Philip Kerr: Friedrich der Große Detektiv

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass eine so deutliche Erinnerung und Hochachtung spüren lässt. Auf der einen Seite für Erich Kästner, auf der anderen Seite aber auch an die Jugendbücher über den Nationalsozialismus aus den 70ern. An die Bücher von Hans-Peter Richter (Damals war es Friedrich) und Judith Kerr (Als Hitler das rosa Kaninchen stahl, ich glaube die Namensgleichheit ist Zufall). Der Stil des Buches erinnert ganz stark an Hans-Peter Richter, aber auch an Erich Kästner.

Friedrich lebt im Jahre 1933 in Berlin, sein Vater ist Journalist und mit Erich Kästner befreundet. Sein Bruder Rolf wird sehr früh ein überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten und Friedrich hört immer wieder den Streit zwischen Vater und Sohn. Zum Beispiel vor der Bücherverbrennung, bei der auch Friedrich Lieblingsbuch „Emil und die Detektive“ verbrannt wird, inklusive der persönlichen Widmung des Autors. Friedrich möchte wie sein Vorbild Emil einmal Detektiv werden und verbringt seine Sommerferien damit, im Tiergarten mit seinen Freunden verlorene Gegenstände zu finden und zur Polizei zu bringen. Durch Zufall und vermutlich die Faulheit eines Beamten werden die Kinder als Detektive ausgerechnet auf Erich Kästner angesetzt und Friedrich muss sich entscheiden, was ein ehrlicher Detektiv darf und soll.

Philip Kerr schildert sehr anschaulich, wie wenig man sich gerade in Berlin den Umstürzen des Jahres 1933 entziehen konnte. Wie deutlich die Veränderungen für jeden Einzelnen waren und vor welch schwierige Entscheidungen man schon als Kind gestellt werden konnte. Und er schildert ebenso anschaulich, wie wenig das Ende vorauszusehen war.

Ich habe mehrfach gelesen „das ist doch als Kinderbuch nicht geeignet“. Ich weiß es nicht, ich verstehe nichts von Kindern. Uns hat man in der Grundschule Anne Holm, Gudrun Pausewang, Judith Kerr und eben Hans-Peter Richter vorgelesen. Grausamer ist dieses Buch auch nicht. Es bietet allerdings auch keine neue Perspektive an. Es reiht sich ein in diese Reihe, auch hier steht man am Ende des Buches und fragt sich „Ups, wie konnte das passieren? Es war doch alles so deutlich zu sehen.“

Hommage an Erich Kästners „Emil und die Detektive“, sowohl an das Buch als auch an den 1929 herausgebrachten Film. Das Schicksal der Filmchrew wird im Anhang noch einmal geschildert.

Philip Kerr: Friedrich der Große Detektiv.
Rowohlt, September 2017.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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