Oliver Pötzsch: Faustus 01: Der Spielmann

Knittlingen, 1486: Der 8-jährige Johann wird von seiner Mutter liebevoll Faustus, der Glückliche, genannt. Dabei ist sein Leben alles andere als glücklich, ist er doch regelmäßig den Schikanen der anderen Kinder des Ortes und seines eigenen Vaters ausgesetzt. Doch ein Magier namens Tonio del Moravia prophezeit dem Jungen eine große Zukunft und nimmt ihn schließlich acht Jahre später bei sich auf. Doch Johann merkt schnell, dass mit Tonio etwas nicht stimmt und seine Absichten alles andere als redlich sind. Er kann fliehen und ab diesem Moment selbst entscheiden, was er mit seiner Zukunft anfangen will. Oder hat er längst einen Pakt mit dem Teufel geschlossen …?

Oliver Pötzsch wirft einen spannenden Blick auf die historische Figur des Johann Georg Faust, der etwa 1480 in Knittlingen geboren wurde und als Wunderheiler, Alchemist und Magier bekannt wurde. Er ist auch die Grundlage der beiden berühmten Tragödien Faust I und Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Ähnlich wie der große Dichter hat Pötzsch seinen Roman in zwei Teilen angelegt. Der zweite und abschließende Band erscheint unter dem Titel „Der Lehrmeister“ voraussichtlich im September 2019 im List Verlag. Der vorliegende Band befasst sich mit Johanns Jugend, seiner Zeit bei dem Magier Tonio del Moravia, bei den Spielleuten und seinem allmählichen Bekanntwerden. Er wird hier begleitet bis zu einem Alter von etwa Anfang 30.

Die Geschichte ist abwechslungsreich gestaltet, da Faustus ein Leben im Wandel geführt hat, wird es auch den Lesern und Leserinnen nie langweilig. Vor allem sein vermeintlicher Pakt mit dem Teufel und seine besondere Verbindung mit Tonio del Moravia sorgen im ersten Band für interessante Stellen. Pötzsch schreibt dabei versiert und interessant, wirft auch einen Blick auf Johanns Gefühle für die Nachbarstochter Margarethe, die Johanns komplettes Leben im ersten Band immer wieder bestimmt. Er kann sich nicht von ihr losmachen, auch als sie beide schon lange nicht mehr in einem Ort leben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er sie schließlich sucht und sich Sorgen macht. Denn nach einem Vorfall in Johanns und Margarethes Jugend, bei dem auch Johanns Bruder Martin verschwand, ist die junge Frau verstummt. Weiß sie etwas über die vielen Kinder, die immer wieder in den Städten verschwinden?

Ja, man merkt schon: „Der Spielmann“ hat eine Vielzahl an spannenden Themen, die sich alle in der Figur des Johann Georg Faustus vereinen. Der Roman ist ein buntes Bild und gibt zudem noch sehr schön den historischen Kontext wieder. Obwohl er im oft in historischen Romanen thematisierten Mittelalter spielt, sucht man nach Klischees hier vergeblich. Oliver Pötzsch ist ein innovativer und interessanter Roman gelungen, bei dem einem selbst auf stolzen 784 Seiten nie langweilig wird!

Oliver Pötzsch: Faustus 01: Der Spielmann. Die Geschichte des Johann Georg Faustus.
List, September 2018.
784 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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