Raymond Queneau: Zazie in der Métro (1959)

„Zazie in der Métro“ ist ein französischer Kultroman aus dem Jahre 1959. Autor Raymond Queneau arbeitet darin mit allerlei Wortschöpfungen, Wortspielen, Gossensprache, fehlerhafter Grammatik und Orthografie. Bereits das allererste Wort macht deutlich, wie es in diesem Roman zugeht: „Waschtinkndiso“ steht hier für „Was stinkt denn die so?“ Ein solches Werk in eine andere Sprache zu übertragen, dürfte für einen Übersetzer die Höchstschwierigkeitsstufe sein. Frank Heibert, der unter anderem auch die Werke von Richard Ford oder Don DeLillo ins Deutsche übertragen hat, hat sich an eine Neuübersetzung gewagt. Das Ergebnis wirkt frisch, zeitgemäß und ungeheuer witzig.

Die Handlung ist fast nebensächlich, weil die Sprache in diesem Roman das Wichtigste ist – passenderweise wiederholt Papagei Laverdu als Running Gag immerzu einen Satz, den er gelernt hat: „Du quatscht und quatscht, sonst hast du nichts zu bieten“.

Zazie, ein halbwüchsiges Früchtchen aus der Provinz, wird übers Wochenende bei ihrem Onkel Gabriel in Paris geparkt, damit die Mama sich in Ruhe mit ihrem Lover vergnügen kann. Problem: Zazie ist alles andere als ein ruhiges und vernünftiges Kind. Sie ist vielmehr eine Art französische Pippi Langstrumpf, die sehr zur Freude der Leser dieses Romans die Welt der Erwachsenen aufmischt.

So nutzt Zazie die erstbeste Gelegenheit, sich aus der Obhut ihres Onkels, der sein Geld als Transvestit in einem Varieté verdient, zu befreien. Was folgt, ist ein wilder, teils abstruser Ritt durch Paris, in der ein falscher Polizist, „Bludschins“, eine verliebte Witwe, eine Reisegruppe und jede Menge Alkohol eine Rolle spielen. Das Ganze ist – wie gesagt – nicht unbedingt logisch, aber enorm spaßig.

Und in dieser Fassung des Romans erreicht Zazie auch tatsächlich erstmals auf Deutsch ihr Ziel: einmal mit der Métro fahren. Das war ihr in der Übersetzung aus dem Jahre 1960 von Eugen Helmlé noch nicht vergönnt gewesen.

Raymond Queneau: Zazie in der Metro (1959).
Suhrkamp, Mai 2019.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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