Patrick Modiano: Gräser der Nacht

patEigentlich sollte der neue Roman von Patrick Modiano erst im Frühjahr auf Deutsch erscheinen. Nachdem dem 69-jährigen Franzosen der Literatur-Nobelpreis zugesprochen wurde, hat der Hanser Verlag das Buch vorgezogen. „Gräser der Nacht“ erscheint heute.
Es hat schon deutlich schlechtere Bücher von Literatur-Nobelpreisträger gegeben, aber richtig warm wird man mit dem Buch am Anfang nicht.
Aber eine sehr schönen Sprache hat der Erinnerungsroman, in dem sich der Ich-Erzähler Jean auf Begegnungen im Paris der 1960er-Jahre besinnt. Und immer mehr entwickelt der Roman auch einen Sog und große Erzählkraft. Im letzten Drittel fügen sich die Beschreibungen der zunächst flüchtigen Begegnungen und die Bruchstücke von Erinnerungen zusammen, Geheimnisvolles wird schlüssig.
40 Jahre nachdem Jean durchs Quartier Latin und Montparnasse-Viertel geschlendert ist, einen Marokkaner kennengelernt hat, der sich als Student ausgibt, aber Mitglied der marokkanischen Sicherheitspolizist ist, und Dannie traf, eine geheimnisvolle Frau, die so plötzlich verschwand, wie sie in sein Leben getreten war, geht er erneut auf Spurensuche durch Paris. Um Dannie zu suchen, aber die bleibt verschwunden.
Dass es kein Traum ist, was Jean vor 50 Jahren erlebt hat, bestätigt ihm das schwarze Notizbuch, in dem er damals alle Begegnungen aufgezeichnet hat. Mit dem Buch in der Hand begibt er sich auf eine Reise in die Vergangenheit, entdeckt, wie sich Paris verändert hat und sucht die Menschen von Damals. In diesen Sehnsuchtsmomenten des Ich-Erzählers hat der Roman die stärksten Momente.
Zu dem heimlichen Leben der Romanfiguren hat sich Modiano von der Affäre Ben Barka inspirieren lassen. Der marokkanische Exilpolitiker wurde 1965 in Paris entführt und ermordet.
Patrick Modiano wandele in seinen Romanen „sehnsuchtsvoll auf den Boulevards der Erinnerung“, lobte die Nobelpreis-Jury. Und er stellt in seinen Büchern die Vergessenen heraus und beschwört geheimnisvolle Nachtstimmungen. All das findet man auch in diesem Roman. – Man muss sich nur auf den geheimnisvollen Grundton einlassen. – Lesenswert.

Patrick Modiano: Gräser der Nacht.
Hanser, November 2014.
176 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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