Massimo Gramellini: Träum was Schönes

derDer Inhalt des italienischen Bestsellers „Träum was Schönes“ von Massimo Gramellini, der jetzt auch auf Deutsch erscheint, ist schnell erzählt: Ein Junge verliert im Alter von nur neun Jahren seine Mutter und leidet zeitlebens darunter.

Der Verlust eines Elternteils im Kindesalter dürfte zum Schlimmsten gehören, was ein Mensch erleben kann, und es fällt schwer, über eine so intime Lebensbeichte, wie es dieses Buch darstellt, eine adäquate Rezension zu schreiben. Um das tun zu können, müsste man streng genommen ein entsprechendes psychologisches Vorwissen haben. Andernfalls wirkt der Versuch fast anmaßend.

Und doch bringt der 1960 geborene Autor seinen Text als „Roman“ heraus, begibt sich damit in die Öffentlichkeit und muss daher auch mit einer möglichen Kritik rechnen und leben. Und die geht so: Irgendwann kommt beim Lesen die Frage auf, ob man nicht 20, 30 oder gar 40 Jahre nach einem solchen Kindheitserlebnis zumindest insoweit Abstand dazu haben könnte, dass es nicht mehr das alles bestimmende Lebensthema ist – wie es aber bei Massimo Gramellini der Fall zu sein scheint.

Das kommt besonders in den verschiedenen Frauen-Beziehungen, die Gramellini eingeht, zum Tragen. Da der Roman ausschließlich aus der Sicht Gramellinis geschrieben ist, fehlt hier die Sicht der Frauen, die mit der Situation leben müssen, dass ihr erwachsener Partner immer noch stark mutterfixiert ist.

Auf der Positivseite steht eine unsentimentale, klare Sprache, die dem Text jede Gefahr von Süßlichkeit oder gar Kitsch nimmt, die bei dem Thema sicherlich vorhanden ist.

Das nur 200 Seiten dünne Büchlein, das in Italien lange Zeit auf Platz 1 der Bestenliste stand und derzeit in 40 Sprachen übersetzt wird, dürfte für all jene hochinteressant sein, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben, für alle anderen könnte es thematisch ein wenig eindimensional sein. Der Roman tritt thematisch etwas zu lange auf der Stelle – etwas Bewegung kommt erst sehr spät hinein.

Massimo Gramellini: Träum was Schönes.
Piper, März 2014.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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