Nicola Yoon: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

yoonDie 18-jährige Madeline leidet an einem Immundefekt, der es ihr nicht erlaubt, die Außenwelt ungefiltert zu erleben. Und so ist sie tagein, tagaus im Haus verbarrikadiert und beobachtet die Welt nur durch die Fenster. Die einzigen Menschen, zu denen sie jemals Kontakt hat, sind ihre Mutter und ihre Krankenschwester – und selbst die müssen sich aufwendig desinfizieren, um zu Madeline zu gelangen. Als im Nebenhaus neue Nachbarn einziehen, ist Madeline fasziniert. Der gleichaltrige Olly, Sohn der vierköpfigen Familie, hat es ihr sofort angetan. Sie nimmt alles auf sich, um Kontakt zu ihm zu haben. Dafür riskiert sie sogar ihre Gesundheit und lädt den jungen Mann in ihr Haus ein, obwohl dies streng verboten ist.

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ ist einer dieser Romane, die einem im Gedächtnis bleiben. Es ist auf keinen Fall eine dieser typischen Krankheits-Liebesgeschichte, die es auf den ersten Blick zu sein scheint. Nicola Yoon ist es gelungen, etwas zu schaffen, was darüber hinausgeht. Allerdings muss man anmerken, dass die im Roman verwendete Sprache absolut plump klingt. Klar soll das Geschriebene eine Zielgruppe ab etwa 13 Jahren, vorwiegend Mädchen, ansprechen. Aber selbst die verstehen mehr als dort steht. Dieses „Sprachdefizit“ schmälert den Gesamteindruck etwas, schafft es aber dennoch nicht, die tolle Geschichte abzuwerten.

Madeline hat nur zwei Menschen, die zu ihrem Universum gehören. Das ist zum einen die Krankenschwester Carla, die die Familie täglich besucht und sich um alle gesundheitlichen Belange des Mädchens kümmert. Zum anderen Madelines Mutter, die zum Glück selbst Ärztin ist, was das lästige Kommen eines Arztes von außerhalb erspart. Durchs Fenster beobachtet Madeline Olly und seine Familie und denkt sich Geschichten aus, was zwischen den vier Personen los sein könnte. Doch irgendwann reichen ihr die Geschichten nicht mehr und sie möchte die Wahrheit wissen, warum Ollys Mutter so viel weint, warum Olly immer verschwindet und sich von seiner Familie distanziert. Da beginnt dann die eigentliche Geschichte, von der hier gar nicht so viel verraten werden soll, damit all die wundervollen Momente von „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ nicht vorweggenommen werden.

Ein toller Roman, der in Erinnerung bleibt, auch wenn er sprachlich sehr plump wirkt.

Nicola Yoon: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt.
Dressler, September 2015.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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