Der Krimianteil beträgt etwa die Hälfte (die andere Hälfte befasst sich mit dem oben beschriebenen Privatleben) und beginnt etwas zäh. Zwar steht Billy direkt am Anfang, aber dann zieht sich die Vorstellerei aller Protagonisten doch hin. Trotzdem gibt es auch da witzige Stellen, wenn Comoran und Robin in die Upperclass von Großbritannien eintauchen (müssen).

Ein gelungenes Buch, das ich gerne gelesen habe, vielleicht auch, weil es ein ganz klein wenig an die guten alten britischen Detektivgeschichten erinnert.

Robert Galbraith: Weißer Tod.
Blanvalet Verlag, Dezember 2018.
864 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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