Mikko Rimminen: Als ich aufwachte, war es so sehr Montag, dass es wehtat

Die spinnen, die Finnen! Der verheißungsvolle Titel dieses Romanes hält, was er verspricht.  Zugedröhnte Umzugshelfer, senile Kundinnen und überdrehte Gehandicapte läuten eine Woche voller Chaostage für die Brüder Petteri und Lefa ein. So schräg wie die Geschichte, ist auch der Stil des Autors. Für Liebhaber der gewagten Sprachakrobatik.

Die ungleichen Halbbrüder Petteri und Lefa leben mehr schlecht als recht in den Tag hinein. Der eine macht sich ständig nutzlose Gedanken, der andere hat nur Bier und Drogen im Sinn. Beide lassen die Dinge gern gediegen angehen. Als sie an besagtem Montag einen Umzug organisieren sollen, haben sie mit unvorhergesehenen Problemen zu kämpfen. Allen voran mit der senilen Bewohnerin des Hauses. Dummerweise ist sie die Schwester einer berühmt-berüchtigten Persönlichkeit.

Einen Tag später sollen sie Lefas Freundin Suvi mit ihrem Transporter helfen. Suvi, die in einem Pflegeheim arbeitet, will mit einer Handvoll Patienten auf ein Behinderten-Musikfestival gehen. Doch die grölenden, ständig türmenden, orientierungslosen, liebebedürftigen, trotzigen, von Tourette-Ausbrüchen geplagten Insassen sorgen für allerlei Trubel. Wie gut, dass Suvi ihre Kollegin und Namensschwester Suvi mitgebracht hat, die sofort Peterris Interesse erweckt. Doch die schöne Pflegerin hat ebenfalls allerlei Dreck am Stecken. Am Ende befindet sich die ganze Bande auf der Flucht. Und versucht, sich vor den Konsequenzen manch unüberlegter Tat zu drücken.

Mit viel Liebe zum Detail pflanzt der Autor Mikko Rimminen selbst banalen Gegebenheiten gewagte Stil-Blüten ein. Wortneuschöpfungen und  schräge Metaphern inklusive. So liegt der Fokus hier nicht auf dem schnellen Voranschreiten des Plots, sondern auf der verrückten Sprache. Wer eine klare, konzentrierte Schreibe bevorzugt, dürfte an den 224 Seiten zu knabbern haben. Alle anderen werden sich köstlich amüsieren und sich dem gechillten Lesevergnügen ohne Hast hingeben.

Fazit: Der ideale Einstieg in die Woche. So sehr sich Montagsmuffel auch über ihren „Lieblingstag“ ärgern mögen, nach dieser wahnwitzigen Lektüre steht fest: Es hätte alles viel schlimmer kommen können. Oder in den Worten Peterris ausgedrückt:

„Die Neuigkeit war derart kälteschauererregend, das man sie innerlich zu einer gallensteinartigen Verdichtung zusammenknautschen musste.“

Mikko Rimminen: Als ich aufwachte, war es so sehr Montag, dass es wehtat.
dtv, Januar 2017.
224 Seiten, Taschenbuch, 15,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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