Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen

Ein Grundgesetz für bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Und täglich kaufen Investoren weitere Quadratmeter. Wer sein Studium finanziell alleine stemmt, von einer kleinen Rente lebt oder als Normalverdiener keine bezahlbare Wohnung mehr findet, darf in diesem klugen Ratgeber die Ideen von 66 Raumwundern aufgreifen.

Eines wird beim inspirierenden Schmökern mehr als deutlich: Das klassische Wohnen war gestern. Heute braucht man Kreativität, um die vorhandenen Ressourcen erstens zu erkennen und zweitens zu nutzen.

Entrümpeln und sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfte die leichteste Übung sein. Die inzwischen bekannten und geschätzten Tiny Houses bringen die Konzentration im Leben quasi auf den Punkt, während intelligente Möbelarchitektur im beengten Wohnraum mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber die eigene Wohnung mit anderen zu teilen, bedeutet ein gravierendes Umdenken, bei dem für jede Form von Egoismus kein Raum bleibt. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, zeichnet der Autor Daniel Fuhrhop unterschiedliche Lebensmodelle auf. Ob Arbeiten für Wohnen, der gemeinsame Erwerb von leerstehenden Häusern, klassische Wohngemeinschaften, für jeden Bereich gibt es Wege herauszufinden, wer passt zu wem. Im Zeitalter der Digitalisierung lassen sich Fragekataloge leicht entwerfen und auswerten. Inzwischen entwickeln sich daraus immer mehr Geschäftsmodelle, deren Eigendynamik gerade erst begonnen hat. Weiterlesen

Charlaine Harris: Midnight, Texas

Texas ist für zwei Dinge berühmt – zum Einen für seinen Reichtum an Öl, zum Anderen für seine Hitze. Midnight ist ein kleines, gottverlassenes Kaff irgendwo in den Weiten der selbst im Herbst gnadenlos vom Himmel brennenden Sonne. Zwei Straßen kreuzen sich hier, das Örtchen besitzt an dieser Stelle sogar eine über der Kreuzung schaukelnden Ampel, ansonsten gibt es eine Tankstelle nebst angeschlossenen Minimarkt, einen Diner, eine Galerie in die sich kaum einmal Jemand verirrt, eine Pfandleihe und ein Nagelstudio. Dazu bietet eine weise Frau spiritistische Unterweisungen an und handelt mit esoterischen Schnickschnack.

In diese Mega-Metropole zieht Manfred Bernardo – Anfang 20 und bereits ein renommierter Hellseher, der seine Dienste im Internet anbietet. Er ist auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit – und, mal ehrlich, ruhiger und abgeschiedener als Midnight geht gar nicht. Die übrigen Einwohner des Kaffs wachen gar eifersüchtig über ihre Muße, haben sie doch allesamt etwas zu verbergen. Weiterlesen

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore 02: Eine Metapher wandelt sich

Nun ist es also soweit: Haruki Murakamis Fortsetzung „Die Ermordung des Commendatore 02:  Eine Metapher wandelt sich“ ist am 16. April 2018 (Übersetzung Ursula Gräfe) im DuMont Verlag erschienen. Hinterließ der erste Band des Romans, der im Januar 2018 veröffentlicht wurde, viele offene Fragen, so ist die Spannung auf die Antworten in Band II groß. Und die Leserinnen und Leser sollen nicht enttäuscht werden.

Murakamis Protagonist, der Porträtmaler, sucht weiter nach seinem Malstil. Er porträtiert die dreizehnjährige Marie Akikawa und freut sich auf die sonntäglichen Sitzungen mit ihr. Währenddessen spielt der weißhaarige Herr Menshiki, der glaubt, dass Marie seine leibliche Tochter ist, sein eigenes Spiel. Er beginnt eine Affäre mit Maries Tante Shoko Akikawa. Marie hingegen hat kein gutes Gefühl mit Herrn Menshiki. Dafür  entwickelt sie ein Vertrauensverhältnis zu dem Maler und erzählt ihm von ihrem geheimen Weg, der durch den Wald an dem alten Schrein und der Grube vorbeiführt. Sie besucht den Maler heimlich.

Derweil recherchiert Menshiki im Leben des Nihonga-Malers Tomohiko Amada, in dessen Haus der Porträtmaler wohnt, weiter und findet Details über die Familie heraus. Der Porträtmaler bittet Masahiko Amada, den Sohn Tomohikos, darum, ihn bei dem nächsten Besuch seines Vaters begleiten zu dürfen. Das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ fasziniert ihn weiterhin. Und eines Nachts glaubt er, den alten Tomohiko im Atelier sitzen zu sehen. Weiterlesen

Jeff Zentner: Zusammen sind wir Helden

Dill, Lydia und Travis sind drei 17-jährige Jugendliche, die in diesem Sommer ihr letztes Jahr auf der High-School beginnen und in einer amerikanischen Kleinstadt leben. Wie es nach der Schule weitergehen soll? Darüber haben die Drei sehr unterschiedliche Ansichten. Lydia will in New York studieren gehen und setzt alles daran, gute Bewerbungen für Universitäten zu schreiben. Mit ihrem Modeblog ist sie supererfolgreich und begeistert ihre Leser. Dennoch hängt sie in ihrer Freizeit gerne mit Dill und Travis ab, die man eher als Außenseiter beschreiben würde. Dill leidet darunter, dass sein Vater, ein Prediger, vor wenigen Jahren wegen eines Verbrechens verurteilt wurde, von dem die Bevölkerung auch weiterhin glaubt, Dill könne es begangen haben. Er wird in der Schule gemobbt und im Ort beschimpft. Travis ist übergewichtig, versteckt sich in seinen Fantasybüchern und hat auch zu Hause nichts zu lachen. Ihre Zukunft sehen beide Jungs klar in dem kleinen amerikanischen Ort, an den Plätzen, die für sie vorherbestimmt sind. Das Schicksal geht jedoch manchmal seltsame Wege … Weiterlesen

James Baldwin: Von dieser Welt (1953)

John hat Geburtstag. Er wird vierzehn, und keiner aus der Familie nimmt beim Frühstück seinen Geburtstag zur Kenntnis. Dieser Tag scheint genauso traurig und öde zu verlaufen wie jeder andere auch. Als Ältester hat er seinen Geschwistern gegenüber Verpflichtungen. John, der Vernünftige, der Ruhige, wird gleichzeitig mit Verboten überhäuft.

Am Morgen seines Geburtstages fragt er seine Mutter, ob der Vater ein guter Mensch sei. Wer seine Kinder liebt, der schlägt sie, erfährt er. Doch am Gesicht seiner Mutter erkennt John, dass sie diese Meinung nicht teilt, denn auch sie wird geschlagen und schlecht behandelt. Kurz darauf verspricht sein Tag doch noch richtig gut zu werden. Seine Mutter schenkt ihm ein paar Münzen und freie Zeit, die ihm ein ungestörtes Nachdenken erlauben. Was soll er mit seinem Leben anfangen? Gibt er dem drängenden Wunsch seines Vaters nach und wird ebenfalls Prediger?

James Baldwin, 1924 in New York geboren, war der erste schwarze Künstler auf dem Cover des Time Magazins. Viele Preise und Auszeichnungen zieren seine Werke. Weiterlesen

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Keiko Furukura gehört einer ganz besonderen Spezies an: Sie ist überzeugte Konbini-Angestellte. Das hat natürlich seinen Grund: In den Konbinis, den rund um die Uhr geöffneten „Convenience-Shops“, gibt es für alles Vorgaben und Regeln. Wenn man sie beherzigt eckt man nicht an, wird anerkannt und gilt als „normal“. Und genau das möchte Keiko: normal sein und nicht auffallen, keinen Ärger verursachen und in Ruhe gelassen werden.

Schon als kleines Kind hat sie gemerkt, dass sie anders ist als andere. Gefühle waren und sind nicht ihre Welt, sie geht die Dinge logisch an. Warum muss man ein totes Vögelchen, das man auf dem Spielplatz findet, begraben und darf es nicht essen, obwohl man doch auch andere Vögel isst und der Vater so gerne Hähnchenspieße mag? Warum darf man eine Schulhofprügelei nicht beenden, indem man den beteiligten Jungs eins mit der Schaufel auf den Kopf gibt, obwohl jemand lautstark darum gebeten hat, dass jemand sie aufhalten soll? Das ist schwierig zu verstehen für die kleine Keiko und auch der großen Keiko fällt das noch schwer. Doch sie hat sich eine Strategie zurechtgelegt, die ihr hilft, durchs Leben zu kommen: wenig Privates reden und sich anpassen. Weiterlesen

Josh Sundquist: Liebe und der erste Blick

Will ist von Geburt an blind und kommt damit ziemlich gut klar. Jahrelang ging er auf eine Blindenschule. Doch jetzt fühlt er sich mit 16 Jahren bereit für die normale Schule, den ganz normalen Wahnsinn einer High-School. Tatsächlich findet er schnell Freunde und Anschluss. Seine Klassenkameradin Cecily nimmt sich seiner an und es harmoniert zwischen den beiden. Dann bekommt Will eine ungeahnte Chance. Durch eine Augenoperation besteht für ihn die Möglichkeit, wieder sehen zu können. Natürlich gibt es viele Risiken und keine Erfolgsgarantie. Soll Will den Schritt wagen? Und was ist, wenn sehen zu können nicht so schön ist, wie er es sich immer vorgestellt hat?

Josh Sundquists Roman greift ein spannendes Thema auf, die Umsetzung ist allerdings nur mittelmäßig. Der Roman ist einfach nicht so fesselnd und interessant geschrieben, wie man es gerne hätte. Alles plätschert so vor sich hin, es werden zwar interessante Fragen aufgegriffen, aber die Beantwortung oder wenigstens nur mal das Befassen damit bleibt aus. Damit die Operation von Will klappen kann, braucht er beispielsweise eine Organspende eines verstorbenen Menschen. Weiterlesen

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

Ringfjörden, Norwegen 2017: Alle wissen über den Klimawandel Bescheid, aber keinen interessiert‘s! Die 70-jährige Umweltaktivisten Signe ist frustriert. Nachdem die Wasserfälle und der Fluss Breio einem Kraftwerk zum Opfer gefallen sind, soll nun das letzte Gletschereis an zahlungskräftige Scheichs in Arabien verscherbelt werden.

Bordeaux, Frankreich 2041: Europa ist zweigeteilt. Nach einer großen Dürre ist kein Leben mehr in den südeuropäischen Ländern möglich. Millionen versuchen, in die „Wasserländer“ Nordeuropas zu fliehen, doch die haben ihre Grenzen dicht gemacht. David und seine siebenjährige Tochter Lou kämpfen in einem französischen Flüchtlingslager ums nackte Überleben.

Wie Bestsellerautorin Maja Lunde uns Lesern und der gegenwärtigen Klimakrise den Spiegel vorhält, lässt sich nur mit Superlativen beschreiben. Hochemotional und äußerst beklemmend!

In erschreckenden Bildern beschreibt die norwegische Autorin den schrittweisen Zerfall der Zivilisation in Europa. Weiterlesen

Connie Palmen: Die Sünde der Frau

Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith: Vier berühmte Frauen, vier Schicksale – ganz eigen und besonders, doch wenn man genauer hinschaut mit einigen Übereinstimmungen. Da wären die frühen Verluste der Väter, die starben, weggingen oder von ihren Ehefrauen aus dem Leben der Kinder getilgt wurden, und die komplizierten Beziehungen zu den Müttern. Da wäre der Schritt in die Öffentlichkeit, als Schauspielerin oder Schriftstellerin, mit dem gleichzeitig – durch einen neuen Namen – eine neue Identität erschaffen wurde.

Das Dilemma der Norma Jean Baker ist bekannt: Als Marylin Monroe ist sie ein Kunstprodukt, festgelegt auf die Rollen als (sehr blondes, etwas beschränktes) Sexsymbol. Sie wird durch Kameras erschaffen und beginnt erst zu leben, wenn Menschen ihre Blicke auf sie richten. Doch sie möchte eine ernsthafte Schauspielerin sein, ihrem Image entkommen, echt werden. Sie zweifelt an ihrer Begabung, ist zerrissen zwischen Dichtung und Wahrheit, glaubt nicht an sich. So flüchtet sie in Alkohol und Drogen, um ihr wertloses Leben zu ertragen, bis sie ihm im Alter von nur 36 Jahren selbst ein Ende setzt. Weiterlesen

Alexandra Kui: Solange es hell ist

Die 15-jährige Mika hat einen Plan, als sie vom Familienurlaub im Harz mit dem etwas in die Jahre gekommenen Familienauto türmen will. Ihre 11-jährige Schwester Penny und der 5-jährige Bruder Elias müssen natürlich auch mit – und das erfordert einiges an Planung. Im Nebel eines Morgens packt Mika alles zusammen und setzt die Geschwister mit ins Auto. Einen Führerschein hat sie übrigens nicht, so schwer kann das mit dem Autofahren allerdings nicht sein. Ein Ziel hat Mika immerhin: einen Leuchtturm irgendwo in Dänemark, an dem ihre Mutter vor 16 Jahren ihren Vater kennenlernte. Wo dieser Leuchtturm genau steht, weiß Mika allerdings nicht. So viele Leuchttürme wird Dänemark schon nicht haben …

Alexandra Kui entwirft in ihrem Jugendroman einen Roadtrip der besonderen Art von drei Minderjährigen durch Deutschland und Dänemark. Mika will sich und ihre Geschwister bei ihrem Vater unterbringen, den sie persönlich nicht kennt und der auch nicht der Vater ihrer beiden Geschwister ist. Weiterlesen