Mieko Kawakami: Heaven

Die japanische Sängerin und Schriftstellerin Mieko Kawakami, geboren 1976, ist einer breiteren deutschen Leserschaft durch ihren 2020 erschienenen Roman „Brüste und Eier“ bekannt geworden, in dem sie sich gegen die Diskriminierung von Frauen wendet.

Nun ist ein weiterer ihrer Romane – von Katja Busson – ins Deutsche übersetzt worden: „Heaven“, der im japanischen Original bereits 2009 erschienen war.

Die Autorin greift darin das Schicksal von zwei 14-Jährigen auf, die in ihrer Klasse schwer gemobbt werden. Das geht bis hin zu Körperverletzung. Anlass für die Angriffe: Der namenlose Ich-Erzähler schielt, das Mädchen Kojima trägt schmutzige Kleidung und wäscht sich nicht. Schließlich kommt es zu einem Briefwechsel zwischen den beiden, und eine zarte Freundschaft bahnt sich an.

Der Autorin gelingt es überzeugend, in den Dialogen, die die beiden Jugendlichen führen, die Befindlichkeiten von Teenagern einzufangen: mit ihren Unsicherheiten, ihren Hemmungen und ihren Sprachlosigkeiten. Sie unterhalten sich zunächst lieber über das Wetter, als ihre Situation in der Klasse zu thematisieren. Das alles ist sehr emotional, spannend und überzeugend dargestellt. Bei den Mobbingszenen möchte man mitunter gar nicht weiterlesen, so eindringlich und nah sind sie beschrieben.

Und doch wird mit fortschreitender Seitenzahl die Frage immer dringlicher, warum sich die beiden um Himmels Willen nicht wehren oder sich nicht ihren Eltern oder Lehrern anvertrauen. Stattdessen lassen sie sich weiter malträtieren. Kojima, die nichts mehr isst und immer dünner wird, legt sich eine absurde Begründung für ihr passives Verhalten zurecht. Genauso absurd ist die Erklärung eines der Tyrannen, warum er sich so verhält.

Mieko Kawakami wertet diese Aussagen nicht und stellt ihnen keine anderen Meinungen entgegen. Das bleibt Aufgabe des Lesers.

Mieko Kawakami: Heaven.
Aus dem Japanischen übersetzt von Katja Busson.
DuMont  Buchverlag, September 2021.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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