Paul Hawkins: Die nerven, die Briten!

Der Brite Paul Hawkins nimmt die Eigenheiten seiner Landsleute mit viel Sinn für Humor unter die Lupe und liefert Tipps und Tricks, wie man Land und Leute einzuschätzen hat. Einige Ausprägungen, Gegebenheiten oder Vorlieben der Briten sind sicher nicht wenigen von uns hinreichend bekannt. Hawkins liefert viele weitere Details, die staunen und schmunzeln lassen.

In fünf Kapiteln stellt der Autor die Briten eingehender in recht lockerem Plauderton vor. Er gibt Ratschläge über den Umgang mit dem Inselvolk, erläutert die Kommunikation, Touristenbesuche oder das Trinkverhalten seiner Landsleute in vielen Unterkapiteln. Dabei spannt er seinen Bogen vom Brexit über After-work-Drinks, das Schlangestehen, englisches Frühstück, Trinkgelage, Gästeetikette, Hitlerimitation, Kommunikation an der Bar, Smalltalk, Tee trinken, leere Höflichkeitsfloskeln, Spitznamen, Trinkgeld… Die typisch britischen Attribute scheinen unerschöpflich.

In den unterschiedlichen Abhandlungen der in unseren Augen teils reichlich verschrobenen britischen Allüren mischt sich  Altbekanntes häufig mit Neuem. For example: Dass die Inselbewohner Pies lieben und natürlich ihre Queen und das Königshaus, wissen wir. Dass die Briten auf die Frage, wem alle Schwäne gehören, einhellig die Königin benennen, verleitet dann schon zum Schmunzeln.

Wir erfahren aber auch von nuschelnden, Slangausdrücke verwendenden Briten und von ihren umgangssprachlichen Begriffen und Idiomen. – Niemand würde vermuten, dass der im Vorbeigehen fallende Ausdruck „oigh“ tatsächlich „are you alright“ heißen soll, oder? Und wer von uns weiß schon, dass ein Brite, wenn er „taking the Mickey“, sagt, zu Deutsch „auf den Arm nehmen“ meint? – Well, it is what it is.

Gegenseitige Zuneigung drücken die Briten übrigens wohl in der Form aus, indem sie sich übereinander lustig machen…

Sehr ausführlich behandelt der Autor das Thema über Pubs. In diesem Zusammenhang erfahren wir natürlich mehr über Alkohol und auch wie man dort sein Bier bestellt und bezahlt, oder über das Schlangestehen, über Spitznamen, über Trinkgeld…

Ebenso interessant liest sich die Abhandlung über die Richter mit ihren Roben und Capes, die wie aus einer antiquierten Welt entsprungen anmuten. Jeder hat sie bildlich vor Augen. Hierzu erfährt man, dass im House of Lords, dem britischen Oberhaus, welches ein Gegengewicht zur gewählten Regierung stellen soll, keineswegs Normalbürger sondern eine seltsam bizarre Schicht sitzt, die sich aus Bischöfen, Herzögen, Lords, Earls und so einigen weiteren Menschen mit wohlklingenden Titeln zusammensetzt…

Teilweise lesen sich die Ausführungen etwas aufgedoppelt. In jedem Fall aber ist dieses Buch eine ganz spezielle, liebenswerte Art der Begegnung mit „very british“.

Paul Hawkins: Die nerven, die Briten!: Die etwas andere Gebrauchsanleitung für ein seltsames Volk – Ein Landsmann packt aus.
Goldmann, Januar 2017.
288 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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