Mia Kankimäki: Frauen, an die ich nachts denke

Mit 43 hat Mia Kankimäki eine heftige Krise. Sie ist unverheiratet, kinderlos, Single, ihre Wohnung hat sie verkauft, den Job gekündigt. Bisher hat sie ständig alle an sie gestellten Erwartungen erfüllt, studiert und fleißig gearbeitet. Jetzt fragt sie sich: Ist das der Sinn des Daseins? War das alles? Kommt noch was? Sie hat ein Buch geschrieben. Wird auch das nächste ein Erfolg werden? Wird es überhaupt ein weiteres Buch geben? Darf man bedingungslos seinen Wünschen folgen oder ist es besser, im Mainstream mitzuschwimmen?  Ihr Leben ist aus den Fugen geraten. In zahllosen schlaflosen Nächten denkt sie an historische Frauen, deren Leben nicht in traditionellen Bahnen verlaufen ist, die Grenzen überschritten und ungehörige Dinge getan haben. Alle sind ihren Leidenschaften gefolgt und haben viel dafür in Kauf genommen.

Die bekannteste von ihnen ist wohl Karen Blixen. Auf ihren Spuren fährt Kankimäki nach Kenia und Tansania. Sie verflicht Blixens Lebensgeschichte mit ihren Reiseerlebnissen. Auch nach Japan und nach Florenz fährt sie auf der Suche nach den Spuren besonderer Frauen. Namentlich sind das wie gesagt Karen Blixen, Isabella Bird, Ida Pfeiffer, Mary Kingsley, Alexandra David Néel, Nellie Bly, Yayoi Kusama, Sofanisba Anguissola, Lavinia Fontana, Artemisia Gentileschi. Es handelt sich um Alleinreisende zu Zeiten, in denen es undenkbar war, als Frau um die Welt zu fahren, um Forscherinnen, Verfasserinnen von Reisetagebüchern, Schriftstellerinnen und Künstlerinnen. Mia Kankimäki berichtet aus dem Leben dieser mutigen, herausragenden und oft wenig bekannten Frauen und flicht in ihren Text autobiografische Passagen und eigene Erlebnisse mit ein. Sie bedauert sehr, dass so vielen Frauen im Kunstgeschehen kein Raum gegeben wurde und Maler immer noch Malerinnen vorgezogen werden. Schließlich stellt sie für sich fest, dass Kunst ein ewiges Suchen, Zweifeln, einander Inspirieren ist, ein Klangwerk aus richtigen und falschen Tönen, Dass Kunst aus Entwürfen und Fehlschlüssen besteht und sich immer wieder aus Unvorhersehbarem und Ungeahntem Großartiges ergibt.

Mich persönlich hat dieses Buch nicht besonders mitgerissen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich meine Lebenssituation von der der Autorin ganz und gar unterscheidet.

Wer sich für Frauenschicksale aus vergangenen Jahrhunderten interessiert, ist bei Mia Kankimäki an der richtigen Adresse. Auch wenn man sich fragt, ob man mutig neue Wege gehen soll, kann die Lektüre dieses Buches erhellend sein.

Mia Kankimäki: Frauen, an die ich nachts denke.
Aus dem Finnischen übersetzt von Stefan Moster.
btb, Mai 2022.
560 Seiten, Taschenbuch, 12,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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