Rebecca Gablé: Der Palast der Meere

meerWer hätte das gedacht, als Robin of Waringham sein zuhause und seinen Titel verlor und sich mühevoll seinen Platz im Königreich wiedereroberte? Wer hätte diese Entwicklung erwartet, als Jona Durham mit seinen ersten Wollhandels-Politik-Versuchen hoffnungslos pleite ging? Wer hätte diese Entwicklung der beiden Familien vermutet, mit der Rebecca Gable uns jetzt schon über mehrere Romane gut unterhält. Aus dem tiefsten Mittelalter sind wir inzwischen im elisabethanischen Zeitalter angelangt. Wieder ist es eine Waringham, die die engste Vertraute der Königin ist und die nicht immer ganz standesgemäß und oft unorthodox in die Regierungsgeschäfte eingreift. So gerät sie mitten in den Konflikt zwischen Elizabeth und ihre immer noch lebenden stockkatholischen Konkurrentin Mary Steward. Dazu verliebt sie sich ausgerechnet in Gabriel Durham – den König der Londoner Diebe. Und auch die eigene Familie macht Eleanor of Waringham zu schaffen. Ihr Bruder Isaac hält gar nichts von dem Leben, dass ihn auf der Hausburg erwartet und schleicht sich heimlich auf ein Schiff, in der Annahme es würde Wolle nach Harfleur bringen. Es legt aber erst wieder in Teneriffa an, wo er als Sklave an einen Spanier verkauft wird und fortan auf der Zuckerrohrplantage arbeiten muss. Er sieht seine Chance im Dienst bei dem Freibeuter Hawkins und muss feststellen, dass dieser sein Geld hauptsächlich als Sklavenhändler verdient.

Man merkt im Roman deutlich, dass die Zeit des Aufbruchs und des Umbruchs gekommen ist. Neben ihrer guten Schreibweise ist das immer das große Plus aller Gable-Romane:: Sie entführt uns mit Haut und Haar und jeder Menge Sachkenntnis in die jeweilige Zeit. Dabei geht es nicht um oberflächliche Beschreibungen oder wer was womit gegessen hat, das stimmt auch. Aber Rebecca Gables Protagonisten spiegeln immer sehr glaubhaft das wieder, was ihre jeweilige Zeit ausgemacht hat und sind trotzdem spannende Personen, die wenig vorhersehbar handeln. So ist auch dieser Roman eine gelungene Zeitreise, auf der wir viele reale Personen kennenlernen, von denen wir gehört haben und von denen wir ein Bild haben – wie Elizabeth I. oder Francis Drake, aber auch viele, von denen wir noch nie gehört haben und die sich doch lohnt, kennenzulernen.

Rebecca Gablé: Der Palast der Meere.
Bastei Lübbe, September 2015.
960 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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