Michael Templar: Die Sternen-Saga 02: Orion: Die Jäger des Schicksals

Die Welt wird untergehen. So zumindest die Weissagungen der Kassandren, die diesen Untergang schon vor Jahrtausenden prophezeiten. Nur eine Person kann das Armageddon vielleicht aufhalten – eine junge Prophetin, die vom Schicksal bereits arg gebeutelt wurde. Zwei Geheimgesellschaften stehen sich hierbei feindlich gegenüber. Die Gilde der Anhänger Eris, die sich vom Untergang die Weltherrschaft versprechen, und der Orden des Orphischem Mysterium, der sich dem Untergang entgegenstemmt. Die Seherin Idris Kahlis hat bereits vor Jahrhunderten geweissagt, dass nur Natalie das Verhängnis aufhalten kann. Ihr Vater vegetiert, seit die Anhänger Eris ihn ungeschützt gezwungen haben in den Aether zu blicken, im Irrenhaus vor sich hin, ihre Mutter ist vor den Schergen Eris geflohen.

Die alte Weissagung und ihre eigenen Fähigkeiten als Seherin führen Natalie auf die Spur von drei antiken Omentexte. Bei jedem Untergang einer Hochkultur sollen in diesen Hinweise auf die letztendliche Rettung verborgen sein. Natalie und Giles machen sich, entgegen den Anweisungen des Mysteriums auf, die Texte zu suchen und zu sichern – immer verfolgt von den Agenten Eris und in Versuchung geführt, weit tiefer in den Aether vorzudringen als ratsam . Weiterlesen

Barbara Pym: Vortreffliche Frauen (1952)

London nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mildred Lathbury ist eine Pfarrerstochter über Dreißig. Anders ausgedrückt: eine alte Jungfer! Zudem ist sie eine „vortreffliche“ Frau – fleißig, bescheiden, anspruchslos, stets um das Wohlergehen anderer bemüht. Sie lebt in einer kleinen Wohnung, arbeitet halbtags für eine Organisation, die sich um verarmte Witwen kümmert und bringt sich in ihrer Freizeit in der Kirchengemeinde ein. Einen Mann vermisst sie nicht, dafür hat sie gute Freunde wie den Gemeindepfarrer Julian Malory und seine Schwester Winifred.

Mit dem beschaulichen Leben ist es vorbei, als das Ehepaar Napier in Mildreds Haus einzieht. Die Anthropologin und der ehemalige Marine-Offizier führen ein exotisches Leben. Sie trinken bevorzugt Wein statt Tee und debattieren doppelzüngig über allerlei anrüchige Themen, angefangen beim Klopapier bis hin zu italienischen Mätressen. Hinzu kommen ständige Streitereien. Von dieser Welt ist Mildred ebenso fasziniert, wie überfordert. Denn schneller als ihr lieb ist, wird sie in ein Ehe-Drama hineingezogen. Zum einen harmonieren die chaotische Helena und der ordnungsliebende Rockingham im Alltag nicht besonders. Zum anderen scheint sich Helena zu ihrem Kollegen, dem Anthropologen Everand Bone, hingezogen zu fühlen. Rockingham ist hingegen ein Charmeur und Frauenheld erster Güte. Auch Mildred ist gegen diesen Charme nicht immun. Wohl wissend, dass sich dies bei einem verheirateten Mann nicht gehört. Weiterlesen

Harry Bingham: Fiona: Unten im Dunkeln

… Die Polizei hat nicht ohne Grund Vorschriften, und ich bemühe mich, sie zu befolgen. Aber die Toten sind wichtiger. Ihre Regeln sind heilig und in Ewigkeit gültig.“ (S. 85)

Fiona arbeitet bei der Polizei, obwohl sie unter dem Cotard-Syndrom leidet. In den Augen ihrer Kollegen und Vorgesetzten wirkt sie mal verschroben oder eigenwillig. Nur ihre engen Freunde sind eingeweiht und wissen die hoch intelligente junge Frau zu nehmen. Früher glaubte Fiona, trotz Puls tot zu sein. Heute spürt sie eine stärkere Nähe zu den Toten als zu den Lebenden und fühlt sich aus diesem Grund für sie verantwortlich.

Während Fiona in der Asservatenkammer aushilft, liest sie zu ihrer Erbauung in alten Akten. Ein tödlicher Sturz von den Klippen und ein Selbstmord wecken ihre Neugier. Dann kommt ein seltsamer Einbruch hinzu, bei dem der Dieb mit ungewöhnlichen Kletterkünsten das Gestohlene zurückgegeben hat. Aus unscheinbaren Verbindungen entwickelt sich allmählich ein richtig großer Fall. Ein Grund mehr für Fiona, mit vollem Einsatz die Hintermänner zu entlarven. Weiterlesen

Volker Langenbein: Totengräbers Tagebuch

Volker Langenbein, genannt Rusty, wuchs in einer Gegend auf, „in der man nicht überall spielen durfte, denn es konnte relativ schnell passieren, dass man eine Backpfeife sitzen hatte, wenn man in die ‚falsche Straße‘ kam.“ (Zitat aus Einleitung) Obwohl ihn seine Mutter liebevoll erzogen hatte, geriet er in kriminelle Kreise und er gibt unumwunden zu, dass er sich die „Leiter nach unten“ selbst gebastelt hatte. Was er trieb waren keine „Kleine-Strolche-Straftaten“ mehr. Als eine Haftstrafe im Raum stand, war ihm klar, dass er etwas ändern musste. Und er hat die Kurve gekriegt.

Nach verschiedenen Jobs landet er auf dem Friedhof – als Arbeiter in der „Gärtnertruppe“. Sein Kollege Manne begrüßt ihn locker und mit der Ansage, dass er sich keinen Stress machen soll. Und schon ist die Sache geritzt. Rusty gewöhnt sich ein und lernt schnell dazu. Laub rechnen, Hecken schneiden, Gräber gießen, zwischendrin schnell mal eine Kippe – alles kein Problem. Mit den Toten hat er nur aus der Ferne Kontakt. Sobald ein Trauerzug vorbeikommt, verschwinden die Gärtner in den Büschen.

Doch nach einem Jahr läuft sein Vertrag aus. Bei den Gärtnern ist nichts mehr frei. Aber weil sich Rusty bewährt hat, bekommt er von der Friedhofsleitung ein Angebot: Wenn er möchte, kann er bei den Totengräbern anfangen. Alles muss schnell gehen, er hat keine Bedenkzeit. Kurzentschlossen sagt er zu. „Einmal tief durchgeatmet und …A star was born! Oder: Ein Narr was born? Ich hatte keine Wahl. Also rein in den Untergrund. Rein in die Tatsache, Konfrontation Tod.“ (Zitat: Kapitel „Das erste Jahr“) Weiterlesen

Hans Fallada: Malheurgeschichten (1930)

Galgenhumor vom Feinsten: Die Kurzgeschichten und Episoden dieses Buches handeln von Menschen, die scheitern, aber trotzdem weitermachen. Irgendwie. Hans Fallada, Autor von „Kleiner Mann, was nun“, macht weder vor Gutsherren, Beamten, Nazis, Bauern, Dieben, herrenlosen Weibern oder Sturköpfen aller Art Halt. Nach dem Motto: „Wenn neunundneunzig Dinge misslungen sind, kann das hunderste doch gelingen.“ Kann… muss aber nicht!

Ein gerissener Schneidergesell versucht, in einer spiegelverkehrten „Hans im Glück“-Geschichte ein paar Bauern hereinzulegen. Junge Wandersleute ziehen einen faulen Wirt über den Tisch, ein Bettler einen abergläubischen Verkäufer. Ehelicher Zwist kann durch Kleinigkeiten wie eine offene Tür hervorgerufen werden. Eine strenggläubige Gutsherrin will die sündige Magd zur Reinheit bekehren – ein Schuss, der böse nach hinten losgeht. Fallada hat ein untrügliches Gespür für die absurden Untertöne des Alltags. Besonders deutlich kommt dies in der Geschichte „Das Groß-Stankmal“ zum Tragen. Weiterlesen

Carys Davies: WEST

Dieser kurze Roman beginnt im Jahr 1815 im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania.

Der verwitwete John Cyrus Bellman hat dort seine eigene Maultierzucht. Er verfügt über eine der Zeit angemessene mäßige Bildung und ist gerade des Schreibens und Lesens mächtig. Als er aus einer Zeitung von Knochenfunden riesiger Tiere erfährt, fasziniert ihn die Vorstellung auf solch eine Spezies treffen zu können so sehr, dass er sich gen Westen aufmacht um die Riesentiere ausfindig zu machen. Seine etwas burschikose Schwester Julie soll sich bis zu seiner Heimkehr, mit der er in ungefähr zwei Jahren rechnet, um seine zehnjährige Tochter Bess kümmern.

Zusammen mit einem jungen Indianer, der den seltsamen Namen „Alte Frau aus der Ferne“ trägt, kämpft Bellman sich auf der beschwerlichen Reise immer weiter westwärts. Aber schon bald  gestaltet sich alles anders, als Bellman es sich vorgestellt hatte. Weiterlesen

Leïla Slimani: All das zu verlieren

Wieder geht es, wie im ersten Roman von Leïla Slimani Dann schlaf auch du (für den sie den renommierten Prix Goncourt erhielt) um eine Frau, die ihr wahres Ich verheimlicht. Wieder spielt die Geschichte in Paris und wieder ist die Protagonistin Nordafrikanerin wie die Autorin selbst. Doch der Plot ist diesmal ein gänzlich anderer:

Adèle lebt mit ihrem Mann Richard, einem Arzt und dem kleinen Sohn Lucien im 18. Arrondissement in Paris. Sie selbst arbeitet als Journalistin bei einer Zeitung. Finanziell und gesellschaftlich betrachtet mangelt es ihr an nichts. Doch dieses Leben, von dem andere Frauen träumen, genügt Adèle nicht. Sie empfindet kein Glück, keine Erfüllung. Alles kommt ihr zu klein, zu spießig und inhaltlich leer vor. Geheiratet hat sie letztlich nur, um wie andere Frauen zu sein. Aber sie kann nicht wie andere Frauen sein. Auch den kleinen Lucien empfindet sie eher als eine Last. Während Richard im Krankenhaus oft noch Überstunden ableistet, gibt Adèle ihrer Obsession nach. Ständig sucht sie andere, manchmal ganz fremde Männer auf und sucht ihr Glück in zügellosem Sex. Weiterlesen

Ronald H. Balson: Hannah und ihre Brüder

Als ihr Kumpel Liam die Anwältin Catherine bittet, sich einen Fall anzuhören, ist sie alles andere als begeistert. Catherine hat in ihrem Job auch so schon genug um die Ohren, da braucht sie keine zusätzliche Arbeit. Bei einer Operngala hat der 83-jährige Ben Solomon einen gleichaltrigen Mann angegriffen, der in Chicago sehr angesehen ist. Ben behauptet, dass Elliot Piontek zu Zeiten des Nazi-Regimes in der SS tätig gewesen und unter dem Namen Otto Piontek bekannt gewesen sei. Dummerweise tat er dies, während er dem ahnungslosen Mann eine Waffe an den Kopf hielt. Liam möchte wissen, was hinter der Geschichte steckt, Catherine eher nicht. Aber sie hört Bens Worte an und taucht in die Geschichte ein, die 1933 ihren Anfang in Polen nahm.

Ich wünschte, ich hätte auch wie Catherine in die Geschichte eintauchen können. Aber das war einfach nicht möglich. Die Haupthandlung ist im Jahr 2004 in Chicago angesiedelt und ist selbst dort wenig interessant. Die Figuren bleiben allesamt sehr blass und farblos, ich konnte mit keiner von ihnen so recht etwas anfangen. Dann gibt es den zweiten Handlungsstrang, der meist in Polen ab dem Jahr 1933 stattfindet. Weiterlesen

Timo Leibig: Nanos – Sie kämpfen für die Freiheit

Deutschland, 2029: Die Bevölkerung des Landes ist dem Kanzler Kehlis hörig. Über die Nahrung und das Wasser schleust dieser Nanopartikel in die Menschen, die ihm dadurch alles glauben und ihn unterstützen. Doch es gibt einige wenige Menschen, die gegen die Nanopartikel immun sind und sich ihm teilweise widersetzen. Zu ihnen gehört auch der im letzten Band, „Sie bestimmen, was du denkst“, aus der Haft entkommene Malek Wutkowski. Hatte er sich erst noch den Rebellen angeschlossen, die einen Widerstand zu formieren begannen, ist er jetzt auf eigene Faust unterwegs. Er möchte seinen Bruder Dominik aus den Fängen des Kanzlers befreien. Denn dieser ist kein geringerer als eine der einflussreichsten Konfessoren, die dazu dienen, Widerständler auszuschalten.  Und Malek weiß auch schon, wer ihm dabei helfen wird, Dominik zu befreien.

Zum Wiedereinstieg bietet der Roman ein kleines Kapitel, in dem die Ereignisse des ersten Bandes gut zusammengefasst werden. So hat man auch einen guten Leseeinstieg, wenn der erste Band schon etwas zurückliegen sollte.  Es sei aber dennoch niemandem empfohlen, gleich in diesem zweiten Band zu starten. Wer die Reihe anfangen möchte, sollte auch vorne beginnen. Das erste Kapitel kann das Lesen des ersten Bandes keinesfalls ersetzen. Weiterlesen

Pia O‘Connell: Ein irischer Todesfall

Im Juni 1994 folgt Elli O’Shea ihrem Mann Sean in seine Heimat Irland, im Schlepptau den vierjährigen Sohn Patrick, Neugier und Abenteuerlust, aber auch ein bisschen Wehmut. Die junge Familie kommt vorübergehend in der Kleinstadt Carlow unter, wo auch Seans Eltern und große Teile seiner Verwandtschaft leben.

Elli hatte noch kaum Gelegenheit, sich an das wechselhafte Wetter und die Retro-Einrichtung ihres möblierten Häuschens zu gewöhnen, als überraschend Seans Onkel Jim stirbt. Das Herz des wohlhabenden Wurst- und Pastetenfabrikanten war einfach stehengeblieben. Der Arzt kann keine Fremdeinwirkung feststellen, aber so genau hat er wohl auch nicht hingeschaut.

Die Beerdigung bietet Elli die Gelegenheit, Schwager und Schwägerinnen, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen in Augenschein zu nehmen. Besonders fällt ihr Michelle auf, Onkel Jims zweite Ehefrau, eine hübsche Blondine, die so gar nicht zu ihm gepasst hat, wenn man den Gerüchten glauben darf. Die meisten waren sich schon bei der Hochzeit einig gewesen: Michelle ist nur hinter Jims Geld her. „Warum sonst sollte sich so eine attraktive Frau mit so einem alten Dackel einlassen?“ Weiterlesen