Regina Dürig: Katertag oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?

karterDer fünfzehnjährige Nico schreibt seinem Vater einen Brief. Der Vater befindet sich in einer Klinik, in der einen Alkoholentzug durchmacht. Nico schildert ihm die vergangenen zwei Jahre, so wie er sie erlebt hat, ehrlich und ohne Rücksichtnahme auf den Vater. Er führt einen Mann vor, der sich unter dem Einfluss des Alkohols vom verantwortungsbewussten Vater in einen dauernd gereizten, unberechenbaren Egoisten verwandelt, den Nico und seine zwei Jahre jüngere Schwester Susa bald nur noch den Eunk nennen. Dieser Fremde verschwindet tagelang und taucht ohne ein Wort der Erklärung oder Entschuldigung wieder auf. Schon mittags nach der Schule treffen Nico und Susa ihn sturzbesoffen zu Hause an. Morgens schläft er im verwüsteten Wohnzimmer auf dem Sofa seinen Rausch der letzten Nacht aus.
Nico beschreibt schonungslos offen und mit einer Sprache wie ein geschärftes Seziermesser, wie der Alkohol erst die Familie und dann auch seine anderen sozialen Beziehungen auseinanderbrechen lässt. Da ist die überforderte Mutter, die den Vater vor den Kindern stets in Schutz nimmt und sich lange nicht eingestehen will, dass ihr Mann ein Alkoholiker ist. Da ist die jüngere Schwester, die den Ernst der Lage viel früher und klarer als die Mutter erkennt, die aber Angst vor den Konsequenzen einer Trennung der Eltern hat. Und da ist die Schulkameradin Nele, deren beginnende Beziehung zu Nico der Vater zerstört. Erst ein Ausflug des Vaters mit Nico und Susa nach Disneyland, der eine Versöhnung mit den Kindern und den Beginn eines neuen Lebens einläuten soll , aber völlig eskaliert, führt den Erwachsenen vor Augen, dass es so nicht weiter gehen kann.
Das beeindruckende Debut Regina Dürigs ist keine leichte Lektüre. Es ist ein Buch, das seine Leser fordert. Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen nachwirkt. Ein Buch, das viele (auch erwachsene) Leser verdient.

Regina Dürig: Katertag oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?.
Carlsen Verlag, Oktober 2011.
112 Seiten, Gebundene Ausgabe, 9,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

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