Anke Höhl-Kayser: Das Geheimnis der Sternentränen

Die Erde im Jahr 2162: Durch einen gewaltigen Atomkrieg hat sich die Menschheit fast völlig ausgerottet. Nur rund fünfzigtausend Überlebende konnten sich retten. In einer atomar verseuchten und ohne Schutzkleidung nicht mehr betretbaren Umwelt ist seither eine neue Gesellschaft entstanden. Dominiert wird sie ausschließlich von Frauen. Männern kommt nur noch eine untergeordnete Rolle als Arbeiter und Handlanger zu. Im Präsidialsystem der United States of China and America (USCA), an dessen Spitze die High Chancellor Gold steht, ist alles genau reglementiert: Kleidung und Nahrung werden vom Staat verteilt, Präimplantationsdiagnostik und Aufzuchtgruppen sorgen für Menschen nach Maß, Privatsphäre ist unbekannt und das Lebensalter ist auf 55 Jahre begrenzt.

In dieser Gesellschaft lebt die Scientist Jade, eine junge Frau, die den Auftrag erhält, mit Hilfe einer neuartigen Technologie einen transtemporalen Korridor in die Zeit des Mittelalters zu erschaffen. Weiterlesen

Veronica Roth: Der Rat der Neun, gelesen von Laura Maire u.a.

Veronica Roth hat diesmal ein ganzes Universum geschaffen und ihre Protagonisten auf verschiedene Planeten verteilt. Obwohl mich die einzelnen Planetenbewohner schon ein bisschen an die Star Trek Aufteilung erinnern (Shotets und Klingonen haben eine Menge gemeinsam) und es eine Menge Arbeit ist, sich die einzelnen Planeten geistig auseinander zu sortieren, hat das auch einen ganz eigenen Reiz. Der Kernpunkt der Geschichte ist das Schicksal und die Gabe. Ausgewählte Familien – die nicht zufällig meist in den Herrscherhäusern ihrer Planeten sitzen, haben eine Gabe und ein vorbestimmtes Schicksal. Die Gabe ist ein Geschenk, aber oft genug auch ein Fluch. Weiterlesen

Shane Kuhn: Feindliche Übernahme

Thriller plus Comedy – da ist ein Mordsspaß garantiert! Seit Shane Kuhns Erstlingsroman „Töte deinen Chef“ arbeitet John Lago in einer Vermittlungsagentur für Profikiller. Human Resources Inc. schleust diese als Praktikanten in Unternehmen ein, um verhassten Firmenbossen den Garaus zu machen. In diesem literarischen Nachfolger geht es noch abgedrehter zur Sache. John ist mittlerweile mit seiner ehemaligen Erzfeindin, der Profikillerin Alice, verheiratet. Die beiden haben eine besondere Beziehungsdynamik, nach dem Motto: Sie küssten und sie schlugen sich … Gnadenlos böse, gnadenlos gut.

Wer es makaber mag, wird dieses Buch lieben. Der Autor Shane Kuhn schafft Kunstfiguren, die fast Tarantino-mäßig anmuten. Weiterlesen

Peter Schneider: Club der Unentwegten

Älterer Mann liebt jüngere Frau – das ist das Grundthema in Peter Schneiders Roman „Club der Unentwegten“. Roland, ein Privatgelehrter, verliebt sich in Manhattan in die charismatische Leyla. Für beide beginnt ein Liebesabenteuer voller Sex und Lebenslust. Aber schon bald kommen die typischen Probleme: Wie zum Beispiel geht Roland mit dem Kinderwunsch seiner jungen Geliebten um? Diverse Trennungen und Wiedervereinigungen sind die Folge.

Doch der Roman des 1940 geborenen Autors handelt nicht nur von Roland und Leyla, sondern auch von gleich einer ganzen Reihe von Bekannten Rolands, die offenbar alle dieselben Vorlieben für jüngere Frauen haben – der „Club der Unentwegten“. Weiterlesen

Ulrike Anna Bleier: Schwimmerbecken

Luise erzählt von ihrer Kindheit mit dem Zwillingsbruder Ludwig in Kollbach, von ihrem Leben in Regensburg, vom Verschwinden und der Rückkehr Ludwigs. Anlass für den Rückblick ist die Rückkehr von Luises Bruder nach einer Abwesenheit von fünf Jahren, die genauso wenig erklärbar ist wie das Bluten aus den Augen einer lokalen Beinahe-Heiligen.

Luise hat ihren Bruder immer bewundert, hat zu ihm aufgeschaut und seine dunklen Wesenszüge und seinen manischen Ordnungssinn nicht nur akzeptiert, sondern darin seine Überlegenheit erkennen wollen. Doch wo war Ludwig? Warum ist er gegangen? Warum spricht er nun, zurückgekehrt, eine Sprache, die seine Familie nicht versteht?

„Schwimmerbecken“ ist ein tottrauriger und unglaublich spannender Heimat- und Kindheitsroman, in dem alles gleichzeitig einfach und magisch ist. Der schwarze Bach, der durch den Ort Kollbach fließt, ist unruhig und dunkel wie Ludwig, Luise erzählt davon und von der keltischen Vergangenheit des Ortes. Weiterlesen

Yavuz Ekinci: Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Die Geschichten über das Fressen und gefressen werden haben eines gemeinsam:  Am Ende ist immer einer tot und der Andere, der Stärkere überlebt. Ob in Flora und Fauna oder in der künstlichen Welt der Menschen, immer scheint es einen Gewinner zu geben, der alles bekommt.

Der 1979 in der Türkei geborene Autor Yavuz Ekinci verarbeitet literarisch das Schicksal der Kurden. Sein Roman erzählt von einem bestimmten Tag, an dem sich das Leben der friedlichen Menschen des Walnusstales ändern könnte. Alle Nachbarorte mitsamt ihrer Bewohner wurden bisher überfallen und zerstört. Nur ihr kleines Dorf ist bis heute verschont worden.

Yavuz Ekinci erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den Höhen und Tiefen einer Familie, deren Vorfahren sich im Schatten riesiger Walnussbäume vor der Verfolgung retten konnten. Weiterlesen

Kevin Hearne: Die Chronik des Eisernen Druiden 06: Gejagt

Erinnern wir uns zurück – Loki wurde befreit und schickt sich an, das geweissagte Ragnarök durch die Ermordung von Atticus loszutreten. Die Asen sind untereinander verstritten und de facto handlungsunfähig. Einzig Atticus, der letzte Druide, pardon mittlerweile wurde ja sein Lehrmädchen Granuaile in den hehren Stand der Druiden aufgenommen, scheint die einzige Hoffnung für die Welt zu sein, da nur er sich gegen den Untergang derselbst stemmt. Allerdings und dummerweise ist er gerade mit Anderem beschäftigt. Er versucht verzweifelt zu überleben. Nun ist das für einen mehr als 2000 Jahre alten Druiden nichts wirklich Neues – wenn da nicht die Tatsache wäre, dass seine Feinde allzu viele und allzu mächtig sind.

Seitdem er Baccus, den Gott des Weines aus dem Verkehr gezogen hat, verfolgen ihn gleich zwei rachsüchtige Göttinnen im Auftrag sowohl des Olymp als auch der römischen Götter. Da sämtliche Tore zu anderen Ebenen von den griechisch-römischen Göttern blockiert wurden bedeutet dies für ihn, seine Mitdruidin und den Wolfshund Oberon sich auf Schusters Rappen aus der Bredouille zu entfernen – und das möglichst geschwinden Schrittes. So fliehen sie in ihren Tierkörpern und mit Hilfe der Kräfte, die ihnen Gaia spendet quer durch Europa. Weiterlesen

Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind

Toni Morrison, 86jährige Literaturnobel- und Pulitzerpreisträgerin, beschäftigt sich in ihren Werken mit Rassendiskriminierungen und Rassenkonflikten in den USA. Sie ist nicht nur dort, sondern auch  international die Stimme afroamerikanischer Literatur. Und diesem Ruf wird sie nun wieder mit ihrer 2015 unter dem Originaltitel erschienenen Novelle „God Help the Child“ gerecht. Jetzt liegt das Buch in einer Übersetzung von Thomas Piltz unter dem Titel „Gott, hilf dem Kind“ bei Rowohlt auf Deutsch vor.

Da bekommt die sehr hellhäutige Sweetness Bridewell in den 1990er Jahren ein teerschwarzes Baby, das sie Lula Ann nennt, und dessen Vater Louis die kleine Familie umgehend verlässt, weil er annimmt, das Kind sei nicht von ihm. Weiterlesen

Ursula Poznanski: Schatten

Irgendwie scheint dies wohl das Jahr zu werden, in dem alle bekannten Kommissare tief in ihre eigene Vergangenheit eintauchen. So auch Beatrice Kaspary, die bei ihrem neuen Mordfall mit dem Grund konfrontiert wird, aus dem sie einmal zur Polizei gegangen ist. Während ihres Studiums ist ihre Mitbewohnerin brutal ermordet worden, der Täter wurde nie gefasst. Jetzt wurde ein Mann in seiner Wohnung brutal hingerichtet und es finden sich Hinweise darauf, dass er der Täter gewesen sein könnte. Aber er bleibt nicht das letzte Opfer und bei jedem neuen Opfer finden sich Hinweise auf das vorherige. Eine Linie zieht sich durch die Morde und sie zeigt direkt auf Beatrice. Weiterlesen

Jennifer Haigh: Licht und Glut

Die Energie-Industrie entdeckt einen kleinen heruntergekommenen Ort namens Bakerton in Pennsylvania für ihre Zwecke und macht den ortsansässigen Grundstückseigentümern verlockende Pachtangebote.

Das Städtchen hat den Niedergang von Kohle und Stahl nicht gut verkraftet, und so können die meisten Menschen, die dort leben, das Geld gut gebrauchen.

Doch „Licht und Glut“ ist weit davon entfernt, ausschließlich ein umweltpolitischer Roman zu sein. Schön ist vor allem, wie psychologisch genau die so unterschiedlichen Figuren in diesem Buch gezeichnet sind. Da ist Gefängniswärter Rich mit psychisch labiler Ehefrau und drogenabhängigem Bruder, da ist Pastorin Jess, die sich auf eine Affäre mit einem verheirateten Mitarbeiter einer der Erdgasfirmen einlässt, Weiterlesen