Nicole C. Vosseler: Der englische Botaniker

China, 1843: Der schottische Botaniker Robert Fortune lässt seine Familie in der Heimat zurück, um die Pflanzenwelt des fernen Landes zu erforschen. Er will unbekannte Pflanzen katalogisieren, seltene Exemplare mit nach England bringen und vielleicht sogar Namensgeber für bisher unbekannte Exemplare werden. Dass er dafür ein ganzes Jahr von seiner Frau und den kleinen Kindern getrennt ist, muss er in Kauf nehmen. Über Briefe bleiben sie allerdings in Kontakt. Als seine Reise aufgrund der Feindlichkeit der Chinesen gegenüber Fremden ins Stocken gerät, lernt Fortune die Kämpferin Lian kennen, die ihm weiteren Zutritt zu entfernten Gärten der Chinesen verschafft. Doch zwischen den beiden ungleichen Menschen keimen noch ganz andere Dinge …

Nicole C. Vosseler hat erneut einen bisher von den historischen Romanen weitgehend unbearbeiteten Teil der Geschichte gefunden. Durch ihre tolle bildhafte Sprache gelingt es im Nu, in die Geschichte abzutauchen. Dabei bestehen die einzelnen Kapitel aus ganz unterschiedlichen Elementen. Da wären Originalaufzeichnungen aus den Notizbüchern von Robert Fortune, (fiktive) Briefe zwischen Robert und seiner Frau Jane, Kapitel aus der Sicht von Jane, Robert und Lian. Aus dieser Vielzahl von Elemten setzt sich ein lebendiges, farbenprächtiges Bild des Geschehens zusammen. Die Kapitel aus der Sicht von Lian und Jane haben mir dabei stets am besten gefallen. Robert Fortune, der immer nur als „Fortune“ bezeichnet wird, blieb mir seltsam fern, was das Leseerlebnis allerdings in keinem Maße geschmälert hat. Die Geschichte lebt in meinen Augen von den beiden Frauenfiguren, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die noch dazu tausende Kilometer trennen.

Die Geschichte macht auch dann Spaß, wenn man mit Pflanzen wenig am Hut hat, aber gerne etwas über ferne Länder und die Vergangenheit erfährt. Nicole C. Vosseler gelingt es immer – auch in diesem Roman – gut, ihre Geschichten zum Leben zu erwecken. Obwohl der Roman fast 500 Seiten stark ist, vergeht die Zeit wie im Nu und man merkt gar nicht, wie die Seiten dahinfliegen.

Im Nachwort wird knapp auf die historische Belegbarkeit und die fiktiven Teile der Geschichte eingegangen. Für meinen Geschmack hätte die Autorin hier etwas ausführlicher sein können, die wichtigsten Fakten nennt sie aber.

Ein ganz, ganz toller Roman. Vielleicht nicht der beste der Autorin, aber ein sehr guter, lesenswerter!

Nicole C. Vosseler: Der englische Botaniker.
HarperCollins, Mai 2017.
500 Seiten, Gebundene Ausgabe, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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