Oscar Hijuelos: Runaway

80923-Hijuelos-Runaway.inddHarlem in den späten 60er Jahren. Die Familie des sechzehnjährigen Rico stammt aus Kuba. Er selbst wird wegen seiner hellen Haut, den blonden Haaren und den Sommersprossen für einen weißen Amerikaner gehalten. Er ist es leid, wegen seines Aussehens von den Latinos nicht anerkannt und von den Schwarzen verprügelt zu werden. Ricos Vater vertrinkt das wenige Geld, das er verdient und seine gottesfürchtige Mutter erzieht ihn sehr streng und gesteht ihm nur wenige Freiheiten zu. Sein bester Freund Jimmy wird von seinem Vater erniedrigt und schikaniert und verfällt der Heroinsucht.

Rico schwänzt immer häufiger die Schule. Als ein Schulverweis droht, beschließt sein Vater, ihn auf eine Militärakademie zu schicken. Rico brennt zusammen mit Jimmy nach Wisconsin durch, wo ein ehemaliger Freund der beiden zusammen mit einigen Hippies auf einer Farm lebt. Die beiden erwartet harte Arbeit und wenig Komfort, doch sie genießen die Freiheit, ohne die Bevormundung der Erwachsenen ihr eigenes Leben gestalten zu können. Rico verliebt sich in Sharon, eine weiße Amerikanerin aus der Mittelschicht, die bei ihrer geschiedenen Mutter lebt und unter ihrem alkoholabhängigen Vater leidet.

Doch Rico vermisst seine Eltern und seine jüngere Schwester immer mehr und kann die Schulgefühle wegen seiner Flucht aus seinem Elternhaus nicht länger unterdrücken. Er muss eine Entscheidung treffen, in welche Welt er gehören will.

Der Autor Oscar Hijuelos wurde 1951 als Sohn kubanischer Eltern in New York geboren und studierte Literatur am New Yorker City College. Er erhielt als erster Latino-Schriftsteller für seinen Roman „Die Mambo Kings spielen Songs der Liebe“ den Pulitzerpreis. „Runaway“ ist sein erster Jugendroman und war für den deutschen Jugendliteraturpreis 2011 nominiert.

Erbarmungslos und ohne jede Beschönigung erzählt Hijuelos vom durch Rassismus geprägten Leben farbiger Jugendlicher im Amerika der 60er Jahre. Sein Protagonist Rico wird nicht nur in dem Strudel aus Kriminalität und Gewalt aufgerieben, der in seinem Viertel das alltägliche Leben bestimmt. Er fühlt sich als junger Mensch in der Pubertät hin und her gerissen zwischen den Ansprüchen seiner Eltern, die sich für ihn ein besseres Leben wünschen, als das, welches sie ihm bieten können und seiner Suche nach seinen Wurzeln und seiner Identität. Ricos großes Vorbild ist Huckleberry Finn, der für ihn das Inbild von Freiheit und Abenteuer darstellt. Durch seine Flucht nach Wisconsin eifert er seinem Vorbild nach und reift in dem Jahr, das er auf der Farm seines Freundes verbringt, zu einem verantwortungsvollen Mann heran, der erkennt, was für ihn im Leben wirklich zählt.

Jugendliche Leser werden sich in den authentischen Figuren und ihrem Ringen um den richtigen Platz im Leben mühelos wiederfinden. Hijuelos präziser und lakonischer Erzählstil trifft den Nerv seines jugendlichen Lesepublikums, ohne dass er sich sprachlich bei dieser Altersgruppe anzubiedern braucht.

Fazit: Ein starker Protagonist in einer starken Geschichte. Unbedingt lesenswert!

Oscar Hijuelos: Runaway.
Fischer, November 2011.
349 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

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