Peter McLean: Priest of Bones 01: Der Kampf um den Rosenthron

„Er funkelte mich an. ‚Du bist erst seit ein paar Tagen wieder in Ellinburg, und schon verwandelt sich die Stadt in eine einzige Leichenhalle. Tote treiben den Fluss hinab, der Klosterfrieden wird gestört […].‘“ (Zitat Kapitel 10)

Der Krieg ist zu Ende und doch steht Tomas Piety erst ganz am Anfang. Als er mit seinen Mitstreitern zurück in seine Heimatstadt Ellinburg kommt, muss er feststellen, dass er nicht mehr die Vorherrschaft in der Stadt innehat. Seine Tante sollte in seiner Abwesenheit die Geschäfte führen, doch sie wurde überlistet und hat den Besitz der Pious Men – Bordelle, Kneipen, Geschäfte, Spielkasinos, Rennpferde – verloren. Die Tante im Kloster, in der Stadt nichts mehr zu sagen, beginnt Tomas mit seinem nicht gerade hellen Bruder Jochan, dem Möchtegern-Ritter Sir Eland und seiner rechten Hand Bloody Anne, die Stadt zurückzuerobern. Denn die Pious Men geben sich erst geschlagen, wenn sie im Grab liegen.

Die Figuren aus Peter McLeans erstem Priest of Bones-Roman kann man nur als kultig beschreiben. Stellenweise fühlte ich mich immer wieder an die guten alten Monty Python-Filme erinnert. Schrullige Typen wie Sir Eland, der sich mit einer zusammengeklauten Rüstung als Ritter ausgibt oder Kant, der von Tomas im Stillen nur Kackpratze genannt wird. Aber auch sympathische Charaktere wie den 12-jährigen Billy the Boy, der sich bereits wie ein erwachsener Kämpfer hält und von der Göttin, die über allem schwebt, Nachrichten und Vorahnungen erhält, findet man in der Truppe. Damit man nicht den Überblick verliert, ist dem Roman eine kurze Personenbeschreibung aller handelnden Figuren vorangestellt, auf die man bei Bedarf zurückblättern kann. Tomas selbst ist dabei vielleicht eine der interessanten Figuren. Im Krieg wurde der Priester im Trupp getötet und man brauchte einen neuen. Tomas bot sich an und ist seitdem mit geistlichen Würden behangen.

„Ich habe ja geschrieben, dass ich Geschäftsmann bin, und das bin ich auch. Ich bin auch Priester, das ist ebenfalls wahr. Vielleicht aber bin ich noch etwas anderes.“ (Zitat Kapitel 11)

Anfangs habe ich mir mit diesem Roman sehr schwergetan, die Schreibe schien umständlich, was man schon an dem kurzen zuvor genannten Zitat erahnen kann. Es passierte insgesamt wenig. Aber etwa nach einem Drittel nimmt die Story Fahrt auf, man hat sich an die Personen und Umstände gewöhnt und auch die Schreibe scheint flüssiger zu sein. Insgesamt macht der erste Band durchaus Lust auf mehr – zumindest nach einigen Startschwierigkeiten.

Im englischen Original ist der zweite Band unter dem Titel „Priest of Lies“ bereits seit Sommer 2019 erhältlich. Ein Datum für die deutsche Übersetzung ist bisher nicht bekannt.

Peter McLean: Priest of Bones 01: Der Kampf um den Rosenthron.
Klett-Cotta, Februar 2020.
412 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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