Max Goldammer: Feind des Volkes

Der Untertitel auf dem Buchumschlag war schon ein kleiner Schock. „Max Hellers letzter Fall“. Was wird passieren? Hat Max sich jetzt derart verrannt, dass er doch noch in Bautzen landet? Wird er einfach in Rente gehen – doch nicht Max, dem die Gerechtigkeit so am Herzen liegt. Wird er gar von einem Täter ermordet werden? Durch viele Bände hindurch haben wir Max Heller durch das Dresden der Nachkriegszeit begleitet, was wird jetzt aus ihm werden?

Während des größten Teils des Romans scheint all das möglich zu sein. Je älter er wird, desto weniger ist Hauptmann Max Heller bereit, an den passenden Stellen den Mund zu halten. Er fühlt sich in seinen Ermittlungen behindert, immer wieder wird er gezwungen, Rücksichten zu nehmen. Seiner Adoptivtochter Anni wird das Studium trotz hervorragender schulischer Leistungen verweigert. Sie stamme nicht aus einer Arbeiterfamilie ist die offizielle Begründung, aber Max ahnt anderes, die Familie ist eher nicht systemtreu genug. Seine Frau Karin bereut inzwischen zutiefst, dass sie nicht damals in den Westen zu ihrem geflohenen Sohn gegangen sind, als die Grenzen noch nicht ganz so dicht und die Gelegenheit da war. Dazu kommt, dass der gebliebene Sohn Klaus inzwischen von der DDR ebenso überzeugt ist, wie er es einst vom Dritten Reich war und ein hohes Tier in der Stasi geworden ist. Er schreckt auch nicht davor zurück, seine eigene Familie zu bespitzeln und dem Vater Steine in den Weg zu legen. Bis er den Kontakt ganz abbricht und Max und Karin sogar den Umgang mit der Enkelin verweigert.

In all dem soll Max dann auch noch einen Kriminalfall lösen. Zwei Wanderer (und ihr Hund!) wurden im Wald ermordet, mit vielen Messerstichen und zerstückelter Kleidung aufgefunden. Ist das die Tat eines Wahnsinnigen? Steckt die zurückgebliebene Hilfskraft aus dem nahegelegenen Restaurant dahinter? Auch wenn Max anderer Ansicht ist und auf den Gedanken versteift, dass die Morde etwas mit einer SS-Vergangenheit der Opfer zu tun haben müssen, wird 1959 nach einem Geständnis ein Mann verurteilt, dessen soziale Kompetenzen es fragwürdig erscheinen lassen, ob er sich überhaupt darüber im klaren war, was dieses Geständnis bedeutet.

Zwei Jahre vergehen, 1961 tauchen wieder Opfer auf, die nach dem gleichen Schema ermordet wurden. Und dieses Mal wird Max vom Täter angerufen und bedroht. Nicht nur er, auch seine Familie steht im Fokus dieses seltsamen Täters, der auch vor Polizistenmord nicht zurückschreckt und schockierend viel über Max und seine Gewohnheiten weiß.

Auch dieser Band lässt sich hervorragend lesen. Besonders gefallen hat mir, dass Max nie vergisst, was im Dritten Reich geschah. Auch wenn ihm das immer wieder im Weg steht, weil alle anderen nur zu gerne vergessen möchten, macht ihn das sympathisch und unterstreicht seine völlige Unbestechlickeit, wie auch schon in den vorhergehenden Bänden. Auch ist er in der Lage, Regime reflektierend zu vergleichen, was einen guten Einblick in die Zeitgeschichte bietet.

Fazit: Spannender Krimi mit tollen Einblicken in die Dresdener Zeitgeschichte.

Max Goldammer: Feind des Volkes.
dtv, September 2021.
416 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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