Richard Kadrey: Sandman Slim 01: Höllendämmerung

Magier sein ist nicht schwer, Magier bleiben dagegen sehr. Davon weiß auch der 19-jährige Stark aus L.A. ein Lied zu singen – der, dank eines missleidigen Konkurrenten zur Hölle fuhr und dort in der Arena Karriere machte – long Story. Nach elf langen, harten und schmerzhaften Jahren in der Hölle gelingt Stark nun die Flucht. Eines hat ihn die Jahre über aufrecht gehalten – der Wunsch nach Rache.

Also hübsch alles zurück auf Los und dann aber gib ihm. Nur, dass es natürlich so einfach weder ist, noch je sein wird. Denn merke, nicht nur, dass sein alter Widersacher und Mörder inzwischen zu einem der ganz großen Tiere, also zum mächtigen Magier in Los Angeles avanciert ist, dieser beabsichtigt auch, sich zum Herrscher über Himmel und Hölle aufzuschwingen. Im Weg steht ihm dabei naturgemäß unser Stark, der mit seinem vorlauten Mundwerk und seiner Sturheit jeden Rekord in Sachen ins Fettnäpfchen treten locker schlägt.

Dazu kommt, dass unser Rächer in eigener Sache die technische Entwicklung, die während seines Höllenbesuchs stattfand, schlicht verpennt hat – die Probleme mit der modernen Technik strapaziert seine Geduld und unsere Lachmuskeln. Da kommt es wirklich gut, dass Stark zwei Dinge hat, auf die er blind bauen kann – einen Schlüssel zu einem Raum mit 13 Türen, durch die er jeden Ort erreichen kann und das Messer von Azazel, dem Höllengeneral. Also, so einfach wie gedacht, ist das mit der Rache dann natürlich doch nicht und schon wird es für unsere höllenerprobten Stark ungemütlich auf Erden …

Eine der besten und im Original inzwischen mit Band zwölf abgeschlossenen Urban-Fantasy-Reihen feiert bei uns ihre zweite Wiederauferstehung. Zunächst erschien vorliegender Roman bei Rowohlt in deren Polaris Edition, später brachte der Feder & Schwert-Verlag Band 2 mit der Ankündigung, nicht nur die Reihe fortzusetzen, sondern auch den ersten Teil neu aufzulegen. Aus beiden Projekten wurde, aufgrund der Insolvenz der Verlags-Mutter, letztlich leider nichts. Nun hat Blanvalet nach dem Erfolg ihrer Urban Fantasy-Titel nicht nur Butchers Harry Dresden aufgegriffen, auch Sandman Slim nimmt einen neuen Anlauf, das deutsch sprechende Publikum zu begeistern.

Man könnte die Reihe treffend als eine Mischung aus Harry Dresden und Blade beschreiben. Vorlautes Mundwerk, übersteigertes Selbstvertrauen, immer einen coolen Move in der Hüfte sowie eine fast gnadenlos zu nennende Art mit dem Gegner den Boden zu wischen – das ist unser Ich-Erzähler.

Dabei ist er mit vollem Eifer dabei, kennt kein Mitleid und keine Gnade – beides wurde ihm in der Hölle ausgetrieben – verfolgt sein Ziel ebenso stringent, wie gnadenlos effektiv. Dass seine Gegner bei einer solchen Vorgehensweise nicht eben weniger werden, wen schert es, zur Not müssen halt noch ein paar Nazis, Engel oder Dämonen dran glauben. Das macht die Handlung für uns Leserinnen und Leser so vergnüglich. Realitätsnähe, Charakterentwicklung, sorgfältig gestaltetes Setting oder innere Glaubwürdigkeit sind Mangelware, doch ist dies erstaunlicherweise für unser Lesevergnügen dieses Mal absolut irrelevant. Sprich, wir lehnen uns gemütlich zurück, erfreuen uns an den lockeren Sprüchen, lassen uns von der Non-Stop Action verzaubern und genießen das Feuerwerk, das Kadrey abbrennt. Popcorn Fantasy mit sehr hohem Unterhaltungswert.

Richard Kadrey: Sandman Slim 01: Höllendämmerung.
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt.
Blanvalet, März 2022.
448 Seiten, Taschenbuch, 11,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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