Philip Pullman: His Dark Materials 0: Über den wilden Fluss

Der 11-jährige Malcolm lebt mit seinem Dæmon Asta und seinen Eltern in Oxford. Sie betreiben dort eine Gaststätte, in der er bereits häufig mithilft. Unterstützend tätig ist der Junge auch im Kloster auf der anderen Seite des Flusses. Deshalb entgeht es ihm nicht, als dort ein etwa 6 Monate altes Baby namens Lyra auftaucht. Er ist sofort hochinteressiert und versucht, alles über Lyras Geschichte herauszufinden. Schnell weiß er, dass Lyra die Tochter des hochgeachteten Lords Asriel und einer Frau namens Marisa Coulter ist. Doch Lyra befindet sich in großer Gefahr, verschiedene mächtige Menschen trachten nach ihrem Leben, denn eine Prophezeiung sagt Großes für das Kind voraus. Malcolm setzt alles daran, sie zu beschützen – auch wenn das heißt, sich mit der ihm unsympathischen Alice zusammenzutun.

„Über den wilden Fluss“ beschreibt eine Vorgeschichte zu Philipp Pullmans bekannter Trilogie „His Dark Materials“. Man muss die Trilogie nicht gelesen haben, um diesen Band zu verstehen. Auch verrät er keine wichtigen Details zu später folgenden Geschichten. Ein Cliffhanger am Ende des Bandes ist sicher und macht Lust auf Fortsetzungen.

Dass Malcolm in einem besonderen Oxford lebt, merkt man auch als Neuling in Pullmans Geschichten schnell. Sein Dæmon Asta begleitet ihn überallhin und auch seine Eltern und alle anderen Menschen haben einen solchen Dæmon. Er ist eine Art Verkörperung der Seele jeder Person. Es ist Tabu, den Dæmon einer anderen Person zu berühren. Nur Dæmonen untereinander berühren sich. Bei Kindern hat der Dæmon noch keine feste Form. Er erscheint in vielen Tierformen und entscheidet sich etwa in der Pubertät für eine feste Form. Mit Asta kann Malcolm tolle Zwiegespräche führen, was sehr zur Tiefe des Buches beiträgt.

Generell hat es mir Spaß gemacht, wieder in Pullmans Welt einzutauchen. Die Kraft der „His Dark Materials“ Trilogie fehlt hier aber. Vielleicht, weil ich diese damals am Stück lesen konnte, hier aber auf Fortsetzungen warten muss. Oder es liegt daran, dass besonders die zweite Hälfte des vorliegenden Romans eher durch Hetzerei und Action im weitesten Sinne zu charakterisieren ist. Während einer Überschwemmung in Oxford entbrennt eine wilde Jagd um Lyra, in der Malcolm und Alice mehr als einmal ihr Leben riskieren. Dabei treffen sie auf allerhand seltsame und verzauberte Gestalten. Es fehlt aber an den Besonderheiten der alten Trilogie, die so ein perfektes Gesamtbild mit so viel zu entdecken abgibt. Wer wirklich Pullman lesen möchte, sollte sich an „His Dark Materials“ wagen.

Ein netter Roman, aus dem in den Folgebänden noch mehr werden kann. Für Kids ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.

Philip Pullman: His Dark Materials 0: Über den wilden Fluss.
Carlsen, November 2017.
560 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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