Monika Maron: Zwischenspiel

 mon„… Eigentlich hatte ich nicht das Gefühl, dass es schon Zeit sei für ein Lebensresümee, aber an Tagen wie diesem drängten sich diese sinnlosen Fragen nach dem Woher und Warum ungebeten in meine ziellosen, noch immer von dem unheilvollen Traum befangenen Gedanken.“ (S. 17)
Ruth, die Ich-Erzählerin, etwa sechzig Jahre alt, macht sich auf den Weg, um Olgas Beerdigung zu begleiten. Der sommerliche Tag beginnt seltsam. Eine Trübung der Seekraft verändert ihre Wahrnehmung. Die Konturen der Umgebung verschwimmen, als befände sie sich in einer Zwischenwelt. Trotzdem fährt sie mit dem Auto zur Beerdigung, verirrt sich und gelangt schließlich in einen Park, der sich in der Nähe des Friedhofs befinden soll. Die Abneigung, Olgas Sohn wiedersehen zu müssen, treibt die Erzählerin durch den Park, wo sie auf einmal mit Menschen aus ihrer Vergangenheit zusammenkommt, denen sie Rechenschaft ablegen muss.
Monika Marons Roman „Zwischenspiel“ besticht durch die ihm innewohnenden Lebensweisheiten und dem Leit(d)thema „Schuld“.
Lädt der Mensch immer Schuld auf sich, egal, wie er gerade entscheidet? Steckt mehr dahinter, wenn die Religion mit ins Spiel kommt?
Die spannungsreiche Lebensgeschichte der Erzählerin wird bruchstückweise in Rückblenden offenbart und damit auch ihre Schuldgefühle, die sie bis zum heutigen Tag plagen. Hätte sie damals den Vater ihrer noch ungeborenen Tochter heiraten sollen, um gleichzeitig auch die Verantwortung für seinen behinderten Sohn aus erster Ehe mitzutragen? Oder wie wäre ihr Leben und das ihrer Tochter verlaufen, wenn sie in der DDR geblieben wären?
„Schuld bleibt immer, so oder so.“ hatte Olga immer gesagt, doch Ruth ist sich da nicht so sicher, wenn sie ihre eingeschränkten Möglichkeiten berücksichtigt.
Insgesamt beginnt der Roman unglaublich stark. Dies wird vor allem durch die Rückblenden zu Ruths Leben sichtbar. Allmählich entsteht aus den Puzzleteilen ein Bild, das nicht nur neugierig macht, sondern auch Empathie erzeugt. Im letzten Viertel verliert die klug aufgebaute Handlung etwas von ihrer Kraft, wenn die klassische Konstellation „Gut“ gegen „Böse“ aufeinandertreffen.
Lohnenswert bleibt die Lektüre mit leisen und zugleich weisen Tönen allemal.

Monika Maron: Zwischenspiel.
Fischer, Oktober 2013.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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