Paul Auster: Mit Fremden sprechen: Ausgewählte Essays und andere Schriften aus 50 Jahren

Von Sprache entfremdet zu sein ist nichts anderes, als seinen Körper zu verlieren. Wenn dir die Worte versagen, zerfällst du in ein Bild von nichts. Du verschwindest. (S. 10 aus Notizen aus einer Kladde 1967)

Paul Auster gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Seine bislang erschienenen Romane sind eng mit der Stadt New York verknüpft („Die New-York-Trilogie“ hat ihn international bekannt gemacht). Für den Band „Mit Fremden sprechen hat der Autor seine 44 darin enthaltenen Schriften, Reden und Essays aus über fünfzig Jahren selbst zusammengestellt.

Der titelgebende Text bezieht sich auf das letzte Kapitel im Buch und handelt von Austers Dankesrede zum Prinz-von-Asturien-Preis.   (Im Roman begegnen sich Autor und LeserInnen auf gleicher Stufe ohne sich tatsächlich zu sehen und bleiben so doch immer Fremde). Wir erfahren mehr von Austers Bedürfnis zu schreiben – dem Einzigen, was er jemals wollte. Literatur ist das, was Auster antreibt und ihn schon sein Leben lang begeistert. Seine Gedanken umkreisen Erinnerungen und reflektieren aktuelles Zeitgeschehen. Das Spektrum seiner Themen ist vielseitig. In „Mit Fremden sprechen geht es um Austers philosophische Sichtweisen und seine weitreichenden literarischen Betrachtungen. Im Besonderen widmet er sich den Themen Sprache, Schreiben, Dichtung und Prosa. Weiter geht es um Kunst, um Identität, um Erinnerungen, um Vergangenes, um Hamsuns „Hunger“, Kafkas Briefe, um Hugo Balls Tagebücher, um Salman Rushdie, um Edgar Allan Poe, um Dichtung im Exil (hier: Paul Celan). Persönlicher lesen sich die Ausführungen Austers über seine alte mechanische Schreibmaschine, über die Bücher, mit denen sich der Schriftsteller selbst gern befasst oder über den Text von seiner Begegnung und Verbindung zu dem Hochseilartisten Philippe Petit.

Austers stets präsente kritische Haltung zu gesellschaftlichen und politischen Missständen findet sich endlich in Texten des vorletzten Kapitels „Zu besonderen Anlässen“. Hier bittet er im  „Appell an den Gouverneur von Pennsylvania“ den zuständigen Gouverneur Ridge, die Todesstrafe für einen Verurteilten abzuwenden. Der Text „Verbotene britische Kunst in New York“ ist eine Rede Austers auf einer Protestkundgebung vor dem Brooklyn Museum und richtet sich gegen Bürgermeister Rudi Giuliani. Weiter geht es um den Angriff auf das World Trade Center, um Krieg, um das Leben im Pappkarton von Obdachlosen…

Paul Auster unterstreicht die inhaltlichen Aussagen seiner Texte durch die pointierte Sprachkraft seiner Worte.

An den Übersetzungen der Texte ins Deutsche waren Werner Schmitz, Robert Habeck, Andrea Paluch, Alexander Pechmann, Marion Sattler Charnitzky beteiligt.

Paul Auster: Mit Fremden sprechen: Ausgewählte Essays und andere Schriften aus 50 Jahren.
Rowohlt, November 2020.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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