Paul McNeive: Resistent

In Manhattan herrscht ein Ausnahmezustand, der scheinbar jeden unvorbereitet erwischt. Polizei, Krankenhäuser und Behörden stehen vor einem Rätsel, denn auffallend viele Menschen erkranken und sterben.

„… Professor, mein Team ist mit allen Krankenhäusern in Kontakt. Alle sagen, dass sie keine weiteren Patienten mehr aufnehmen können. Und ihre Parkplätze sind voll mit Menschen, die versuchen, aufgenommen zu werden“
„Und was machen sie mit diesen Leuten?“ (…)
„Für den Moment bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sie nach Hause zu schicken … Wir müssen mit ansehen, wie Patienten septisch werden, und zwar extrem schnell.“ (S. 320/321)

Der einzige, der viel zu spät eine Idee für die Ursache der Katastrophe zu erkennen glaubt, ist Detective John Wyse vom New York Police Department. Seine Idee ist eher eine Ahnung, für die ihm leider handfeste Beweise fehlen. Nur eines ist sicher, ihm rennt die Zeit davon und die Personen, die ihm Auskunft geben könnten, sind außer Landes.

In einem nüchternen Schreibstil baut der Autor Paul McNeive eine erschreckende Notsituation auf, die auch bei genauerem Hinsehen durchaus passieren könnte. Ansatzweise erlebte er am eigenen Leib, was eine Resistenz gegenüber Antibiotika verursachen kann. Zum Glück wurde er wieder gesund. Andere hatten kein Glück. Aus diesem Grund ist es ihm wichtig, die gern ignorierte Gefahr in eine nachvollziehbare Geschichte zu packen. Diese wurde von Axel Merz übersetzt.

Aus der Perspektive unterschiedlicher Beteiligter zeigt der Autor, wie schnell Menschen im Laufe von zwei Jahren gedankenlos in eine raffinierte Falle laufen. Das Versagen der Kontrollinstanzen, Korruption und Ignoranz spielen einem japanischen Pharmakonzern, insbesondere seinem Geschäftsführer alle Trümpfe zu. Langsam aber stetig baut Paul McNeive eine Spannung auf, die am Ende der Lektüre eine weitere Schlussfolgerung, wie die Kirsche auf einer Torte, präsentiert. Er zeigt völlig offen, wie scheinbar einfach die Vernichtung von Menschen oder sogar einer ganzen Bevölkerung funktionieren kann, wenn jemand mit einem milliardenschweren Vermögen, hinreichend Fantasie und krimineller Energie dies einfach nur will. In Paul McNeives Debüt steckt unzweifelhaft eine Mission: Den Leser aufklären, an seinen Verstand appellieren und ganz nebenbei auch unterhalten.

Paul McNeive: Resistent.
Rowohlt, Juni 2019.
480 Seiten, Taschenbuch, 11,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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