Fritz Schaap: Hotel Istanbul

Mit dem Nahen Osten befasst sich die Geschichten-Sammlung „Hotel Istanbul“ des Journalisten Fritz Schaap. Und diesen journalistischen Ansatz spürt man. Die Storys, die von Drogenhändlern in Damaskus, Kriegstouristen an der türkischen Grenze zu Syrien oder Rekrutierungsschulen für die Kämpfer des Islamischen Staates handeln, sind gut recherchierte Reiseberichte – mit einigen (wenigen) fiktiven Elementen.

Schaap, geboren 1981 und tätig unter anderem für Spiegel, Zeit und SZ-Magazin, informiert sich bei einem schwulen Palästinenser über dessen massive Schwierigkeiten in einem homophoben Land und spricht mit Menschenhändlern im Sinai, wobei er sich selbst in Gefahr begibt. Und in „Die heiligen Trinker von Gaza“ trifft er Menschen, die sich über das strikte Alkoholverbot der Muslime hinwegsetzen. Weiterlesen

Tad Williams: Der letzte König von Osten Ard 01: Die Hexenholzkrone 01

Es gibt Geschichten, die wollen in Erinnerung bleiben. Die von dem Drachenbeinthron und dem Geheimnis der Großen Schwerter ist eine von ihnen, unter anderem weil der Küchenjunge Simon unsägliche Abenteuer erlebt und schließlich die Prinzessin Miriamel und den Thron dazu bekommt.

Nach 1988 hat Tad Williams die Fortsetzung dieser Geschichte aufgeschrieben. Nach dem Motto ‚Nach dem Krieg ist vor dem Krieg‘ tauchen alte und neue Weggefährten auf. Simon und Miriamel blicken auf dreißig Jahre Frieden zurück. Der einzige Sohn starb unter seltsamen Umständen und ihr Enkel Morgan, der Thronfolger werden soll, ist lieber betrunken und abwesend, als dass er seinen Pflichten nachkommt. Auf ihrer Reise zu einem sterbenden, alten Freud sind Simon und Miriamel nicht nur unangenehmen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Im Reich zeichnen sich neue Bündnisse und Zwiste zwischen den Stammesführern ab. Weiterlesen

Krystal Sutherland: Unsere verlorenen Herzen

Henry ist 17 Jahre alt und beginnt soeben sein letztes Jahr auf der Highschool. Wenn er ehrlich ist, war er noch nie verliebt. Er wartet auf die eine, richtige, wahre Liebe, die ihn von den Socken hauen wird. Dass er sie ausgerechnet in Form der jungenhaften neuen Schülerin Grace treffen würde, kann er selbst nicht glauben. Doch Grace mit ihrer Beinverletzung und ihrem Stock zieht ihn magisch an und er möchte nichts, als Zeit mit ihr verbringen. Grace hat allerdings mehr als ein Geheimnis und weiß diese gut zu verstecken und für sich zu behalten. Henry setzt alles daran, hinter die harte Schule des Mädchens zu blicken.

Selten musste ich bei einem Buch zu herzhaft lachen wie bei diesem. Es sprüht nur so vor urkomischen, fetzigen Szenen, bei denen kein Auge trocken bleibt. Weiterlesen

Ernest Cline: Armada: Nur du kannst die Erde retten

Ich muss ja zugeben, dass die Begeisterung über das Wiedererkennen von Kindheitserinnerungen bei mir beim zweiten Buch deutlich nachgelassen hat. Trotzdem war „Armada“ noch witzig zu lesen, ich muss aber zugeben, dass mir das Thema jetzt für’s Erste reicht. In Ernest Clines zweitem Roman werden wieder alte Erinnerungen an die Jugend wach. Diesmal ist es jedoch nicht ein toter Spielewelterfinder, der die Menschen dazu bringt, sich damit zu beschäftigen, sondern für Zack Lightman haben Spiele, insbesondere Ego-Shooter schon immer zum Leben zugehört. Sein toter Vater war ein echter Freak und auch seine Mutter spielt immerhin regelmäßig. Insbesondere das Spiel „Armada“ hat es Zack angetan und er ist richtig gut darin. Weiterlesen

Andreas Schimmelbusch: Habe nichts mehr ausser mir

Der deutsche Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Andreas Schimmelbusch (Jahrgang 1973) lebte einige Zeit in den USA und aktuell in Berlin.

Mit „Habe nichts mehr ausser mir“ erschienen am 13. Oktober 2017 sieben seiner Storys bei dtv. Darin ein junger Mann auf Ferien in Island, in denen er dem Pärchen Kate und Jonny nachstellt und darüber sein eigenes (Liebes-) Leben vergisst.

Oder die Liebesgeschichte zwischen Felix und Charlotte, die für Felix kein gutes Ende nimmt.

In „Frau mit Waffe“ entführen Andreas und Gudrun einen „jungen Schnösel“, Gudrun wird geschnappt und Andreas kann mit Hilfe der Polizeistudentin Elisabeth entkommen. Weiterlesen

Ken Follett: Das Fundament der Ewigkeit

Eines der bekanntesten und vielleicht auch besten Bücher Ken Folletts dürfte ‚Die Säulen der Erde’ sein. Alle, die das Buch gelesen oder zumindest die Verfilmung gesehen haben, werden sich an die zum Teil dramatischen Konflikte erinnern, die sich um den Bau der Kathedrale in der fiktiven westenglischen Ortschaft Kingsbridge drehten. Das Buch ist auch heute noch, nach fast 30 Jahren, ein beliebter historischer Roman.

Im Jahr 2008 erschien mit ‚Die Tore der Welt‘ ein guter, aber insgesamt doch schwächerer Folgeband. Die Handlung ist rund 200 Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes angesiedelt und spielt im 14. Jahrhundert. Zum Teil knüpft Follett dabei an Personen und Geschehnisse aus ‚Die Säulen der Erde‘ an.

Nun ist im September mit ‚Das Fundament der Ewigkeit‘ ein weiterer Roman der Serie erschienen, der in den Jahren 1558 bis 1620 spielt und damit die historische Epoche der Regierungszeit von Königin Elisabeth I. (1558 – 1603), der Hinrichtung Maria Stuarts (18.2.1587), der Bartholomäusnacht (23./24.8.1572) und der versuchten Invasion der spanischen Armada (1588) umfasst. Weiterlesen

John Burnside: Ashland & Vine

Der 1955 geborene schottische Autor John Burnside ist ein Vielschreiber. Nach „Wie alle anderen“ aus dem vorigen Jahr ist nun schon sein nächstes Werk erschienen: „Ashland & Vine“. Darin trifft die junge Kate die viel ältere Jean, die der Jüngeren nach und nach ihre Lebensgeschichte erzählt. Die ist geprägt durch den frühen Tod des Vaters, eines Gegners der Rassentrennung, der quasi auf offener Straße ermordet worden ist. Eine dramatische, unerfüllte homosexuelle Liebe kommt genauso vor wie die Beziehung Jeans zu ihrer Nichte, die in den Terrorismus abgetaucht ist.

Aber auch das Leben der jüngeren Kate ist Thema. Sie ist alkoholabhängig und lebt in einer schwierigen Partnerschaft mit einem egozentrischen Filmemacher. Weiterlesen

Leїla Slimani: Dann schlaf auch du

Bereits die ersten beiden Sätze ziehen hinein in diesen brillant geschriebenen, düsteren Roman: Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt.

Die Augen und Gedanken der ermittelnden Kommissarin führen durch eine Wohnung im 10. Arrondissement in Paris, den Schauplatz der Tragödie. Auch die Schwester des Babys wird nicht überleben. Die Kinderfrau, die sich selbst schwerste Verletzungen zugefügt hat, kann gerettet werden.

Konfrontiert mit dem Wissen um den schrecklichen Ausgang, führt die Autorin zur Ausgangsbasis ihrer Geschichte und rollt in wechselnden Perspektiven aus Sicht der Kinderfrau Louise, der Eltern und der Kinder den Plot auf, der immer bedrohlichere Ausmaße annimmt: Das Leben der jungen Familie mit zwei kleinen Kindern gestaltet sich nicht immer leicht. Myriam, die junge Mutter fühlt sich in ihrem Hausfrauendasein zunehmend überlastet, ungeachtet und unglücklich. Weiterlesen

Svenja Gräfen: Das Rauschen in unseren Köpfen

Mich erinnert dieser Liebesroman, bzw. er fügt sich nahtlos ein, an den Sprachstil und der Inhalte,  der  zur Zeit auf allen „Happy Wellen“ im Radio laufenden neuen Schlager-Schnulzen, wie von Revolverheld, Silbermond, Holofernes, Max Giesinger oder Marc Forster, etc… Da geht der Himmel auf, der Bauch ist voll Zement, man verschenkt Sonne, Mond und Sterne sowie Regenbögen, Wellen und Wolken mit der Nummer 7! Träume platzen, etc.! Nun gut, man kann ja ausmachen und wer war nicht schon mal verliebt.

Die Geschichte kann man schnell zusammen fassen: zwei innige Freundinnen, auch Klassenkameradinnen, machen gemeinsam Abi und irgendwann ziehen sie zusammen in ihre erste Wohnung. Man lebt wohlbehütet noch, wenn auch als naher Satellit etwas entfernter vom Elternhaus, man flirtet und feiert viel in Clubs und durch Nächte, hier und da Urlaub am Meer oder träumend im Gras im Stadtpark. Weiterlesen

Thomas Reverdy: Es war einmal eine Stadt

Der in Frankreich lebende Autor Thomas Reverdy widmet sich in seinem Roman „Es war einmal eine Stadt“ dem sterbenden Detroit – und verknüpft dabei mehrere Genres miteinander. Eugène, Mitarbeiter einer Autofirma, wird in die ehemalige Autostadt schlechthin versetzt: Detroit. Doch der Lack ist allerspätestens seit der großen Finanzkrise im Jahre 2008 ab. Die ehemals als „Motown“ bezeichnete Stadt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die arbeitslosen Menschen ziehen weg und ganze Fabrikhallen stehen leer. Das einzige, was hier noch floriert, ist die steigende Kriminalitätsrate.

Reverdy, der für diesen Roman den begehrten Buchhandelspreis in Frankreich erhalten hat, erzählt seine Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Bewohner der Stadt. Weiterlesen