Michael Robotham: Die andere Frau

In schöner Regelmäßigkeit schreibt der Australier Michael Robotham (Jahrgang 1960) einen neuen Psychothriller um den Psychologen Joseph „Joe“ O’Loughlin und den mittlerweile pensionierten Polizisten Vincent Ruiz. Am 27. Dezember 2018 erschien im Wilhelm Goldmann Verlag „Die andere Frau“ in einer Übersetzung von Kristian Lutze.

Professor Joseph O’Loughlins achtzigjähriger Vater liegt bewusstlos und mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus. Offenbar ist er eine Treppe herunter gestürzt. Joe eilt sofort ans Krankenbett und trifft dort auf eine ihm unbekannte, weinende Frau, die behauptet mit William O’Loughlin, „Gottes Leibarzt im Wartestand“, verheiratet zu sein. Nach und nach enthüllt sich das für Joe Unfassbare: sein ehrenwerter Vater hatte eine Zweit-Familie in London.

Die ehemalige Tennisspielerin Olivia Blackmore ist Mitte vierzig, attraktiv und lebt seit über zwanzig Jahren mit William O’Loughlin zusammen. Olivia hat einen psychisch kranken Sohn namens Ewan und einen toten Ex-Mann.

Joe glaubt nicht an einen Unfall, der ermittelnde Polizeibeamte DI Stuart Macdermid zeigt sich nicht sehr kooperativ. Seine junge Kollegin, Detective Kate Hawthorn, jedoch unterstützt Joes Ermittlungen. Außerdem weiht er Vincent Ruiz ein, der aktuell in Unternehmensbetrugsfällen ermittelt.

Schweren Herzens muss Joe erkennen, dass sein Vater eine zweite Seite hat, die ihm verborgen geblieben ist. Seine Mutter Mary und auch andere Vertraute der Familie, wie die Anwälte Kenneth und David Passage, wussten von Olivia Blackmore.

Und dann sind da noch die Familie D’Marco, an die William regelmäßig hohe Geldbeträge überweist, und die O’Loughlin Stiftung, bei der Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen festgestellt wurden.

Bis Joe O’Loughlin die wahren Täter überführen kann, gerät er wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihm Vincent Ruiz nicht nur einmal zur Hilfe kommt.

Michael Robotham setzt in „Die andere Frau“ auf das bewährte Personal: der von Parkinson gebeutelte Psychologe Joe, seine Töchter Charlie und Emma, und der raubeinige Ex-Detective Vincent Ruiz bilden ein eingespieltes Team, das dem Lesenden eine vertraute Lesegrundlage bietet. Dazu kommen Robothams spannende Erzählidee und –weise, wie das wohlgehütete Geheimnis von O’Loughlin Senior, das zum Dreh- und Angelpunkt für ein als Unfall getarntes Verbrechen wird. Michael Robotham verquickt die Familiengeschichte seines Protagonisten mit einem (beinahe) mörderischen Ereignis. Das sind die Zutaten für einen guten Psychothriller. Als Lesende gerate ich sofort in den Sog der Geschichte und folge mit Joe O’Loughlin den ausgelegten Fährten, von denen so manche eine falsche Spur ist. Jede Nebenfigur füllt schlüssig ihren Platz im Thriller, vom widerwillig ermittelnden DI Macdermid über die seriöse Anwaltsfamilie Passage bis zum psychotischen Halbruder Ewan. Sogar ein „Techtelmechtel“ mit der jungen Kate Hawthorn gönnt Robotham seinem Psychologie-Professor. So wächst mit jeder Seite die Spannung auf die nächste Enthüllung bis hin zur Entlarvung der Schuldigen. „Die andere Frau“ ist für Michael Robotham-Fans ein Muss, für alle anderen eine Leseempfehlung.

Michael Robotham: Die andere Frau.
Goldmann, Dezember 2018.
480 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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