Michael Peinkofer: Ork City

Corwyn Rash hat auf die schmerzhafte Art lernen müssen, dass das Schicksal seinen Fäkalieneimer immer mit vollen Händen direkt über seinem Kopf ausschüttet. Er hat im großen Krieg gedient, hat, auch dank seines siebten Sinns, überlebt, danach war er kurzzeitig in Diensten der Ordnungsmacht, sprich Bulle vom Dienst und inzwischen ist er Privatschnüffler. Unser Viertel-Ork ist bekannt als einer, der Prinzipien hat und das ist in Tirgaslan nicht unbedingt von Vorteil!

Wenn es ganz schlecht läuft, dann treibt er auch mal Schulden ein – auf die harte Art, versteht sich. Während die Hautevolee in Zeppelinen über der Stadt rauschende Feste feiert, haben Zwergensyndikate und Orkbanden die Unterstadt fest zwischen sich aufgeteilt. Eines Tages kommt die umjubelte Sängerin Kity in sein heruntergekommenes Büro – er soll ihren verschwundenen Manager auftreiben und das für satte Orgos. Dumm, dass er den Gesuchten gleich am folgenden Tag findet – ungeschickt deshalb, weil dies in der städtischen Leichenhalle unter Beisein einiger Gesetzeshüter passiert.

Was steckt hinter dem Blei in der Brust des Gesuchten, wie passt ein mysteriöses elfisches Artefakt dazu und warum hat der brutalste Zwergenclan seine Hände mit im Spiel – Corwyn will es gar nicht wissen und muss doch die Ermittlungen aufnehmen, steckt er doch schon über beide Ohren mittendrin im Schlamassel um einen dunklen Kult, ein elbisches Relikt und Morde satt…

Michael Peinkofer zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Fantasy-Autoren unserer Zeit. Seine ebenfalls im Piper Verlag erschienen Reihen um Orks oder Zauberer haben ihn nicht nur bekannt gemacht, sondern auch die Piper Fantasy Edition mitgeprägt. Nun also kehrt er in die Welt seiner gefeierten Ork Romane zurück, doch hoppla, ein wenig, nein eigentlich ganz anders, als erwartet. Statt erneut in ein archaisches Ambiente einzutauchen entführt uns der Autor in eine Zeit, die an die Dreißiger des letzten Jahrhunderts angelehnt ist. Sie erinnern sich – Al Capone, ambivalente, ständig rauchende, trinkfeste Ermittler, laszive Frauen – richtig, „Crime Noir“ nennt man diese Abart des Krimis. Humphrey Bogart hat etwa in „Der Malteser-Falke“ geglänzt, Raymond Chandler hat entsprechende hardboiled Krimis vorgelegt – nun also verbindet Peinkofer dies mit phantastischen Wesen.

Zwerge, Trolle und Gnome treiben ihr Unwesen und machen unserem Privat Eye das Leben noch schwerer, als es sowieso schon ist. Peinkofer greift tief in die Schublade entsprechender Vorlagen. Das heruntergekommene Büro mit Milchglasscheiben-Tür, der Besuch bei einer gefeierten Sängerin in einem auf den ersten Blick mondänen Night Club, von Zwergen betriebene Gangster-Syndikate, Box-Clubs und Pfandleihen – man findet sich in dieser Welt mühelos zurecht, so man entsprechende Krimis schon einmal goutiert hat.

Das Besondere ist die Vermengung mit phantastischen Elementen – nicht nur die Teil überzeichneten Fantasy-Rassen sind hier zu nennen. Dunkle Kulte, Beschwörungen, Seancen – und doch bleiben diese Beimengungen eher im Hintergrund. Sie runden das Bild, das sich uns anbietet atmosphärisch ab, rücken aber selten, wenn überhaupt ins Zentrum des Geschehens. Es geht in erster Linie um die Suche nach einem Verschollenen und später nach den wohl verborgenen Gründen für die Vorkommnisse. Das hat Pepp, Tempo und liest sich erfreulich frisch und spannend auf einen Rutsch durch.

Mission also erfüllt, Herr Peinkofer, der Leser wird abseits gewohnter Wege gut und stimmungsvoll unterhalten.

Michael Peinkofer: Ork City.
Piper, Januar 2021.
368 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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