Rachel Joyce: Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

1988 in der Unity Street, einer Sackgasse in einer heruntergekommenen Gegend der Stadt: Franks Plattenladen ist Treffpunkt für die anderen Ladenbesitzer und für viele Menschen aus der Gegend, denn der große, freundliche und einfühlsame Mann findet für jeden die Musik, die er gerade braucht. Er schenkt Zuneigung und Verständnis und vor allem hört er zu. Zu jedem Lied, zu jedem Stück weiß er eine Geschichte zu erzählen, kennt die Wirkung, die es haben kann und zeigt damit Wege aus kleineren und größeren Krisen.

Doch die Zeiten sind schwer. Ein Laden nach dem anderen muss schließen. Eine große Firma will die Häuser aufkaufen und macht Angebote, die man fast nicht ablehnen kann. Aber der Name der Straße ist hier Programm: Große Teile der Unity-Street stehen zusammen, bilden eine Einheit und Gemeinschaft, deren Mitglieder sich gegenseitig stützen.

Plötzlich taucht eine Frau im grünen Mantel auf, geheimnisvoll und schön. Frank ist hingerissen, schafft es aber nicht, ihr sein Herz zu schenken. Zu schmerzhaft sind die Erfahrungen, die er in seinem Leben mit der Liebe gemacht hat. Von diesen Erfahrungen erfahren wir in Rückblenden. Sie erzählen vom Verhältnis zu seiner Mutter, davon, wie sie ihm die Musik nahegebracht hat und von seiner ersten Freundin. Die Frau im grünen Mantel bittet Frank, ihr Musikstunden zu geben und so lernen sie sich „auf rein geschäftlicher Ebene“ immer besser kennen. Bis es Frank zu dicht wird und er sich entscheiden muss, was er wirklich will.

Die Bestseller-Autorin Rachel Joyce zeichnet in ihrem Roman liebenswerte Figuren. Jede hat ihre Schrullen und Macken, aber sie halten trotz aller Unterschiedlichkeit zusammen. Da ist zum Beispiel Kit, der tollpatschige Verkaufsassistent im Plattenladen, der sich um seine kranke Mutter kümmert, weil es sein Vater nicht auf die Reihe bekommt und den Frank anfangs nur eingestellt hat, damit er nicht in der Chipsfabrik arbeiten muss. Oder Pater Anthony, der Ex-Priester und Ex-Alkoholiker, der einen christlichen Andenkenladen führt und der durch den Jazz, den ihm Frank geschenkt hat ins Leben zurückgefunden hat. Und natürlich Maud, die resolute Tattoo-Künstlerin, die heimlich in Frank verliebt ist, aber den Teufel tun würde, ihm das jemals zu sagen.

Sie alle tragen gemeinsam diese Geschichte über die Liebe – zu den Menschen und zur Musik. Rachel Joyce ist ein fast märchenhaftes Buch gelungen, das aber nie die Augen vor der harten Realität verschließt. Die Protagonisten verlieren bei allem Leid und allen Schwierigkeiten am Ende nicht die Hoffnung, weil sie in ihrer Freundschaft Halt finden.

Nebenbei lernt man mit diesem Buch, Musik (neu) zu entdecken. Am besten, man sucht sich ein Lied aus der Playlist am Ende des Buches aus, liest noch einmal nach, was Frank dazu zu sagen hat, legt sich mit Kopfhörern auf den Boden und achtet nur auf die Töne und die Stille dazwischen. Viel Vergnügen!

Rachel Joyce: Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie.
Krüger, Dezember 2017.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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