Naomi Novik: Das kalte Reich des Silbers

Das Leben eines Pfandleihers ist kein einfaches. Nicht nur, dass er mit geschultem Blick erkennen muss, ob und was das angebotene Stück wert ist, er muss auch die Bonität des Gläubigers einschätzen und die Schulden notfalls mit Härte eintreiben.

Mirjems Vater ist von Beruf Pfandleiher. Der Beruf selbst ist verschrien, alle schimpfen auf die gierigen Finanziers, doch wenn Not am Mann ist, geht doch ein Jeder zu ihnen hin. Ganz ungeschickt ist es, wenn der Pfandleiher dann ein zu großes Herz hat und seine Schulden nicht eintreibt. Mirjems Vater ist ein Mann mit einem Herz, was viele, zu Viele seiner Schuldner ausnützen.

Als die Familie Not leidet, als gar der Hunger Einzug hält nimmt Mirjem selbst die Sache in die Hand. Und sie kann dies weit besser, als ihr Vater. Schnell eilt ihr der Ruf einer mitleidlosen, kaltherzigen Frau voraus, doch das Familienvermögen wächst wieder, der Hunger ist kein Gast mehr unter ihrem Dach. Die Schuldner sagen ebenso ängstlich wie respektvoll, dass die junge Frau Silber in Gold verwandeln könne.

Als dies dem König des magischen Landes Staryk zu Ohren kommt, bemächtigt er sich der jungen Frau und fordert sie auf, seinen Reichtum zu mehren. Und wirklich gelingt es Marjem das Silber des Landes in Schmuckstücke zu fassen und diese für gutes Gold zu verschachern. Doch damit gerät sie nur vom Regen in die Traufe.

Naomi Novik hat sich mit den „Drachenreitern ihrer Majestät“ in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Mit der Saga um die Drachen hat sie die internationalen Bestsellerlisten gestürmt. Danach wollte sie etwas gänzlich anderes machen. Der Fantasy wollte sie treu bleiben, allein die Fokus sollte ein wenig märchenhafter ausgerichtet werden, ohne dabei zu altbacken zu wirken. Vorliegend hat sie Motive aus dem Grimm´schen Märchen um Rumpelstilzchen verwandt, hat diese in ein altes, kaltes Russland, hier Lithvas genannt versetzt, ein wenig der russischen Folklore beigemischt und dann modern aus der Sicht von drei jungen Frauen das Geschehen beleuchtet. Neben Mirjam stehen die Tochter eines Herzogs sowie ein armes Bauernmädchen im Zentrum des Geschehens. Sie alle entwickeln sich im Lauf der Handlung fort, reifen zu interessanten, mutigen Persönlichkeiten.

Der oftmalige Perspektivwechsel sorgt dafür, dass die Handlung sehr detailreich und komplex daherkommt. Dabei scheut sich die Autorin auch nicht, die herrschende Gewalt der Männer sehr deutlich und beschreiben, so dass das Buch nichts für zarte Gemüter oder zu junge Leser ist.

So führt uns Novik in ihrem neuesten Werk in ein kaltes Reich voller Gewalt, Brutalität aber auch voller Schönheit. Eine modernes Märchen, das seine Leser in seinen Zauber zieht.

Naomi Novik: Das kalte Reich des Silbers.
cbj, März 2019.
576 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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