Rick Riordan: Die Abenteuer des Apollo 05: Der Turm des Nero

Seitdem sein Vater, der allmächtige Zeus höchstselbst seinen vorlauten, oberflächlichen und egoistischen Sohn Apollo in einem sterblichen Körper gesteckt und der Gnade einer menschlichen Jugendlichen ausgeliefert hat, musste der einstige Gott der Musik und der Prophezeiungen einige bittere Pillen schlucken. Im Kampf gegen drei ehemalige römische Kaiser, die sich zu den Herren der Welt aufschwingen wollen, gab es herbe Verluste zu beklagen.

Inzwischen sind Apollo, Entschuldigung Lester natürlich und seine Meisterin Meg, Ziehtochter Neros wieder zurück in New York. Hier inmitten Manhattans residiert, standesgemäss in einem luxuriösen, mondänen Hochaus Nero und erwartet die Beiden und ihre Freunde bereits. Sein Plan ist einfach – sind das nicht die besten Pläne? – und narrensicher. Er lockt seine Gegner zu sich, dünnt sie auf dem Weg aus, bringt sie kräftemäßig an den Rande des Zusammenbuchs und zermalmt sie dann dadurch, dass er einmal mehr seinem Faible nachgeht. Sie erinnern sich bestimmt, Rom brannte, für New York hat er ein vergleichbares Schicksal vorgesehen. Das kann, das will, das darf Lester/Apollo natürlich nicht zulassen – und wenn es ihn seine Unsterblichkeit kostet und er zum voraussichtlich mausetoten Menschen werden muss, ein derartiges Opfer haben seine Freunde und die Menschen im Big Apple nicht verdient …

Mit vorliegendem Roman schließt Riordan seinen Apollo-Fünfling ab. Wie schon im vorhergehenden Titel braucht er dabei ein wenig, nein, seinen wir ehrlich, er braucht lange, bis seine Handlung in Schwung kommt. Der Plot schreitet zunächst quälend langsam voran, so dass ich mich zu fragen begann, was uns Meister Riordan eigentlich erzählen will? Nun, nachdem fast ein Viertel des Buches vorbei waren, nimmt die Handlung immer noch langsam, dann schneller werdend, Fahrt auf. Und plötzlich geht der Autor dann in die Vollen – soll heissen, uns erwarten Actionszenen, die einem Hollywood-Action-Blockbuster gut zu Gesicht stehen würden. Da wird gefightet, kommt jede Menge Pyrotechnik zum Einsatz (sprich es knallt laut und blendend hell), die Konfrontation Nero – Apollo nimmt jede Menge dramatischer und unerwarteter Wendungen. Da kann die Leserin bzw. der Leser die Seiten gar nicht so schnell umblättern, wie man dies möchte.

Auf der Strecke bleibt dabei leider ein wenig das Besondere, das Riordans Zyklen sonst immer ausgezeichnet hat. Nein, ich spreche weder von seinen klaren Aussagen zu Umweltschutz, Akzeptanz von Minderheiten und Diversität – diese sind auch vorliegend bestens in den Roman eingebettet vorhanden – ich meine seine ganz eigene Zeichnung geschichtlicher Götterpantheone. Hier boten die bisherigen Reihen weit deutlichere Beschreibungen der klassischen Sagengestalten, die den zumeist jugendlichen Leserinnen und Lesern so ganz nebenbei etwas Kultur vermittelten.

Erneut zu erwähnen, die wunderbar stimmige Übersetzung Gabriele Haefs die ganz bewusst Worte von antiken Göttern wie Ticket nicht als Strafzettel sondern als passend als Ermahnungsverfügung etc. überträgt.

So erwartet ein etwas action-lastiges, fast überfrachtetes Finale den Leser, werden dann in den letzten Kapiteln noch einmal die Weggefährten besucht und Abschied genommen von einer guten, wenn auch im Vergleich nicht die Beste Serie aus Riordans Feder.

Rick Riordan: Die Abenteuer des Apollo 05: Der Turm des Nero.
Aus dem Englischen übersetzt von Gabriele Haefs.
Carlsen, Juli 2021.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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