Fenja Lüders: Speicherstadt-Saga 01: Der Duft der weiten Welt

„Der Duft der weiten Welt“ ist der erste von drei Bänden aus der „Speicherstadt-Saga“-Trilogie. Zu Beginn wird die Protagonistin Mina in ihrer Jugend vorgestellt. Sie lebt 1912 in Hamburg und träumt davon, zu studieren, vielleicht Medizin. Doch ihr Vater hat andere Ideen für die junge Frau und möchte sie in ein Pensionat schicken, damit sie alle wichtigen Fertigkeiten für die Ehe und ein Leben in der Gesellschaft lernt. Als ihr Kumpel Edo, der ebenfalls im Kaffeekontor des Vaters arbeitet, ihr auch noch schöne Augen macht und mit Mina nach Amerika auswandern möchte, ist das Chaos perfekt. Doch ein Schicksalsschlag bestimmt schließlich Minas Lebensweg maßgeblich.

Anfangs konnte mich „Der Duft der weiten Welt“ nicht wirklich packen. Mina wird wie eine kleine Art Rebellin vorgestellt. Sie setzt sich über die Anweisungen ihrer Großmutter hinweg, hat als Halbwaise keine Mutter mehr und ist einfach nur gegen alles, was für sie vorgesehen ist. Wo das enden wird, ist vorhersehbar. Am Ende erfindet Fenja Lüders, die in Friesland aufwuchs, das Rad tatsächlich nicht neu, „Der Duft der Welt“ wird aber noch überraschend gut. Am Anfang sollte man sich nicht täuschen lassen von der Story, die auf ein bestimmtes Ziel zusteuert. Denn dort kommt Mina beileibe niemals an. Ein Schicksalsschlag in der Familie sieht etwas anderes für sie vor und die Autorin überrascht ihre Leserinnen zumindest ein klein wenig. Weiterlesen

André Wiersig & Erik Eggers: Nachts allein im Ozean

„… Wenn man allein schwimmt, gibt es niemanden, dem man das alles erzählen könnte.“ (S. 32) André Wiersig war als Soloschwimmer unterwegs, um die berühmt-berüchtigten Oceans’s Seven zu durchqueren. Er schaffte alle beim ersten Versuch unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen. Der ehemalige Leistungsschwimmer und Ironman begann – sportlich gesehen – im ruhigen Fahrwasser. Im Februar 2011 wollte er in einer Bucht auf Ibiza zu einer 400 Meter entfernten Boje schwimmen und scheiterte an dem 14 Grad warmen Wasser. Dies wurmte ihn so sehr, dass er seinen Körper auf Kälte zu trainierte. Ein Jahr später schaffte er die Strecke.

Wie so oft kommt eines zum anderen. Bei André Wiersig war es der unbescheidene Wunsch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Die Distanz von mehr als 33 Kilometern verlangt von jedem Schwimmer aufgrund der niedrigen Wassertemperatur, der Strömung und dem regen Schiffsverkehr maximalen Krafteinsatz. Die Quote unter den Männern, das Ziel nicht zu schaffen, soll bei 5:1 liegen. Weiterlesen

Martina Kempff: Messer, Gabel, Kehr und Mord

Die Eifel ist ganz offensichtlich ein ziemlich gefährliches Pflaster. Oder besser Waldboden. Wenn man es an den vielen Krimis misst, die in der Eifel angesiedelt sind. Als Tatort scheint sich die Region bestens zu eignen.

Martina Kempff legt mit diesem Buch ihren zehnten Eifelkrimi um die Hobbygastwirtin und Hobbyermittlerin Katja Klein vor. Für mich war es der erste Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Und ein bisschen war es, wie wenn man auf einer Party der einzige Gast ist, der niemanden der Anwesenden kennt, während alle anderen schon lange sehr gute Bekannte sind.

Katja Klein führt mit Unterstützung von einigen Mitarbeitern, die auch ihre Freunde sind, in dem winzigen Örtchen Kehr ihre Gaststätte. Diese liegt exakt an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien an einer Bundesstraße. Die Wirtschaft liegt auf der deutschen, Katjas Wohnhaus auf der belgischen Seite der Straße.

An einem heißen Sommerabend sitzen Katja und ihre Freunde vor der Gaststätte, als ein Auto vor ihnen scharf bremst.  Ein in eine Decke gewickelter Körper wird aus dem Wagen geworfen, das Auto fährt mit quietschenden Reifen weiter. Bevor die Augenzeugen irgendetwas unternehmen können, wird der Körper von einem zweiten Wagen abtransportiert. Wenig später wird einer der Wagen zerstört im Straßengraben gefunden, im Auto ein Toter. Weiterlesen

Arkady Martine: Im Herzen des Imperiums

Schon als Kind hat Mahit Dzmare in ihrer Heimat, einer großen Raumstation, das teixcalaanlische Imperium verehrt. Jahrelang hat sie jedes Gedicht, das den Zentralplaneten verließ verschlungen, begutachtet und auswendig gelernt. Sie hat sich vorbereitet, eines Tages im Auftrag der Lsel-Station ins Imperium zu reisen nicht ahnend, dass sie mit Anfang zwanzig auserwählt wird, den dortigen Botschafter zu ersetzen.

Mit dem Imago, das die implantierte, integrierte Erinnerungen ihres verstorbenen Vorgängers gespeichert hat, sollte ihr der Start und das Lavieren auf dem diplomatischen Parkett eigentlich erleichtert werden, allein, der höchst geheime neuronale Gedächtnis-Speicher fällt aus, und sie aus allen Wolken. Kaum am Herrschersitz angekommen, muss sie nicht nur erkennen, dass ihr Vorgänger Yskandr ermordet wurde, sondern, dass er auch das größte Geheimnis der Lsel-Station verraten und geheime Geschäfte mit dem Imperator gemacht hat. Mehr noch, in ihrer ersten Woche in der Hauptstadt wird sie gefangen gesetzt, manipuliert, erpresst und ist Ziel von nicht weniger als zwei fast erfolgreichen Mordanschlägen.

Als die Auseinandersetzung um die Nachfolge des sterbenden Imperators ausbricht, findet sich unsere unerfahrene Diplomatin unverhofft und fast aber nur fast ein wenig hilflos mitten im Geschehen .

Was ist das für ein Roman, der zunächst einmal ungewöhnlich daherkommt? Weiterlesen

Michael Köhlmeier: Wenn ich wir sage

Michael Köhlmeier wurde für sein literarisches Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Vor einigen Jahren erlangte er durch seine Schilderungen der antiken Sagenwelt im Fernsehen zusätzliche Bekanntheit. (bei Interesse: viele Folgen sind auf Youtube verfügbar)

In seinem nun vorliegenden Buch beschäftigt sich Köhlmeier mit der Frage nach dem ‚Wir‘. Was bedeutet es, ‚Wir‘ zu sagen? Wer sind ‚Wir‘? Und gibt es unterschiedliche Bedeutungen des ‚Wir‘ in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext?

Ein Thema, das nicht so zugänglich ist, wie es zunächst scheinen mag. Und ein Thema, mit dem sich zu beschäftigen auch gar nicht so philosophisch und realitätsfern ist, wie man zunächst vielleicht vermuten könnte. Denn der Umgang mit dem ‚Wir‘ definiert unseren Umgang mit den Menschen, die um uns herum sind. Mit unserer Familie, mit unseren Freunden und mit allen anderen Menschen, die uns alltäglich umgeben.

Gerade beim letzten Punkt wird die Aktualität und Wichtigkeit von Köhlmeiers Überlegungen deutlich. Welche Bedeutung hat das ‚Wir‘, wenn wir an das Land denken, in dem wir leben? Sind ‚Wir‘ dann alle Menschen, die in Deutschland (oder Österreich, Europa … ) leben? Ganz egal, ob sie ursprünglich in einem anderen Teil der Welt geboren wurden? Oder bezieht sich dieses ‚Wir‘ nur auf die Menschen mit der ‚richtigen‘ Nationalität? Weiterlesen

Chelsea Bobulski: Das Hotel der Erinnerung

Nell hat den Großteil ihres Lebens in Hotels verbracht, doch das Grand Winslow Hotel ist anders als alles, was sie kennt. Zum einen ist es größer, beeindruckender und teuer als alle anderen Hotels, in denen ihr Vater bisher gearbeitet hat, zum anderen scheint es aber auch ein dunkles Geheimnis zu hüten.

Kaum hat Nell die Eingangshalle betreten, hört sie Stimmen, die niemand sonst hört und hat das unerklärliche Verlangen, wegzurennen. Das Traumschloss entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Albtraum. Sie fühlt sich verfolgt und bedroht, versteckt das jedoch vor ihrem Vater, der als Manager des Hotels seinen Traum lebt.

Auf sich allein gestellt, versucht sie mit der Panik umzugehen und sich abzulenken, indem sie hilft, alte Akten des Hotels für eine Ausstellung zu sortieren. Dabei stößt sie auf Zeitungsartikel über ein Mädchen, das vor Jahren in dem Hotel starb. Ohne es wirklich zu verstehen, fühlt Nell sich mit ihr verbunden und versucht, mehr über ihr Schicksal herauszufinden.

Ihre Suche führt sie immer wieder zu dem Hotelangestellten Alec, der sie gleichermaßen abweisend wie besorgt behandelt und ihr auf eine unheimliche Art vertraut vorkommt.

Welche Antworten kann Alec ihr geben? Und warum wird Nell in ihren Träumen von einem kleinen Jungen heimgesucht, der sie vor ihrem Tod warnt? Weiterlesen

Edoardo Albinati: Ein Ehebruch

Erri und Clementina verbringen ein gemeinsames Wochenende auf einer Insel irgendwo im Mittelmeer. Sie sind verheiratet, aber nicht miteinander. Ihren Ehepartnern haben sie irgendwelche Lügengeschichten aufgetischt.

Der 1956 geborene italienische Schriftsteller Edoardo Albinati hat dem Ehebruch einen schmalen Roman gewidmet, den Verena von Koskull übersetzt hat.

Die Lust der beiden Protagonisten aufeinander ist so groß, dass sie schon übereinander herfallen, als ihr Hotelzimmer noch nicht fertig ist – im Wasser, während sie sich an einem gemieteten Motorboot festklammern. Und so geht es dann die nächsten 128 Seiten mehr oder weniger weiter. Man hat Sex miteinander. Viel Sex.

Gleichzeitig sorgen sich die beiden Liebenden, die sich erst seit drei Wochen kennen. Wie wird es nach dem Wochenende weitergehen? Sollen sie ihre Ehepartner verlassen? Weiterlesen

Valérie Perrin: Unter den hundertjährigen Linden

Eine Frau lebt auf einem Friedhof, sie ist dort Friedhofswärterin. Sie ist genügsam, schweigsam, einsam. Violette Toussaints kennt alle Gräber auf „ihrem“ Friedhof, sie besucht täglich „ihre“ Toten, sie versorgt sogar, wenn die Angehörigen verhindert sind, die Blumen auf den Gräbern. Und sie hört zu, sie hört den vielen Besuchern zu, die zu ihr kommen, mit ihr Tee trinken und ihre Geschichten erzählen.

Violette ist mittleren Alters und lebt allein, seit ihr Mann vor vielen Jahren spurlos verschwand. Er ging einfach fort und sie hat seither nie wieder von ihm gehört. Sie weint ihm keine Träne nach, er hat sie schlecht behandelt. Sie hat ihn kennengelernt, als sie noch minderjährig war. Violette wuchs in einem Waisenhaus auf und für sie war Philippe Toussaints nicht nur der Mann ihre Träume, sondern auch die Erlösung aus dem Waisenhaus. Als sie schwanger wurde, zogen sie auf ein winziges Dorf und wurden Schrankenwärter.

Und nun ist Violette Friedhofswärterin. Sie begegnet vielen Menschen, darunter auch dem Kommissar Julien Seul, dessen Mutter neben einem Mann, der auf Violettes Friedhof liegt und von dem Julien nie zuvor gehört hatte, begraben werden möchte. Im Laufe der Zeit, während Julien und Violette die Geschichte seiner Mutter in deren Tagebuch lesen, kommen die beiden sich näher. Weiterlesen

Christian von Aster: Sieben Arten Dunkelheit

Krigk ist der Schüler des dahinscheidenden Nachtzähmers, die die Dunkelheit in Schach hält. In Kürze soll Krigk selbst diesen Job übernehmen. Doch er scheitert schon früh in seiner Ausbildung und ausgerechnet seine jüngere Schwester R’hee rettet ihn – ein Mädchen! Ausgerechnet. Doch dann will der Nachtzähmer die beiden dennoch auf eine gefährliche Mission schicken, die sie nur gemeinsam schaffen können.

Auch David hat es in seinem Leben nicht leicht. Er ist 15 Jahre alt und wird von seinen Mitschülern gehänselt, weil er die Dunkelheit fürchtet. Als die blinde Ayumi in seine Klasse kommt, wendet sich da Blatt allerdings. Wie schrecklich muss es sein, jeden Tag in Dunkelheit zu verbringen? Doch David schöpft Hoffnung, als Ayumi ihm ein kleines Fläschchen gibt, welches er in der Not öffnen soll. Der Zauber ist gewaltig und setzt seine Widersacher schachmatt. David muss unbedingt mehr über die Dunkelheit erfahren.

Christian von Aster ist eine Geschichte über die Dunkelheit und all die Wesen in ihr gelungen. Sie wird in Schach gehalten von drei Personen, die alle Geheimnisse der Dunkelheit kennen und die darin gesprochene Sprache namens Nächtisch beherrschen. Weiterlesen

Martha Wells: Tagebuch eines Killerbots

Ich bin kein Kampfbot, ich bin Security. Dass ich mein Chefmodul gehackt habe, wusste niemand. Ich wollte nicht noch einmal gezwungen werden Menschen, die ich eigentlich beschützen sollte, umzubringen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Vor einiger Zeit habe ich, eine einzelne SecUnit, 57 Menschen und Augmentierte umgebracht. Warum und wo, das weiß ich nicht mehr. Schließlich hat man meine Erinnerungen geschreddert, doch dass ich ein Mörder bin, das weiß ich ganz genau.

Mein erster Einsatz, nachdem ich mein Chefmodul gehackt und so einen freien Willen bekommen habe, führt mich als Security auf einen urweltlichen Planeten. Ich soll meine Auftraggeber schützen – vor der unbekannten Flora und Fauna, mehr noch aber, vor ihren Mitmenschen, die bereits eine andere Expedition gekillt haben. Es geht um Überbleibsel verschollener Alien-Zivilisationen. Wie sie wissen stehen diese unter einem besonderen Schutz. Wenn also bekannt wird, dass hier Relikte liegen, ist der Bergung und Verkauf ausgeschlossen – das ist gewissen Kreisen schon ein paar Morde wert .

Kaum habe ich meine Aufgabe erfüllt, und dabei überraschend meine Freiheit bekommen, mache ich mich auf zu der Stelle, an der ich einst gewütet und gemordet haben soll. Ich muss wissen, was damals geschah. Dass ich dabei angeheuert werde, eine Forschergruppe, die um die Ergebnisse ihrer Arbeit gebracht wurden zu schützen, erweist sich als diffizil, will der Dieb doch endgültige Fakten schaffen. So nebenbei kann ich endlich meine persönliche Historie klären. Weiterlesen