Otto Waalkes: Kleinhirn an alle, gelesen vom Autor

Nach meiner Erinnerung kam Otto in den 70gern ins deutsche Fernsehen. Meinen Eltern war er zeitweise zu modern. Ich glaube er hat meine Liebe zu Märchenadaptionen jeglicher Art zementiert. Damals war es neu, was er gemacht hat, oder zumindest in unserem kleinbürgerlichen Haushalt neu. Beim Hören seiner Biographie kommen also jede Menge alte Erinnerungen hoch. Man merkst dem Hörbuch an, dass Otto sowohl schreiben als auch entertainen kann. Das Zuhören ist ein einziger Genuss. Der – ich verspreche es – zu jeder Zeit  gefesselte Zuhörer erfährt viel über die Anfänge, über die erste Band, die meistens wichtiger war als die Schule und über die ersten Auftrittsversuche. Persönlich fand ich es auch erleuchtend, wie Otto die 60ger und 70ger Jahre wieder lebendig werden lässt, denn es kamen nicht nur Erinnerungen auf, die mit Otto unmittelbar zusammenhingen. Locker flockig von der Leber weg, wie es so seine Art ist, erzählt er – aber nicht zu intim – aus seinem Leben und Wirken und auch einiges über seine Vorbilder. Nach Ende des Hörbuchs hat man so richtig Lust auf mehr Otto.

Aber: Otto bleibt in seiner Biographie etwas oberflächlich. Da werden Anekdoten aus Filmdrehs erzählt, die wirklich Lust auf den Film machen, aber das einzige Mal, als ich wirklich den Eindruck hatte, er ist persönlich betroffen, war die Stelle über von der Presse recht frei interpretierte Fotos. Otto Waalkes ist ein Mann der Zeitgeschichte, er war nie ein politischer Komiker, aber das eine oder andere Wort über die Umbrüche, die während seines Wirkens in der Gesellschaft passiert sind, wäre meiner Ansicht nach schon nett gewesen. Ich hatte auch den Eindruck, dass er sehr genau ausgewählt hat, was er von sich preisgeben will. Das ist gut und richtig so, das Recht dazu hat jeder, es soll nur niemand erwarten, eine Biographie mit tiefen Neuerkenntnissen zu hören. Trotzdem ist es auch ein ernstes Buch, bei aller Komik. Richtig interessant fand ich die Stellen darüber, wie Komik, wie Berühmtsein, überhaupt funktioniert.

Alles in allem ein hörenswertes Hörbuch von einem Otto, wie man ihn kennt und liebt. Durchaus nicht nur für Fans geeignet und die, die keine echten, durchgängigen Fans sind, werden – so wie ich – plötzlich Lust bekommen, sich das eine oder andere Werk doch noch mal zu Gemüte zu führen.

Otto Waalkes: Kleinhirn an alle: Die große Ottobiografie – Nach einer wahren Geschichte, gelesen vom Autor.
Random House Audio, Mai 2018.
6 CDs, 6 Stunden und 12 Minuten, Gekürzte Ausgabe

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.