Nadine Roth: Bloody Mary: Du darfst dich nicht verlieben

Es gibt eine Lebende, die Legende von Bloody Mary. Wenn man sie dreimal ruft, erscheint ihr Geist und tötet den rufenden. Avian glaubt nicht an die Legende und um einem Freund zu beweisen, dass alles Unsinn ist, ruft er sie. Aber nur zweimal, denn er wird unterbrochen. Auf dem Beweisvideo ist etwas im Hintergrund zu sehen, aber was ist das genau? Avian wird neugierig und sucht die Geschichte hinter der Legende. In den 90er Jahren wurde die damals sechzehnjährige Mary Jane Wyler von einem Serienmörder in ihrem Elterhaus grausam ermordet. Seitdem ist sie Bloody Mary. Und sie liegt anscheinend gerade im Trend, denn mehr und mehr Jugendliche überleben die Mutprobe sie zu rufen nicht. Avian will mehr wissen, warum tötet sie wahllos alle, die sie Rufen und warum verschont sie ausgerechnet ihn? Wird sie ihn auch verschonen, wenn er sie ein weiteres Mal, diesmal richtig, ruft? Weiterlesen

Harald Welzer: Wir sind die Mehrheit

„Wir leben in einer Welt der Ungewissheit. Niemand weiß genau, was wahr und was gut ist. Darum müssen wir immer neue und bessere Antworten suchen. Das geht aber nur, wenn Versuch und Irrtum erlaubt sind, ja, ermutigt werden, also in einer offenen Gesellschaft.“ (Seite 28)

In seinem neuen Buch tritt Harald Welzer vehement für die offene Gesellschaft ein. Er geht dabei auf zahlreiche aktuelle Probleme ein, wie etwa die Flüchtlingsproblematik, das Agieren der Medien, den Neoliberalismus und das Funktionieren unseres politischen Systems. Genau genommen handelt es sich um eine schnelle und leichte Lektüre. Schnell, weil das Buch mit seinen 128 Seiten gut an einem Tag zu lesen ist. Leicht, nicht etwa des Inhaltes wegen, denn der hat es in sich, sondern weil Welzer es versteht, sich klar auszudrücken und ohne großes Herumgerede auf den Punkt zu kommen. Weiterlesen

Sorj Chalandon: Mein fremder Vater

Die grauenhafte Kindheit eines Jungen in Lyon in den 60er-Jahren ist Thema in Sorj Chalandons Roman „Mein fremder Vater.“ Der kleine Émile muss mit einem bösartigen Mann klarkommen, der ihn grundlos schlägt, ihn nächtelang im Schrank einsperrt (die „Besserungsanstalt“), ihm das Abendessen streicht und ihn in eine obskure Widerstandsgeschichte verwickelt, von der lange nicht klar ist, ob sie etwas mit der Wirklichkeit zu hat oder ob der Vater sie sich nur ausgedacht hat. Die Mutter, die ebenfalls den Gewaltausbrüchen ihres Mannes ausgeliefert ist, schweigt zu den Vorkommnissen und sagt nur: „Du weißt doch, wie dein Vater ist.“ Weiterlesen

Carolin Hagebölling: Der Brief

Marie lebt als Journalistin in Hamburg, in einer Gemeinschaft mit ihrer Freundin Johanna. Eines Tages erhält sie einen seltsamen Brief. Er scheint von einer alten Schulfreundin zu stammen, aber es ist von Dingen die Rede, die so nie geschehen sind. Marie lebt angeblich in Paris mit einem Mann zusammen und hat regen Kontakt zu ihrer Freundin, die sich im realen Leben seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Sie nimmt Kontakt auf und stößt auch da auf eine völlig andere Geschichte. In dem Brief war von zwei Kindern die Rede, aber das jüngere Mädchen wurde niemals geboren. Marie reist nach Paris und findet die Menschen, von denen im Brief, inzwischen sind es mehrere Briefe, die Rede ist. Das Zusammentreffen fühlt sich seltsam vertraut an, aber auch irreal. Sie verdächtigt einen ehemaligen Schulkameraden, den sie als Mädchen wenig nett behandelt hat, aber wie er so schön sagt: „Die Realität ist eine Frage der Wahrnehmung, nicht der Wahrheit.“(S. 51). Weiterlesen

Kevin Sands: Der Blackthorne Code 02: Die schwarze Gefahr

Als Erbe seines Meisters sollte Christopher inzwischen eigentlich fein raus sein für einen ehemaligen Waisenjungen. Dummerweise lässt die Gilde sich Zeit, einen neuen Meister für ihn zu finden und der Schatz, den Meister Benedict ihm angeblich hinterlassen hat, ist nicht aufzufinden. Da kommt die Pest nach London. Und mit ihr ein geheimnisvoller Prophet, der angeblich die nächsten Toten voraussagen kann und ein Wunderheiler, dem es wirklich gelungen zu sein scheint, ein Mittel gegen die Pest zu finden.

Sehr gut hat mir gefallen, wie Kevin Sands beschrieben hat, woran die Menschen glauben können, wenn sie völlig verzweifelt sind. Wer oder was auch immer ihnen Schutz oder Heilung verspricht, bekommt alles, was menschenmöglich ist. Christopher und sein Freund Tom, später auch die neu eingeführte Sally, geraten mitten in den Strudel aus Angst, Verzweiflung, Hoffnung und Betrug.  Keven Sands stützt sich dabei auf Daniel Defoes „Die Pest zu London“, die ich auch schon sehr eindringlich fand. Weiterlesen

George R. R. Martin: Planetenjäger

Willkommen auf dem Kolonieplaneten São Paulo. Hier, fern der überfüllten Erde gibt es Platz, Rohstoffe und die Gelegenheit, sein Glück zu machen. Zwei befreundete Alienvölker unterstützen die Menschen dabei, das All zu besiedeln. Komm in die neuen Welten, mache dein Glück, so wird für die Kolonialisierung geworben.

Auch Ramon Espejos dachte einmal, dass er eben jenes, sein Glück machen könnte. Aus Mexico stammend brach er auf der Suche nach persönlichen Glück, Reichtum und Freiheit auf, nur um auf dem Planeten auf altbekannte Strukturen zu stoßen – dort die Reichen, hier die, die malochen armen Hunde, die dafür sorgen, dass die Reichen immer reicher werden. Dass er selbst ein Macho par Exzellenz ist, dass er seine Frauen schlägt und betrügt, misshandelt und missbraucht bereitet ihm kein schlechtes Gewissen. Seit frühester Kindheit hat er verinnerlicht, dass nur der Starke, der Brutalere überlebt und sein Dasein darauf ausgerichtet. Weiterlesen

Anika Beer: Kieselsommer

Die 15-jährigen Freundinnen Tilda und Ella können es kaum glauben: Es sind Sommerferien und sie machen zwei Wochen allein Urlaub in einer kleinen Hütte im Spreewald. Ella hofft auf das Schicksal und die große Liebe. Bereits am ersten Abend wünscht sie sich sehnlich, endlich einen Freund, den Freund überhaupt, die wahre Liebe zu finden. Tilda belächelt den Versuch ihrer sonst zurückhaltenden Freundin und staunt nicht schlecht, als am nächsten Tag tatsächlich ein junger Mann namens Mats vor der Tür der beiden steht. Zwischen Ella und Mats scheint es Liebe auf den ersten Blick zu sein. Doch was wird nun aus dem gemeinsamen Urlaub? Tilda fasst einen Entschluss … Weiterlesen

Michael J. Sullivan: The First Empire 01: Rebellion

Seitdem die Fhrey, Elfen die sie bedrängenden Zwerge vor Jahrtausenden mithilfe der Gabe, die ihnen die Götter geschenkt haben, vernichtend geschlagen haben, ist die Welt geordnet. Hier die Fhrey, die von ihrem schlagenden Arm, einer kriegerischen Sippe die seitdem an die Grenzen des Reiches verbannt lebt, geschützt werden, daneben die Raithe, Menschen, die sich karnickelgleich vermehren und die Elfen als Götter ansehen.

Götter kann man nicht töten, Göttern hat man zu gehorchen, das saugen schon die Babys mit der Muttermilch auf. Doch dann schlägt ein Sklave in Diensten der Elfen seinen Herren mit einem Stein nieder, der kriegerische Junge, der hilflos mit ansehen musste, wie sein Vater erst gedemütigt, dann ermordet wurde, nimmt blutige Rache. Wie es scheint, kann man Götter wohl doch töten. Weiterlesen

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Nach einem beschaulichen, fast an ein Kinder- und Jugendbuch erinnernden Anfang, entwickelt dieser wunderbare Roman doch einen ganz eigenen Stil und Sog. Wobei eigener Stil vielleicht etwas zu relativieren ist. Ich dachte, während ich mich mehr und mehr in dieses kleine Dorf im Westerwald, mit seinen teilweise ganz skurrilen Bewohnern einlas, plötzlich an Janosch. Der große Romancier, Autor und Philosoph und Erfinder wunderbarer Kinderbuchfiguren: die Charaktere der Janosch-Bücher. Vor allem die vielen Abenteuer vom kleinen Bären und seinem Freund, dem kleinen Tiger werden weltweit und über Generationen hinweg immer wieder gern gelesen. Und irgendwie finde ich in den Beschreibungen der Protagonisten dieses Westerwald Dorfes: da ist der Reiseesel Mallorca, im Buch mit Peter zu vergleichen, Luises Vater. Luise ist der kleine Tiger mit ihrem Freund Martin, dem Bären. Weiterlesen

Lisa Gardner: Die Überlebende

Flora ist eine junge Frau und eine Überlebende zugleich. Nachdem sie 472 Tage in der Gewalt eines sadistischen Entführers war, gibt es die junge, unbeschwerte Flora nicht mehr. Ob der Rest von ihr für ein Weiterleben reicht, muss sie noch herausfinden.

»… Ich hasse ihn. Ich vermisse ihn. … Selbst zum bitteren Ende hin warnte er mich …, dass ich nie von ihm frei sein würde. Er riet mir zum Selbstmord.« (S. 466)

Traumatisiert und voller Schuldgefühle sucht sie einen Ausweg in diversen Selbstverteidigungskursen. Nie mehr will sie ein Opfer sein. Seit fünf Jahren lebt Flora in Boston. Auch hier verschwinden junge Frauen scheinbar spurlos. Eine von ihnen will sie unbedingt finden. Weiterlesen