Rainer Wekwerth: Beastmode 02: Gegen die Zeit

Sie wurden vom amerikanischen Präsidenten ausgesandt, als er nicht weiterwusste. Fischschwärme verschwinden spurlos, ein Tor zu einer anderen Dimension scheint sich mitten im Meer geöffnet zu haben. Der Welt droht eine Hungerkatastrophe vernichtenden Ausmaßes. Im ganzen Land suchte und fand der Geheimdienst SCF Bewohner, der anderen, der ungewöhnlichen Art. Ein am ganzen Körper tätowierter Knacki, der die Zeit anhalten kann, eine Blondine, deren Körper zur Hälfte eine Maschine ist, ein Junge, der einen unsichtbaren Schutzengel hat, eine alt-ägyptische Göttin und ein vor zwei Jahrhunderten beschworener Dämon sollen in die Blase eintauchen und das Geschehen mit allen Mitteln stoppen.

Durch das Dimensionstor gelangten die Fünf im ersten Teil tief in die Vergangenheit – und fanden sich im alten Ägypten und zur Zeit der französischen Revolution wieder. Anschließend machen sie sich nun auf in die Schweiz zur CERN-Forschungsstation, dann ins Jugendheim – zunächst einmal müssen unsere Agenten schließlich dafür sorgen, dass sie ihre besonderen Kräfte überhaupt erhalten. Dann geht es in die Zukunft – hier finden sie nicht nur den Grund für das Verschwinden der Meeresbewohner, sie stoßen auch auf eine Erde, die nicht mehr wirklich lebenswert ist …

Die fünf Jugendlichen, die die Welt retten sollen, kommen dabei weder mit sich, noch mit ihren Gefühlen klar. Animositäten, emotionale Anziehung und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt belasten sie zusätzlich. Wird es ihnen allen Widerständen zum Trotz gelingen, die Welt zu retten? Weiterlesen

Fürst Lahovary/Georges Manolescu: Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler (1905)

Anfang des vorigen Jahrhunderts war ein Mann sehr bekannt, der als Urbild des Hochstaplers gilt: Georges Manolescu, der sich zeitweise auch „Fürst Lahovary“ nannte. Sogar der große Thomas Mann hat aus diesem Fall Inspiration für seinen berühmten „Felix Krull“ gezogen.

Der Manesse-Verlag, der sich auf Klassiker spezialisiert hat, hat nun erneut die Memoiren Manolescus herausgebracht, die bereits 1905 entstanden sind. In abgehobener, manierierter Weise, wie es sich für einen Hochstapler gehört, beschreibt Manolescu frei von jeder Moral, wie er Hotelzimmer ausraubt, auf der Suche nach Frauen ist, die über genügend Geld verfügen, und generell auf großem Fuße lebt, um seine Umwelt zu beeindrucken. Unglücklicherweise (aus seiner Sicht) bezahlt er diesen Lebensstil mit längeren Aufenthalten in Gefängnissen und sogar in der Irrenanstalt. Doch auch dort verliert er nicht die Fasson. Weiterlesen

Maximilian Rosar: Die Stille der Toten

Maximilian Rosar ist Professor für Betriebswirtschaft und lebt mit seiner Familie in Trier. Unter dem Pseudonym Paul Walz veröffentlichte Rosar bereits vier Kriminalromane und verschiedene Kurzgeschichten. „Die Stille der Toten“ ist der erste Roman in der Reihe um Hauptkommissar Preusser.

Wie es sich für einen Kriminalroman gehört, beginnt die Geschichte mit einem Toten (unnötigerweise in einen Prolog verpackt). Es handelt sich dabei um einen amerikanischen Reporter jüdischer Herkunft. Für Brisanz sorgt dabei, dass sich der Mord in Frankfurt am Main im Jahr 1967 ereignet, just während der Auschwitz-Prozesse.

Es ist eine Zeit, in der die Verbrechen des Nazi-Regimes noch nicht vollständig aufgeklärt und gesühnt sind. In der die erste Nachkriegs-Generation aus dem Ewig-Gestrigen und Obrigkeits-Hörigem ausbricht und sich ein gesellschaftlicher Umbruch abzeichnet.

Exemplarisch vollziehen sich diese Veränderungen ausgerechnet in Preussers Familie. Seine Frau Helga zeigt plötzlich den Wunsch, die Fahrerlaubnis zu erwerben. Dazu benötigt sie tatsächlich das schriftliche Einverständnis ihres Ehegatten. Elke, die Tochter, beteiligt sich lautstark an den Protesten gegen die anerzogenen Prinzipien ihrer Eltern. Und Preusser selbst sieht sich gezwungen, seine ganz persönliche Vergangenheit aus dem Zweiten Weltkrieg aufarbeiten zu müssen. Weiterlesen

Ralf Rothmann: Hotel der Schlaflosen

Die Figuren in Ralf Rothmanns neuem Erzählband sind stark problembehaftet. Neben Verflechtungen mit der Vergangenheit und inneren Unsicherheiten spielt vor allem die Angst eine zentrale Rolle in den elf Geschichten.

In der ersten Geschichte Wir im Schilf ist eine Geigerin die Hauptfigur. Kurz vor ihrem anstehenden Konzert trifft sie eine unerwartete, endgültige Entscheidung.

Die Buchtitel gebende zweite Geschichte, Hotel der Schlaflosen, ist nichts für zarte Gemüter. Erzählt wird von der Konversation des Gefangenen Isaak Babel, einem jüdischen Schriftsteller, der auf seine Erschießung wartet, mit seinem Peiniger und Vollstrecker Wassili Blochin. Der Text ist ein albtraumhaftes, ergreifendes Szenario mit allem erdenklich geschilderten menschlichen Leid der einen und eisigkalter Übermacht der anderen Figur: Die linke Hand, an der drei Fingernägel fehlten…. Spitz die Nase, bleich das stoppelige Gesicht mit den gelbgrünen Flecken über dem Jochbein und dem geronnenen Blut im Ohr… (eBook S. 28).

In der Erzählung Das Sternbild der Idioten lesen wir von der Tragödie eines Filmkomparsen, an der die anderen Komparsen ungewollt beteiligt sind. Dies ist abermals ein außergewöhnlich mitleiderregendes Schicksal eines Menschen inmitten einer aberwitzigen Handlung. Weiterlesen

Kou Yoneda: Twittering Birds Never Fly 1

In Twittering Birds Never Fly von Kou Yoneda geht es um Yashiro, einen hochrangigen Yakuza. Als Vorstandsmatratze bekannt, ist er einer der Unterbosse der Organisation und gilt als ziemlich abgebrüht. Durch den sexuellen Missbrauch, den er in seiner Jugend erfahren musste, hat er sich zu einem schamlosen und devoten Perversen entwickelt.

Chikara Doumeki ist ein ehemaliger Polizist, der durch Umwegen seinen Platz an Yashiros Seite findet. Als sein neuer Bodyguard ist auch er der Laune seines Bosses ausgeliefert, doch durch seine kalte und emotionslose Art, sowie seine Impotenz, scheint ihm das nicht sonderlich viel auszumachen. Was er jedoch nicht weiß: Yashiro scheint ihn lieber zu haben als seine Kollegen…

Ich bin mir ein wenig unschlüssig was ich von diesem Manga halten soll. Die Geschichte war sehr sonderbar aufgebaut und ich muss gestehen, nicht alles genau verstanden zu haben. Der Autor schien ständig den roten Faden zu verlieren, was es schwer macht, der Story zu folgen. Alles wirkte in gewisser Weise unstrukturiert und chaotisch. Weiterlesen

Candace Bushnell & Katie Cotugno: Rules For Being A Girl

Marin ist ein ganz normales Mädchen. Sie ist 17 Jahre, geht zur Highschool, ist beliebt und hat einen Freund, der darüber hinaus auch noch im schuleigenen Lacrosseteam ist. Sie bestreitet den Schulalltag mit ihrer besten Freundin Chloe, bereitet sich darauf vor, eine Eliteuni zu besuchen und ist Mitglied der Schülerzeitung. Kurz gesagt, für sie könnte es gar nicht besser laufen.

Die Dinge ändern sich allerdings rasant, als ihr Lieblingslehrer Bex sie unter einem Vorwand zu sich nach Hause lockt und sie küsst. Plötzlich beginnt Marin zu sehen, wie ungerecht es in ihrer Schule zugeht. Mädchen werden als Schlampe beschimpft, wenn sie mehr als einen Jungen geküsst haben und die Kleiderordnung der weiblichen Schülerschaft wird aufs Schärfste im Auge behalten, während die Jungs tun und lassen können was sie wollen? Da macht sie nicht länger mit.

Mit ihrem Artikel Rules for being a girl bringt Marin die Ungerechtigkeiten ans Tageslicht. Doch was sie damit losgetreten hat, wird sie noch lange verfolgen. Die Beziehung mit ihrem Freund Jacob geht in die Brüche, ihre Freundin Chloe will nichts mehr von ihr wissen und auch die anderen Schüler beginnen zu lästern.

Als Marin den Vorfall mit Bex meldet, will ihr der Direktor nicht glauben und sie fällt bei den anderen Schülern noch weiter in Ungnade. Doch Marin wäre nicht Marin, wenn sie so leicht aufgeben würde. Zusammen mit dem Lacrossespieler Grey und dem feministischen Buchclub, in dem sich beide befinden, schafft es Marin weiter Kraft zu schöpfen. Denn das Schlimmste kommt erst noch. Weiterlesen

Elisabeth Raabe (Hrsg.): Der Literatur Kalender 2021: Momente der Hoffnung

Hoffnung – wer braucht sie nicht? Gründe, zu hoffen gibt es unzählige, „kleine“ und „große“.

Wir hoffen, dass wir und alle, die uns nahestehen, gesund bleiben oder werden und dass wir es schaffen, die Armut auf der Welt zu besiegen. Wir hoffen auf die Rettung des Klimas oder dass diese Pandemie vorübergeht. Und manchmal hoffe ich einfach nur darauf, dass das leckere Essen nicht gleich auf der Waage anschlägt.

Hoffnungen sind oft Wünsche oder Ziele. Manchmal kann man wirklich nichts weiter für die Erfüllung tun, als zu hoffen, oft kann die Hoffnung aber Motivation sein, selbst aktiv zu werden. Der Literaturkalender „Momente der Hoffnung“ versammelt Texte und Bilder aus der Weltliteratur, die sich genau diesen Themen widmen.

So schrieb die afroamerikanische Autorin Zora Neale Hurston in ihrer Autobiografie: „Mein Wunsch, wieder zur Schule zu gehen, war nie verstummt … Entschlossen ergriff ich die einzige Waffe, die ich besaß – Hoffnung –, und nahm die Beine in die Hand. Vielleicht würde von nun an alles gut werden. Vielleicht. Und so zog ich denn meine Schuhe an und machte mich auf den Weg.“ (Januar) Weiterlesen

Duden: Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache

Wie heißt das im Jahr 2004 vom Deutschen Sprachrat gekürte schönste deutsche Wort und welche schönen Wörter gelten als vom Aussterben bedroht? Auf welche Arten kann man „Konifere“ falsch schreiben? Welche Wörter sind aus dem Deutschen in andere Sprachen eingewandert und welche haben hier einen „Migrationshintergrund“? Wissen Sie, dass es im Rechtschreibduden nur fünf einsilbige deutsche Wörter gibt, die auf -nf enden, oder welche Buchstaben im Deutschen, Italienischen, Französischen, Italienischen und Spanischen am häufigsten vorkommen?

Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das kleine Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache. Denn es bleibt nicht bei der deutschen Sprache stehen, sondern macht auch Abstecher zu Nachbarn oder weiter entfernten Verwandten, zum Beispiel, wenn es darum geht, welche Sprachen von den meisten oder nur von sehr wenigen Menschen gesprochen werden.

Nebenbei wird (immer mit vielen witzigen Beispielen) erklärt, was ein Anagramm, ein Palindrom oder ein Eponym ist. Was haben der Rentner, das Regal und der Reliefpfeiler gemeinsam? Nicht nur das R am Anfang … Weiterlesen

Sorj Chalandon: Wilde Freude

Eine arrogante Prinzessin aus Saudi-Arabien geht mit ihrer unscheinbaren Assistentin bei einem Pariser Nobeljuwelier einkaufen. Draußen vor der Tür lauert eine Frau mit einer wilden Afroperücke in den Nationalfarben Serbiens und einer Hacke. Ihre Kollegin ist mit einer Spielzeugpistole bewaffnet. Die vier Frauen planen einen völlig verrückten Überfall, wollen seltene Schmuckstücke stehlen. Eine Kamikaze-Aktion. Doch die Freundinnen haben nichts mehr zu verlieren. Drei von ihnen haben Krebs, sie alle wurden von ihren Liebsten im Stich gelassen, ihnen bleibt nichts mehr außer ihrem fragilen Leben. „Wir machen gerade eine Dummheit?“, fragt die eine. Eventuell ja. Eventuell aber einen genialen Coup.

Wie es dazu kommen konnte, erzählt die Ich-Erzählerin Jeanne in folgendem Plot: Die schüchterne Buchhändlerin erhält die Diagnose Brustkrebs. Ihr Ehemann kommt mit der Situation nicht zurecht und verlässt sie. Bei der Chemotherapie lernt sie die selbstbewusste, lebensfrohe Brigitte kennen, die sich ihrer annimmt und Jeanne in ihre WG einlädt. Dort trifft sie auf die ebenfalls krebskranke, junge Mélody und Brigittes Partnerin Assia, die einzig Gesunde des Quartetts. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt sich Jeanne zu öffnen und zieht sogar bei ihren Leidensgenossinnen ein. Sie unterstützen sich gegenseitig, feiern das ihnen verbliebene Leben. Dabei erzählen sie sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten.

Der Plot darauf hin, dass der Krebs die Symptome vergangener Tragödien aufzeigt. Ob verlorene Kinder, ein Gefängnisaufenthalt oder ein Verbrechen, dass sogar mehrere Generationen zurückliegt. Die These, dass sich unbewältigte Traumata körperlich manifestieren und Krebs zur Folge haben können, ist schon länger Bestandteil des medizinischen Diskurses. Der Autor greift dies subtil auf. Fest steht jedoch wie bei jedem Katastrophenplot – die Krise bringt zum Vorschein, was unter der Oberfläche brodelt. Weiterlesen

Thilo Krause: Elbwärts

Also, ich sage es mal ganz vorsichtig: man könnte vermuten, ich hoffe, ich liege vollkommen falsch, der Autor und Ich Erzähler Thilo Krause hat oder hatte eine schwere Zeit hinter sich, so in Richtung Melancholie und Depression, und seine in Anspruch genommene psychotherapeutische Begleitung hat ihm geraten, alles mal aufzuschreiben. Da war das Ganze wohl noch nicht als Roman gedacht, aber es entpuppte sich nach und nach als Möglichkeit, sich von seinem traumatischen Ballast zu befreien. Ich meine, das Buch bei aller romantischer Naturnähe, zieht einen doch ziemlich runter.

Es ist die Geschichte zweier Jugendfreunde, die in der DDR aufgewachsen sind, und zwar in der Nähe des Elbsandsteingebirges im südlichen Sachsen an der Grenze zu Nordböhmen, also der damaligen Tschechoslowakei mit der Elbe als Grenzfluss! Diese bizarren Felsformationen waren für Vito und dem Erzähler – er bleibt immer ohne Namen – das geheimnisvolle Rückzugsgebiet. Auch von der Schule und den Jungen Pionieren, und all dem Scheiß. Hier atmeten sie tief die Freiheit ein, die Natur, die Wolken, geheimnisvolle Baumkronen und Wipfel und eben die Steine und Felsen. Sie krochen durch Spalten und Kamine und fanden Plätze und Höhlen, die vor ihnen wahrscheinlich nie jemand betreten hat.

Bei einem dieser Abenteuer gibt es beim Klettern ein Unglück und Vito verliert nach seinem Absturz ein Bein, bzw. es bleibt nur noch ein Stumpf nach verpfuschter OP. Weiterlesen