Matthew Reilly: Der große Zoo von China

China ist die aufstrebende Nation. Der meiste Reichtum auf der Welt ist hier angesiedelt, die Majorität aller Menschen sowieso und der Drang der Nation, endlich an die ihnen zustehende Stelle in der Machtpyramide aufzusteigen, nämlich auf Platz 1 ist ungebrochen. Dafür allerdings benötigt China ein Aushängeschild. Die USA haben Coca Cola und Disney, exportieren ihre Kultur, ihre Filme, Musik und Literatur beherrschen die Welt – das Reich der Mitte hat importierte Hochtechnologie und Massen an Arbeitern, die alles Kopieren, aber nicht entwickeln können.

Als Forscher in Südchina unter einem der dicksten Nickelvorkommen der Welt urweltliche Reptilieneier entdecken ist das eine Sensation. Als diese sich als lebensfähig erweisen und aus ihnen echte, lebende Drachen schlüpfen weiß die Parteiführung, die Tatsache geheim zu halten und einen Plan umzusetzen, der der Nation endlich ihre ihr zustellende Rolle in der Welt ermöglichen soll. Ein riesiger Zoo wird im Geheimen errichtet, in dem die Drachen mittels elektrischer Felder kontrolliert und von den Besuchern sicher auf freier Wildbahn beobachtet werden können.

Jetzt, nach mehr als 5 Jahren des Baus der gigantischen Anlage ist das Reich der Mitte soweit, das Geheimnis aufzudecken. Journalisten, Wissenschaftler und der US-Botschafter in China werden eingeladen, als erste Besucher einen noch geheimen, ganz besonderen Zoo zu besichtigen – den großen Drachenzoo von China. Alles wurde minutiös geplant, umgesetzt und bedacht. Eigentlich dürfte nichts schief gehen, die Generalproben liefen reibungslos – wenn, ja wenn die Drachen nicht intelligent und zum Planen befähigt wären.

Sie, die vor Urzeiten die herrschende Rasse auf Erden waren, die lang vor dem Menschen das gefährlichste Raubtier auf den Planeten darstellten sind alles andere als zahme Schauobjekte. Sie sind gefährlich, sind sind schnell, intelligent, brutal und absolut tödlich – wie Besucher wie Offizielle des Zoos schmerzhaft, ja tödlich am eigenen Leib erfahren müssen .

Matt Reilly war und ist ein Phänomen. Keiner schreibt Actionthiller, die packender sind als er, kein anderer Autor nimmt seine Leser auch nur annähernd vergleichbar an die Hand und entführt sie ins Land der unlogischen Superlative, ohne dass sie das Buch zuschlagen. Er ist und bleibt der König der Cliffhanger, seine kurzen Kapitel enden jeweils mit einer wahrlich fiesen Situation, aus der sich der jeweilige Protagonist eigentlich nicht wird herauswinden können. Eigentlich ist in diesem Satz das wirklich wichtige Wort, denn genau da setzt die Genialität Reillys an. Er häuft aberwitzige Situationen auf absolut tödliche Vorkommnisse, und ein ums andere Mal erlaubt er seinen Figuren, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, zu überleben.

Vorliegend erfüllt er sich einen Traum. Als riesiger Fan von Crichtons „Jurassic Parc“ haben es ihm die gefährlichen Jäger und Giganten der Urzeit angetan – einzig, dass Crichton schon vor ihm da war und das Feld erfolgreich und dominant beackert hat. Was also könnte größer, noch faszinierende und gefährlicher sein als Saurier – als er auf Drachen kam, nahm das Unheil, besser gesagt, die schlaflosen Nächte für seine Leser ihren Lauf. Vorhang also auf für einen Zoo der absoluten Superlative. Nur eine Nation auf der Welt hat die Manpower, das Geld und den Willen ein solches Gigant-Projekt auf die Beine zu stellen. Dass diese auch noch eine nachvollziehbare Motivation dazu hat, erleichtert Reilly die Anlage seines Plots.

Und dann legt er los – zunächst die durchaus überzeugende Darstellung der Einrichtung und Wunder des Zoos, der wir ebenso beeindruckt wie fasziniert folgen. Die Figuren, allen voran seine kantiger Hauptdarstellerin, wissen zu überzeugen, auch an Antagonisten mangelt es nicht.

Und dann, der Boden ist bereitet, das Fundament gelegt, beginnt das grosse Spiel des Matt Reilly – es wird gejagt, gekämpft, gestorben, Dinge fliegen in die Luft, Drachen greifen an, Tanklastzüge werden zu fliegenden Bomben – das ganz große Kopf-Kino des gebürtigen Australiers nimmt seinen Lauf. Man weiß als Leser, dass all dies nicht sein kann, das niemand, absolut niemand derartige Vorkommnisse auch nur für Sekunden überleben, geschweige denn weiterfighten kann. Und dennoch folgen wir gebannt den Bildern in unserem Kopf und unseren Helden.

Was Ullstein bewogen haben mag, den Autor aus ihrem Karussell zu entfernen, vermag ich beim besten Willen nicht nachzuvollziehen. Des einen Leid, des anderen Freund – Gerüchte wollen wissen, dass sich das Buch – verständlicherweise – verkauft wie frisch geschnitten Brot. Die zweite Auflage ist im Druck und Jeder, der sich ein paar Stunden von nicht stören lassen will, weil er gebannt verfolgt, wie es weitergeht, der sollte sich das Meisterwerk Reilly´scher Erzählkunst möglichst bald sichern!

Matthew Reilly: Der große Zoo von China.
Festa Verlag, August 2017.
480 Seiten, Taschenbuch, 13,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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