Nicole C. Vosseler: Die Farben der Erinnerung

Mit vier Jahren verlor Gemma ihre Eltern bei einem Brand in Italien. Seitdem lebte sie bei ihrer Großmutter in New York und dann allein. Mittlerweile ist sie Mitte 30 und ihr Leben wird täglich von vielen Kontrollzwängen beherrscht und nachts plagen sie meist Albträume. Als sie ein seltsames Schmuckstück und ein Gedicht zugesandt bekommt, ist sie ratlos. Könnten diese Dinge etwas mit den Recherchen ihres Vaters vor dreißig Jahren zu tun haben? Gemma begibt sich auf Spurensuche und lernt so in Großbritannien den ebenfalls nicht ganz gesellschaftskompatiblen Sisley kennen.

Nicole C. Vosselers neuster Roman rankt sich um ein Gemälde, dessen Ursprung und Urheber nicht ganz zuordenbar sind. „Die Dame in Grün“ wird dieses Gemälde genannt. Interessante Zusatzinformationen und ein Foto des Bildes finden sich auf dem Blog der Autorin. Die Geschichte selbst spielt auf drei Zeitebenen. Im 16. Jahrhundert bei einer wohlhabenden, aber unglücklichen jungen Frau namens Lucrezia, im 19. Jahrhundert bei der Dichterfamilie Barrett-Browning und schließlich bei Gemma im 21. Jahrhundert. Gemmas Geschichte nimmt den größten Teil der Erzählung ein, aber auch die anderen beiden Handlungsstränge sind von Bedeutung. Das Setting stimmt also.

Nur die Umsetzung bleibt deutlich hinter den anderen Romanen der Autorin zurück, die allesamt lebendig, spannend und toll erzählt sind. „Die Farben der Erinnerung“ kommt mir eher langatmig und wenig spannend vor. Die Geschichte entwickelt sich nach einem bestimmten Schema und weicht nicht von eingetretenen Pfaden ab. Alles passiert so, wie man es erwarten würde. Mich persönlich hat die Geschichte nicht erreichen können, obwohl der ihr zugrunde liegende Stoff sehr interessant ist. Man merkt noch nicht einmal etwas von der absolut exzellenten Sprachgewalt, die Vosseler sonst mitbringt.

Eher enttäuschender teils historischer Roman über eine Suche in der Vergangenheit.

Nicole C. Vosseler: Die Farben der Erinnerung.
Goldmann, Dezember 2017.
416 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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