Pia O‘Connell: Ein irischer Todesfall

Im Juni 1994 folgt Elli O’Shea ihrem Mann Sean in seine Heimat Irland, im Schlepptau den vierjährigen Sohn Patrick, Neugier und Abenteuerlust, aber auch ein bisschen Wehmut. Die junge Familie kommt vorübergehend in der Kleinstadt Carlow unter, wo auch Seans Eltern und große Teile seiner Verwandtschaft leben.

Elli hatte noch kaum Gelegenheit, sich an das wechselhafte Wetter und die Retro-Einrichtung ihres möblierten Häuschens zu gewöhnen, als überraschend Seans Onkel Jim stirbt. Das Herz des wohlhabenden Wurst- und Pastetenfabrikanten war einfach stehengeblieben. Der Arzt kann keine Fremdeinwirkung feststellen, aber so genau hat er wohl auch nicht hingeschaut.

Die Beerdigung bietet Elli die Gelegenheit, Schwager und Schwägerinnen, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen in Augenschein zu nehmen. Besonders fällt ihr Michelle auf, Onkel Jims zweite Ehefrau, eine hübsche Blondine, die so gar nicht zu ihm gepasst hat, wenn man den Gerüchten glauben darf. Die meisten waren sich schon bei der Hochzeit einig gewesen: Michelle ist nur hinter Jims Geld her. „Warum sonst sollte sich so eine attraktive Frau mit so einem alten Dackel einlassen?“

Dann, kurz nach der Trauerfeier, geschieht das Undenkbare: Ein anonymer Brief spricht von Mord. Onkel Jim soll exhumiert werden. Die Verwandtschaft ist entsetzt, als sich bewahrheitet, dass er vergiftet wurde. Schnell steht die junge Witwe unter Verdacht. Doch sie war am Todestag in Las Vegas, um ihre Schwester zu besuchen. Haben Jims Söhne aus erster Ehe etwa damit zu tun, die befürchteten, nach einem Streit mit dem Vater enterbt zu werden?

Sean ist von der Unschuld seiner Cousins Eoin und Conor überzeugt und bittet seinen alten Freund Tadhg, der als Privatdetektiv arbeitet, um Unterstützung. Gemeinsam beginnen Elli, Sean und Tadhg Nachforschungen anzustellen. Dabei spielt ihnen neben dem Zufall auch der Umstand in die Karten, dass in Carlow jeder jeden kennt und kein Geheimnis lange geheim bleibt.

„Ein irischer Todesfall“ ist der erste Roman von Pia O’Connell, die mit ihrer Protagonistin Elli gemeinsam hat, dass sie ebenfalls von Regensburg nach Irland übergesiedelt ist. Mit scharfem Blick, viel Sinn für Details und augenzwinkerndem Humor nimmt sie die Leserinnen und Leser mit in den irischen Alltag vor 25 Jahren. Sie lässt Elli ihre Geschichte selbst erzählen, locker, flockig, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Man meint, einer guten Freundin gegenüber zu sitzen, die über ihr Leben plaudert. Daran hat mich auf Dauer nur etwas gestört, dass öfter mal das letzte e bei den Verben unter den Tisch gefallen ist (ich geh, ich dreh mich um).

Die Handlung entwickelt sich gemächlich. Wir erfahren, mit welchen Tücken Elli im Haushalt, beim Einkaufen und bei der Verwandtschaft zu kämpfen hat, welche Spiele Patrick am liebsten spielt und wie die Familie sich auf die Suche nach einem eigenen Häuschen macht. Trotz des geheimnisvollen Todesfalls hat sich die Spannung bei mir in Grenzen gehalten, aber das Buch bietet – wie im Klappentext angekündigt – tatsächlich jede Menge Irland-Feeling.

„Ein irischer Todesfall“ ist ein unterhaltsamer Roman mit sympathischen Protagonisten, bestens geeignet als entspannende Urlaubs- oder Wochenendlektüre.

Pia O’Connell: Ein irischer Todesfall.
Piper, Juni 2019.
260 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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