Matthew Quick: Happy Birthday, Leonard Peacock

leoHeute wird Leonard Peacock 18 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zum Freuen. Seine Eltern sollten stolz auf ihn sein, er sollte den Tag umringt von seinen besten Freunden verbringen, Spaß haben und einfach sorgenfrei in den Tag hineinleben. Doch keiner gratuliert Leonard, keiner denkt an ihn. Er beginnt, einen Plan zu verfolgen: An diesem Tag soll sein ehemals bester Freund Asher sterben – danach möchte er auch sich selbst mit der Waffe seines Großvaters umbringen.

Die eigentliche Handlung von „Happy Birthday, Leonard Peacock“ findet innerhalb weniger Stunden an einem einzigen Tag statt. Da Leonard gedanklich aber immer wieder in die Vergangenheit abschweift, dehnt sie sich dann doch auf 280 Seiten aus. Ein Buch, das mich – nicht nur deshalb – zwiegespalten zurücklässt. Es passiert wirklich nicht viel in diesem Roman und doch ist er immer mal wieder spannend, da man natürlich wissen möchte, wie Leonards Geburtstag ausgeht und wer sein Leben lassen könnte. In seiner High School sind bereits einige Lehrer alarmiert, als er mit geschorenem Haarschopf auftaucht und sich äußerst seltsam verhält. Er gibt Geschenke an die Menschen, die ihm in seinem Leben wichtig waren, und das waren nicht gerade viele. Neben seinem alten, Westernfilme liebenden Nachbarn Walt, mit dem er sich stets anhand von alten Filmzitaten unterhält, zählt zu ihnen beispielsweise sein Lehrer.

Dieser Lehrer hat ihn auch zu etwas angehalten, was ich für die kleinen Juwelen dieses Jugendromans halte. Leonard soll Briefe aus der Zukunft schreiben. Er soll sich vorstellen, welche Menschen er in zwanzig Jahren kennen wird und was sie ihm schreiben würden. So entstehen mehrere Kapitel als Briefe aus der Zukunft von seiner zukünftigen Frau und Tochter, die ihn dazu anhalten, durchzuhalten und erwachsen zu werden. Denn damit hat Leonard ein wesentliches Problem. Er hält fast alle Erwachsenen für äußerst gleichgültig und unzufrieden mit ihrem Leben. Und so möchte er nicht werden. Wie gerne würde er sich die Unbeschwertheit und Freude eines Kindes beibehalten. In seinen Zukunftsvisionen schafft Leonard den Sprung dann doch noch, auch wenn es die Welt ihr aktuelles Antlitz gekostet hat und nach dem Schmelzen der Polkappen fast alles Land überschwemmt ist. Als Leuchtturmwärter lebt er unbeschwert und glücklich mit seiner kleinen Familie und kann seiner Tochter genau der Vater sein, der er sein möchte.

Dieses Buch bedrückt auch. All die Hilferufe, die Leonard aussendet, werden von seinen Mitmenschen überhört und nicht gesehen. Jeder denkt nur an sich selbst, er hat keine Vertrauten mehr. Besonders deprimierend ist das in Bezug auf seine Mutter, die schon lange nicht mehr weiß, was in seinem Leben vorgeht. Sie lebt im von Philadelphia weit entfernten New York und kommt nur noch sporadisch nach Hause, seinen Geburtstag hatte sie auch nicht im Kopf.

Manchmal bedrückende Lektüre, die empfehlenswert ist und kleine Juwelen in den Briefen aus der Zukunft bietet.

Matthew Quick: Happy Birthday, Leonard Peacock.
dtv, Juni 2014.
280 Seiten, Taschenbuch, 13,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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