Davide Morosinotto: Verloren in Eis und Schnee, gelesen von N. Artajo u.a.

Russland, 1941: Die Zwillinge Viktor und Nadja Danilow sind 13 Jahre alt, als der Krieg ihre Heimatstadt Leningrad erreicht. Denn von 1941 bis 1944 war Leningrad von den Deutschen belagert. Während der Vater der beiden Jugendlichen an die Front muss und die Mutter zu Hause helfen soll, werden die Zwillinge mit einem Zug aufs Land verschickt. Doch bereits an diesem Punkt ihrer Reise werden Viktor und Nadja voneinander getrennt. In Notizbüchern schreiben sie ihre Erlebnisse nieder und ihren Weg zurück zueinander. Viktor muss glauben, dass Nadja in ihrem Zug nahe Leningrad umgekommen ist, da dieser völlig ausbrannte. Aber er ist überzeugt, dass er es gespürt hätte, wenn Nadja gestorben wäre. Deshalb glaubt er der Zeitung nicht und setzt alles daran, Nadja zu finden.

Das Hörbuch wird durch drei Sprecher gestaltet. Reinhard Kuhnert liest einen Inspektor, der 1946 die Tagebücher der Geschwister vorgelegt bekommt, um herauszufinden, welche verfolgbaren Straftaten sie beinhalten. Weiterlesen

Jennifer Estep: Elemental Assassin 10: Spinnenzeit

Mittlerweile kennen wir Gin Blanco, die unter dem Namen „die Spinne“ als Auftragskillerin gearbeitet hat, hinlänglich. Ihre Kämpfe, in denen sie sich immer aktiv auf die Seite der Unterdrückten stellt, ihre, nun nennen wir sie verzwickten emotionalen Achterbahnfahrten und ihre guten Freunde sind uns ans Herz gewachsen.

Wie aber kam es dazu, dass ein Mädchen zur Mörderin ausgebildet wurde? Diese Frage wurde uns von der Autorin bereits vor ein paar Bänden hinreichend detailliert erläutert. Die Folterung und Ermordung ihrer Familie durch die Feuermagierin Mab, ihre später aber entschlossene Rache für dieses Unrecht, das sie hilflos mit ansehen musste, war einer der Höhepunkte der Serie. Dennoch entschloss sich Estep vorliegend noch einmal in die Jugend von Gin zurückzukehren, und uns von ihrem ersten Auftragsmord zu berichten.

Auf der Bühne finden sich denn neben ihren Ziehbruder Finn auch ihre Adoptivvater Fletcher, der junge Owen taucht ebenso auf, wie die Vampirin Roslyn. Und es kommt, wie es kommen muss – die junge, naive Gin verliebt sich in den falschen Mann und muss schauen, wie sie ihr gebrochenes Herz überlebt, lässt ihr Lover doch ein marmorenes Mausoleum über ihr zusammenbrechen und hält auch sonst so einige unliebsame Überraschungen für sie parat … Weiterlesen

Aslı Erdoğan – Die Stadt mit der roten Pelerine (1998)

Ist ein Roman nur ein Roman? Muss das darin Erzählte echt und wahr sein?

Nach einer Autorenlesung ist häufig Zeit für ein Gespräch und Fragen. Abgesehen von der Stille zu Beginn, stellt häufig jemand aus dem Publikum die Frage nach dem biografischen Hintergrund? Ist es wahr, dass Protagonist und Autor im Grunde genommen eine Person sind, haben beide das Gleiche erlebt?

Im Roman reist Özgür, eine junge Türkin, allein nach Rio, um dort nur mit einem Koffer einen Neuanfang zu wagen. Leider will sie kaum jemand als Englischlehrerin engagieren. Die wenigen, die zusagen, haben eine völlig andere Vorstellung von Unterrichtsgestaltung oder verweigern einfach das vereinbarte Honorar. Sehr schnell verarmt Özgür. Mit der Zeit lernt sie das andere Gesicht von Rio kennen, ein Gesicht, das auf keiner Postkarte, keinem Plakat gut aussehen würde. Die Stadt der Ausschweifungen bietet dem nach seinem Glück Suchenden eher Drogen als ein Stück Brot. Hunger, Durst und Hitze machen aus der Hochburg des Karnevals und der Samba einen Dschungel, in dem man sich nur verlieren kann.

Rio ist für die Erzählerin die Stadt mit der roten Pelerine. Ein Schutzumhang in dieser Farbe kann sowohl für Liebe als auch Blut stehen. Denn beides passiert in Rio ständig. Menschen verlieren sich in der körperlichen Liebe oder geraten in die Schusslinie verschiedener Bandenkämpfe. Weiterlesen

Douglas E. Richards: Split Second – Zurück in der Zeit

Jennas Leben läuft perfekt, deshalb ist es kaum rational erklärbar, warum sie auf einmal mit einem gefesselten Mann im Kofferraum und einer Waffe im Hosenbund unterwegs ist. Noch vor wenigen Stunden war sie die Verlobte von Nate Wexler, einem bekannten Physiker. An diesem Abend eröffnete er ihr bei Kerzenschein und Weingläsern, dass ihm eine bahnbrechende Entdeckung gelungen sein, die die Grenzen der Physik auf den Kopf stellen wird. Dann ging alles ganz schnell: Fremde Männer stürmten ins beschauliche Wohnzimmer, nahmen alles mit, was sie kriegen konnten und entführten schließlich Jenna und Nate. Nun ist Nate tot und Jenna weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Sie wendet sich verzweifelt an einen Privatdetektiv.

Nate hat eine Möglichkeit gefunden, nur für einen Sekundenbruchteil in der Zeit zurückzureisen. Aber „Split Second – Zurück in der Zeit“ ist nichts für Fans von Zeitreisenromanen. Denn genau das will der Roman gar nicht sein. Besser beschreiben ließe er sich als Actionthriller mit wenig Augenmerk auf die Figuren, mehr Interesse an einer rasanten Handlung. Weiterlesen

Petra Ivanov: Alte Feinde

Echten Krimifans ist Petra Ivanov vermutlich ohnehin ein Begriff. Für alle, die die Autorin noch nicht kennen sollten, empfiehlt es sich, einen Blick in ihr neuestes Buch zu werfen: ‚Alte Feinde‘. In seinem bereits achten Fall ist das Ermittlerduo Regina Flint und Bruno Cavalli diesmal in den USA unterwegs.

Worum geht es genau? Der Ermittler Bruno Cavalli ist bereits seit einigen Monaten Undercover in den USA. Er ist dort auf der Suche nach einem Blasrohrmörder. Allerdings handelt es sich dabei um keine normale Verbrecherjagd. Denn Cavalli muss erkennen, dass sowohl er als auch seine Familie in Fokus des Mörders zu stehen scheinen. Sowohl seine indianische Mutter und Großmutter, als auch seine in der Schweiz lebende Partnerin Regina und ihre gemeinsame Tochter Lily schweben in Lebensgefahr.

Von all dem ahnt Regina Flint nichts. Sie ist in ihrer Funktion als Staatsanwältin selbst mit einem Fall befasst, bei dem ein Mann in Zürich mit einem alten Revolver ermordet wurde. Als sich jedoch herausstellt, dass es sich um eine Waffe aus dem amerikanischen Bürgerkrieg handelt und der Ermordete ein Nachfahre von Henry Wirtz, einer zwiespältigen Figur dieses Krieges, war, scheint immer darauf hinzudeuten, dass die Lösung auch dieses Mordfalls in den USA zu suchen ist. Weiterlesen

Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Regionalkrimis sind hip, Gerichtsmediziner sind hip, fesche Derndl (= junge Frau, Geliebte, nicht zu verwechseln mit dem Dirndl!) sowieso: Warum also nicht alles kombinieren? Mit „Gschlamperte Verhältnisse“ – auf hochdeutsch: unordentliche oder gar anstößige Verhältnisse – legt das sich hinter dem Pseudonym Felicitas Gruber befindliche Schriftstellerinnenduo Brigitte Riebe und Gesine Hirsch bereits den fünften Band ihrer Reihe rund um die Münchener Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth vor. Unter dem Motto „In Giesing dahoam, am Seziertisch zuhause“ folgt diese Krimireihe ihrem ganz eigenen Tempo. Denn bei aller Leichenschau kommen die bayerische Gemütlichkeit, die Männerprobleme einer drallen Single-Münchnerin sowie der alte Konflikt zwischen Nord- und Süddeutschen nicht zu kurz. Statt auf Suspense wird hier in erster Linie der Humor bedient. Was nicht heißen soll, dass es die Fälle der Münchener nicht in sich haben.

Im katholischen Bayern werden Reliquien gestohlen. Darunter befinden sich drei auf heilig getrimmte Schädel, die in Wirklichkeit drei ermordeten Frauen gehören. Dies bildet den Ausgangspunkt des neuesten Falles von Sofie. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, dem Hauptkommissar Joe Lederer, muss sie herausfinden, wer diese Frauen waren und ob hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Weiterlesen

Nadine Sieger: Coco Chanel

Als Gabrielle Chanel 1883 im Armenhaus von Saumur geboren wird, tragen die Damen noch Korsett und können sich kaum alleine anziehen. Bei ihrem Tod 1971 in Paris ist in der Mode alles möglich. Als Coco Chanel – eine der berühmtesten Modeschöpferinnen – hat sie dazu beigetragen und das Leben unzähliger Frauen beeinflusst. „Unnötigen Prunk und sinnlosen Schnickschnack“ lehnt sie vehement ab. Frauen sollen sich frei bewegen können, unabhängig und selbstbewusst auftreten. Wie sie selbst.

Mit Anfang 20 trägt sie am liebsten Männerkleider. Bequem soll es sein, aber mit Stil. Denn „Mode ist vergänglich, Stil niemals“. Doch nichts wurde ihr in die Wiege gelegt. Mit elf Jahren, nach dem Tod ihrer Mutter, gab sie der Vater im nächstgelegenen Waisenhaus ab. Als Schausteller und Luftikus hatte er weder Zeit noch Lust, sich um seine fünf Kinder zu kümmern. Als junges Mädchen träumt Gabrielle davon, Sängerin zu werden. Doch sie muss sich eingestehen, dass ihr Talent nicht reicht. Zwei Männer werden zu ihren ersten Förderern: Étienne Balsan, ein reicher Offizier und Lebemann, der sie (als eine seiner Mätressen) für einige Jahre auf seinem Landsitz beherbergt, und Arthur „Boy“ Capel, die große Liebe ihres Lebens. Boy ist gebildet, attraktiv, verkehrt in besten Kreisen und lebt nicht nur von seinem Erbe, sondern verdient – was Gabrielle am meisten beeindruckt – sein eigenes Geld. Das möchte sie auch: unabhängig sein vom Wohlwollen anderer. Weiterlesen

Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen

Selten passt ein Buchtitel so gut wie diesmal: In Joshua Ferris‘ herrlicher Geschichten-Sammlung „Männer, die sich schlecht benehmen“ geht es – genau – um Männer, die allerlei dummes Zeug machen. Nicht so dumm allerdings, dass man als (männlicher) Leser nicht gelegentlich auch ein gewisses Verständnis für ihre Schrulligkeiten hätte.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Dinnerparty“, nervt ein Mann seine Frau mit allerlei Prophezeiungen, wie schrecklich das bevorstehende Abendessen mit einem befreundeten Paar doch mit Sicherheit werden würde. Natürlich kommt alles ganz anderes: Die Gäste ziehen es vor, erst gar nicht zu kommen und unser Held macht sich auf die Suche nach ihnen.

Wir treffen Männer, die von dem Wahn befallen sind, ihre Frau habe sie verlassen, auf welche, die irgendwelchen unerreichbaren Traumfrauen hinterherhecheln, und auf solche, die auf einer privaten Stadtführung durch Prag ihre ganze Oberflächlichkeit und Arroganz heraushängen lassen. Weiterlesen

C.J. Tudor: Der Kreidemann

Die Autorin C.J. Tudor legt mit „Der Kreidemann“ ihren ersten Roman vor und macht es richtig spannend. Wie man es z. B. von Stephen King kennt, geht es um eine Gruppe von Freunden, die in ihrer Kindheit eine unheimliche Begegnung haben, hier mit dem Kreidemann, und die als Erwachsene wieder zusammenfinden, um die Geschehnisse aufzuklären.

Ed Munster (Eddie), Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky sind im Jahr 1986 Freunde, die die üblichen Dinge umtreibt, die Zwölfjährige beschäftigen. Zu Beginn des Thrillers treffen sie sich, um zum Jahrmarkt zu gehen, essen Hotdogs, angeln Enten – und treffen den „bleichen Mann“ zum ersten Mal: den Kreidemann. Er bringt die Freunde auf die Idee, einander mit Kreide geheime Botschaften zu schreiben, die nur sie entziffern können. Eine altmodische Angelegenheit, die aber geheimnisvoll erscheint und Spaß bringt.

Die Geschichte geht dann rasch dramatisch weiter, die Kinder werden durch Kreide-Botschaften zu einer Leiche ohne Kopf geführt. Der Prolog verrät, dass der Mädchenkopf gestohlen und in einer Tasche, in der Kreidestummel liegen, fortgetragen wird. Die Freunde werden älter, neue Menschen treten in ihr Leben und die Ereignisse ihrer Kindheit verblassen, ihre Lebenswege trennen sich. Weiterlesen

Oliver Pötzsch: Faustus 01: Der Spielmann

Knittlingen, 1486: Der 8-jährige Johann wird von seiner Mutter liebevoll Faustus, der Glückliche, genannt. Dabei ist sein Leben alles andere als glücklich, ist er doch regelmäßig den Schikanen der anderen Kinder des Ortes und seines eigenen Vaters ausgesetzt. Doch ein Magier namens Tonio del Moravia prophezeit dem Jungen eine große Zukunft und nimmt ihn schließlich acht Jahre später bei sich auf. Doch Johann merkt schnell, dass mit Tonio etwas nicht stimmt und seine Absichten alles andere als redlich sind. Er kann fliehen und ab diesem Moment selbst entscheiden, was er mit seiner Zukunft anfangen will. Oder hat er längst einen Pakt mit dem Teufel geschlossen …?

Oliver Pötzsch wirft einen spannenden Blick auf die historische Figur des Johann Georg Faust, der etwa 1480 in Knittlingen geboren wurde und als Wunderheiler, Alchemist und Magier bekannt wurde. Er ist auch die Grundlage der beiden berühmten Tragödien Faust I und Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Ähnlich wie der große Dichter hat Pötzsch seinen Roman in zwei Teilen angelegt. Weiterlesen