Nicholas Lake: Nummer 3

numAmy ist eines dieser „armen“ reichen Mädchen. Nachdem ihre psychisch erkrankte Mutter den Freitod gewählt hat, kommt sie mit dem Leben nicht mehr klar. Auch ihr Vater, ein erfolgreicher Investmentbanker, hat Probleme. Als er seinen Job verliert, beschließen er und seine neue Partnerin, Amy mit auf eine lange Reise zu nehmen. Auf der neuen Luxusyacht findet die Familie einen heilsamen Lebensrhythmus. Doch kurz nach der Durchquerung des Suezkanals wird die Yacht von somalischen Piraten geentert und alle an Bord in Geiselhaft genommen. Während die Verhandlungen Formen annehmen, verliebt sich Amy in Farouz, den jungen Dolmetscher der Piraten. Die ganze Situation droht zu eskalieren, je näher sich die beiden kommen.
Nicholas Lake hat mit seinem Roman „Nummer 3“ ein interessantes Thema aufgriffen, das unter anderen Vorzeichen vielfach in der Presse aufgegriffen wird. Meist wird von horrenden Lösegeldzahlungen berichtet, mit denen gekaperte Containerschiffe freigekauft werden. Den skrupellosen Piraten sei nur mit Waffengewalt und harten Urteilen beizukommen. Auch die Zusammenarbeit mit allen betroffenen Ländern werde immer drängender, je höher der finanzielle Schaden wachse.
Nicholas Lake zeigt in seinem Roman auch die andere Seite der Piraterie und ihre Ursachen. Detailliert und glaubwürdig beschreibt der Autor den Verlauf einer Geiselnahme, bei der Raub und Waffengewalt zum Alltag gehören. Bei heimlichen Treffen mit Farouz erfährt Amy viel über das harte Leben in Somalia. Trotz seiner privaten Nöte verspricht er Amy seinen Schutz.
Insgesamt hat Nicholas Lake einen kurzweiligen Roman über den Tod, die Brutalität im Leben und die Liebe an ungewöhnlichen Orten geschrieben. Aus allen Zutaten könnte man einen Thriller machen, in dem eine eindeutige Grenze zwischen Opfer und Täter fehlt. Entstanden ist ein psychologisch aufgebauter Roman, in dem Rückblenden und Geschichten den Personen Tiefgang geben. Einzig der dramatische Einstieg und der schnelle Show-down kurz vor dem Ende gehören zu einem nervenkitzelnden Genre. Die effektheischende Klammer hat möglicherweise verschiedene Gründe; von der Qualität des gut zu lesenden Romans könnte sie ablenken.

Nicholas Lake: Nummer 3.
ivi, September 2013.
368 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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